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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

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Töne-Periode unter den keramischen Ueberresten“,
Das Hofmuseum besitzt solche Gefässe von der
Gurina im Gailthale, der Dammwiese bei Hallstatt,
dem Dürenberge bei Hallein, vom Hradist& bei
Stradonitz und vielen anderen weniger gut definirten
Localitäten *). Es ist nicht zu verkennen, dass diese
Kämmung mit der in der La Töene-Periode allenthalben,
 so weit die Kelten gelangten, beobachtbaren,
 eigenthümlichen, schrittweisen Assimilirung
der technischen Hilfsmittel der Römer und Griechen,
welche sich auch in dem Nebeneinandervorkommen
gedrehter und roher ungedrehter Gefässe?) ausspricht,
 eng zusammenhängt,
Ein anderes Detail, welches sich ebenfalls mit
der Drehscheibe schon in der La Töne- Zeit einzufinden
 scheint, ist die Auftreibung des unmittelbar
 unter dem kurzen Topfhalse gelegenen Gefässtheiles
 zu einer oder zu zwei beiläufig fingerbreiten
Wülsten, Wir sehen diese Wülste in zwei extremen
Entwicklungen an den ziemlich häufigen Gefäss
formen, Taf. I, Fig. 12 und 18, wiederkehren ; in
dem einen Falle als zwei sehr breite, das obere
Drittel des Gefässes occupirende Wülste, in dem
anderen Falle als schmale von ebenen Zwischen-:äumen
 getrennte Leisten auf einer archaischen
Gefässform.
Das Wellenornament erscheint in unseren Alpenyegenden
 und wohl auch nördlich von der Donau
zuf den Thongefässen gleichzeitig mit dem ersten
Auftreten der Töpferscheibe und hat also seine Anfänge
 in der La Töne-Periode. Dieses Anfangsstadium
zeigt sich uns z. B. an einem im k. k, Hofmuseum
aufbewahrten typischen La Töne -Gefässfragment
(Nr. 3202) vom Hradist& bei Stradonitz als eine
oinfache, von zwei parallelen Linien eingeschlossene
Wellenlinie. Aehnliche Ornamente erscheinen wiederaolt
 eingravirt auf Schwertscheiden von Marın 9);
einfache oder doppelte Wellenlinien, welche theils
allein, theils an gerade Striche angelehnt, theils
zwischen zwei Linien eingeschlossen verlaufen. Das
ganz gleiche Ornament finden wir auch auf Gefässen,
welche wir entschieden der Zeit der Römerherrschaft
zuzählen müssen, durchwegs schlankbauchigen, tonnenähnlichen
 Urnen mit schmalem Mundsaume aus hell-1)
 Eine Reihe derselben ist angeführt bei Dr. M, Hozanzs,
[‚a Tene-Funde in Niederösterreich, Mitth, d. Anthr. Gesellsch.
Bd. XIX, p. 65—70.
2) Siehe: Hozaness, 1. c, Bd. XVII, Sitz.-Ber, p. [95].
%) Vonga, Les Helvetes A La Tene, Neuchatel 1885,
(af. I und II.

roth gebranntem Thon, ähnlich mit der auf Taf. I,
Yig. 11 gezeichneten Form, jedoch grösser. Das
Hofmuseum besitzt solche Urnen aus einem Tumulus
7ei Patka, Comitat Raab in Ungarn, aus zwei Grabıügeln
 von Kilb bei St. Pölten und aus einem von
Nassering bei Amstetten in Niederösterreich. Auf
ıllen vier Urnen haben wir die von zwei parallelen
inien eingefasste Wellenlinie als Element, welches
uf einer Urne von Kilb einmal angebracht ist,
während es sich auf der Urne von Patka zweimal
ınd auf zwei Urnen (von Kilb und von Wassering)
Ireimal wiederholt, Das gleiche Ornament bildet
ANDENSCHMIT *) auf einer Urne von Esselborn in
iheinhessen ab ?).
Von der Gurina im Gailthale besitzen wir mehrere
Scherben mit Wellenornament, theils in dem erwähnten
 Anfangsstadium mit einfachen Zügen, theils
n mehrstrichigen, mit dem Kamme gezogenen Bänlern
 ®), doch ist bei diesen Scherben nicht immer
zenau zu unterscheiden, was römisch und was La
Föne ist, Jedenfalls möchte ich die typische Entwicklung
 des Wellenornamentes, bei dessen Heritellung
 sich der Töpfer eines mehrzinkigen Kammes
»ediente, in die Zeit der Römerherrschaft über
Noricum, vielleicht erst in das zweite Jahrhundert
unserer Zeitrechnung versetzen.
Auf römischen Gefässen aus Niederösterreich hat
Ir. Muvocm*) schon vor 15 Jahren das eigentliche
Wellenornament neben einfachen Wellenlinien constatirt.
 Saxr (1, c.) constatirte es auf Wiener Legionszegeln.

Immerhin bleibt es noch ein seltenes und nur auf
zewöhnlicherer Waare angewendetes Motiv, welches
aoch weit von der ausgebreiteten, strengen Herrschaft,
 die es im sechsten Jahrhunderte unserer
Zeitrechnung erreichte, entfernt ist.
Als solche vereinzelnt angewendete Verzierung
inden wir es auch auf zwei flach-konischen Thon-*)
 Altherth. unserer heidnischen Vorzeit, Bd. III, Heft VI,
Caf. IV, Fig. 8.
2) Einige hieher gehörige Fundstücke mit einfachen
Wellenzügen behandelt auch „Sexr, Wiener Legionsziegel
ınd Wellenornament“, Mitth. d, Anthr. Gesellsch. Bd. XIV.
Terhandl. p. [47]. Auch Voss und Srrumte (Vorgesch. Alter-'hümer
 a, d, Mark Brandenburg, Abth. V, Taf, V, Fig. 14)
oilden eine derartige einfache Wellenlinie auf einer römischen
Urne von Fohrde im Kreise Westhavelland ab.
3) Siehe z, B. A, B. Meyer, Gurina, Taf, XIH, Fig. 20,
36 und 37.
*) Dr. MAtmäus Muvcs, Germanische Wohnsitze und Baulenkmale
 in Niederösterreich. Mitth. d. Anthr. Gesellsch.
Bd. V, p. 59 und 103
            
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