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zlaubens, welcher mit dem leiblichen Schmuck hier vielfach
‚erbunden ist. Bezüglich des ersten Punktes ist die ein-‚eimische
Benennung der Schmucksachen die wichtigste Quelle
Jes Verständnisses, und es muss daher dringend gewünscht
werden, dass jeder Sammler auf diesem Gebiete seine Aufmerksamkeit
auf die Namengebung erstrecke. Wenn z. B.
der Name eines Frauenhalsschmuckes „choti“ lautet, so gibt
uns dies die Andeutung, dass wir hier eine stylisirte Feuerliege
(skr. cchöti = Feuerfliege) vor uns haben; andere Beispiele
sind jhumak, Name eines Ohranhängsels, mit der
Bedeutung „Passionsblume“, patschi-kündu = Vogelnest,
pagpän = Fussbetelblatt u. s. w. Dieser einfache und natürliche
Schlüssel wird uns in vielen Fällen sofort ein tieferes
Verständniss der indischen Schmuckformen vermitteln und
zugleich an den nie ganz aufgegebenen Zusammenhang erinnern,
welcher zwischen dem künstlichen Metallschmuck,
der Errungenschaft einer späten und hohen Culturstufe und
dem natürlichen, der Natur unmittelbar entnommenen oder
aus ihren elementaren Putzmitteln, wie Blumen, Stroh, Grasnalme,
Insecten (glänzende Käfer, Fliegen, Schmetterlinge) etc.,
improvisirten Schmuckapparat des Naturmenschen besteht.
Ein anderer, aus der genauen Beachtung der Schmucknamen
sich ergebender Vortheil für das Verständniss ist der Umstand,
dass sich aus ihrer Vergleichung in zahlreichen Fällen
sin gewisser Formen- und Handelsverkehr verräth, so dass
wir die Einwanderung und Verbreitung gewisser Schmuckarten
in den verschiedenen geographischen und ethnologischen
Provinzen Indiens genau zu verfolgen in die Lage kommen.
Eine zweite Richtung, in welcher der Sammler indischen
Schmuckes seine Aufmerksamkeit bethätigen sollte, ist die
vielfache abergläubische Bedeutung, welche man mit dem
Tragen gewisser Schmucksachen verbindet, Ebenso wie man
bei der Tätowirung mit gewissen Marken und Ornamenten
säinen bestimmten Sinn verbunden fand und daraus auf das
Wesen der Tätowirung ein bedeutsames Licht fiel, ist die
Superstition auch auf diesem Gebiete stets vorauszusetzen
und zu beachten, In Indien ist hiebei das Sectenwesen einerseits,
die Unterscheidung der Kasten andererseits ein wichtiger
Factor. Als Beispiele seien hier nur die primitiven Muschelarmreifen
(cankhak), welche dem Ehemanne der Trägerin
Glück bringen sollen (nur von Hindufrauen getragen) oder
die Nasenringe (nath), welche nur von Frauen oder Mädchen
getragen und daher ausnahmsweise Knaben eingehängt werden,
um den Dämon, der die Knaben tödtet, zu täuschen,
angeführt. Wie wenig gilt doch das Merkmal „Amulett“, mit
dem man sich in solchen Fällen gewöhnlich begnügt.
Hierüber wäre es recht dankbar, aber auch sehr schwierig, in
einer eigenen Arbeit zu handeln. Im Berliner Museum für Völkerkunde
liegt reiches Material dazu vor ; dürfen wir von dieser Seite
nicht etwas Derartiges erwarten? Herrn FıscmHer’s Abhandlung
nacht wirklich Lust nach Mehr, Haberlandt.
45.
Hardy, Dr. Edmund. Der Buddhismus, nach älteren
Päaliwerken dargestellt. (1. Bd. der Darstellungen
aus dem Gebiete der nichtchristlichen Religionszeschichte.)
Münster i. W. 1890. VIII, 168 pp.
Mit grosser Kenntniss der Quellen und unbestechlicher
Kritik ausgerüstet und vor Allem auf der Höhe der heutigen
ndischen Alterthumswissenschaft stehend, hat der Verfasser
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XX. 1890.
201
lieser jüngsten Darstellung des Buddhismus ein Werk geiefert,
das neben so zahlreichen vortrefflichen Handbüchern,
wie den Schriften Kozrren’s, KErn’s, OLDENBERG’S, MONIER
NırLrtams’, durchaus nicht überflüssig erscheint, Namentlich
1eben OLDENBERG’s „Buddha“, das erst kürzlich in zweiter
\uflage erschienen ist, wird es sich durch seine weitere Er-;treckung
in die grosse geschichtliche Epoche des Buddhismus
ıinein, sodann aber auch durch seine Grundannahme bezügich
der Stellung des Buddhismus zu verwandten Heilslehren
shrenvoll behaupten. Hasnr schliesst sich nämlich in seiner
Jarstellung mit Recht der immer wahrscheinlicher werdenden
\uffassung BümHLer’s und Jacosr's an, dass der Buddhismus
n fortwährender Rivalität mit der älteren Schwestersecte,
ler Jainareligion, aus dem älteren Brahmanismus, und zwar
jus dessen asketischer Richtung, sich entwickelt habe. Für
len Ethnographen unterscheidet sich Harpy’s Werk auch
nsofern in nützlicher Weise von seinen Vorgängern, als es
n mehreren Capiteln. den Versuch macht, mit Hilfe buddhitischer
Quellen indische Culturbilder aus verschiedenen
“pochen des jüngeren Buddhismus zu bringen, wie z, B. in
ler Einleitung, im sechsten Capitel und an anderen Orten,
Jie ältesten buddhistischen Sütra’s enthalten nämlich eine
Jenge ethnologischen Stoffes und nehmen in dieser Hinsicht
ine ähnliche Bedeutung für die buddhistische Zeit Indiens
n Anspruch als die grhyasütra’s für die vedische Periode.
'ndem sie mit grosser Folgerichtigkeit und Umsicht die wahre
wuddhistische Denkart und Haltung von allem Unrechten ab-;renzen,
gewähren sie einen ausführlichen Einblick in Aber-Jauben
und „gemeine“ Bräuche, welche zu ihrer Zeit in
ndien die herrschenden gewesen zu sein scheinen. Es ist ein
‚rosses Verdienst des Verfassers, gelegentlich stets auf solche
‘ur die Volkskunde des alten Indien bedeutsamen Abschnitte
ınd Stellen aufmerksam gemacht zu haben, wie dies namentich
in den inhaltreichen Anmerkungen zum Texte geschehen,
Jnzweifelhaft würde es eine lohnende Aufgabe für einen mit
ien Päliquellen vertrauten Ethnologen sein, diesen ethnorraphischen
Stoff aus dem buddhistischen Tripitaka, d. i.
‚em Schriftcanon, auszuziehen. Referent ist in der Lage,
‚einerseits einen derartigen Versuch in Aussicht zu stellen,
Aber auch die Capitel, in welchen das historische und
logmatische Verhältniss von Buddhismus und Jainismus
inerseits und von Buddhismus zum Christenthum anderer-‚eits
eine eindringende kritische Erörterung erfahren, vereihen
dem Werke Haxrpy’s ein Interesse, das weit über dasenige
hinausgeht, welches man heute einer blossen neuen
Monographie des Buddhismus entgegenbringen würde. Es
zann dabei wohl nicht verschwiegen werden, dass namentich
in letzterer Hinsicht andere, vielleicht nicht minder
‚ompetente Beurtheiler anders geurtheilt haben als der Verasser;
indessen benimmt diese leise subjective Färbung den
nitgetheilten Thatsachen nichts von ihrer Wahrheit und der aus
hnen gelieferten Darstellung, nichts von ihrer rühmenswerthen
Zlarheit und Anschaulichkeit. Haberlandt.
46.
Hirth Friedrich. Chinesische Studien. Erster Band.
München und Leipzig. G. Hırry’s Verlag. 1890.
322 pp.
Sechzehn Monographien zur Cultur- und Handelsgeschichte,
‚owie zur Landeskunde Chinas, die in verschiedenen Fach-