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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

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ihnen gleich den eisernen Palstäben in der älteren
Hallstatt-Periode anweisen.
Ich betone diese Altersgleichheit, weil heutzutage
 noch häufig in dem Umstande, dass solche
Palstäbe oder andere Waffen aus Bronze gefertigt
sind, ein Argument für die Altersbestimmung gesucht
wird. Dieser Argumentation gegenüber will ich die
hronzenen Palstäbe mit breiten, aber kurzen Schaftlappen
 speciell für die Hallstatt-Periode reclamiren,
und zwar nicht etwa in dem Sinne, dass sie als
alte, aus der Bronzeperiode herüber gerettete Erbstücke
 zu betrachten sind, sondern in dem Sinne,
lass sie ihrer Erzeugungszeit nach und typologisch
vollkommen gleich sind mit den betreffenden eisernen
Palstäben !). Der an und für sich wenig ansprechende
Einwand, dass möglicherweise zu zwei verschiedenen
Zeiten — einmal aus Bronze und später aus Eisen
— die gleichen Beilformen erzeugt und getragen
worden sein mögen, wird vollständig hinfällig, wenn
man die Funde aus unseren Grabhügeln, aus dem
Gräberfelde von Hallstatt u. s. w. studirt. Da sehen wir
z. B. in dem Tumulus Nr. 3 des Höchschusterwaldes ?)
ainen Bronzepalstab vergesellschaftet mit einer langen,
mehrknopfigen Schmucknadel von echtem Hallstatt-F’ypus
 und einem concaven Eisenmesserchen, Von Hallstatt
 selbst, wo die in relativ geringerer Zahl vorhanjenen
 Bronze- und Eisenpalstäbe die gleiche Gestalt
wie die Wieser haben, will ich folgende Beispiele anführen:
 Im Skeletgrabe Nr. 544 war ein Bronzepalstab
neben einer charakteristischen Eisenlanze enthalten.
I'm Brandgrabe Nr. 574 fand sich neben einem Bronzepalstab
 ein Dolch mit eiserner Klinge. Das Brandzrab
 Nr. 607 enthielt neben dem Palstabe ein schönes
Bronzeschwert mit grossem Knauf und steil abgestutzter
 Spitze (das schönste und charakteristischeste
Schwert dieser Art) und zwei lange Schmucknadeln.
[n dem Brandgrabe Nr. 702 endlich wurde bei einem
Dolche mit breiter Eisenklinge ein Palstab gefunden,
dessen obere Hälfte mit den Schaftlappen aus Bronze
und dessen untere Hälfte aus Eisen besteht. Eine
weitere Vermehrung der Beispiele wird kaum ge-:ordert
 werden,
Lanzenspitzen wurden in unseren Grabhügeln
1ahezu ebensoviele constatirt als Hiebwaffen, nämlich
16 Stück °). Es lassen sich unter ihnen drei Formen
ınterscheiden: Eine schlanke Form mit sehmalem
4) Siehe: Mittheil, d. A, G., Bd, XV, Taf, VII, Fig. 1, 2,
4 und 10.
») Mitth. d. A, G., Bd. XV, p. 140.
3 Davon 1 Stück aus dem Grebinzkogel (l. e. p. 198).

Blatt und starker dreiseitiger Rippe (Mitth., Bd. XV,
Caf. VII, Fig. 3), eine zweite, langgestreckte Form
nit sehr starker, vierkantiger Rippe (Taf. VII, Fig. 7)
ınd eine an die breiten Mittel-La-Tene-Lanzen ernnernde
 Form mit schwacher Rippe und stark verıreitertem
 Blatt. Unter diesen Formen hätten wir
lie erstgenannte, welche sich noch am nächsten an
lie Bronzezeit-Typen anschliesst, als die ältere zu
‚etrachten, welcher sich die zweite Form als jüngere,
lie dritte aber als jüngste anschliessen würde. Doch
assen uns auch bezüglich dieser Abstufung die
Nieser Funde wieder im Stich, und ich muss hinzu-"ügen,
 dass auch die Funde von Hallstatt und Watsch,
n welchen diese drei Lanzentypen mit einem reichen
Schatze anderer Beigaben vergesellschaftet sind, nicht
°ür diese Classification sprechen.
Der Bewaffnung des Kriegers und Jägers lässt
sich ungezwungen die Ausstattung seines Rosses an-:chliessen.
 Dass das Pferd auch in dem ziemlich
‚ebirgigen Bezirke unserer Funde nicht selten war
ınd ebenso wie anderwärts hoch_ geschätzt wurde,
zeigen uns die Funde von Pferdegebissen, deren
ınsere Grabhügel nicht weniger als 8 Stück lieferten.
Is waren — wie nicht anders zu erwarten — immer
"umuli von grösserem Umfange, unter deren Beigaben
ıuch das Pferdegeschirr eine Rolle spielte. Unter
len Funden aus dem Grebinzkogel werden sogar
‚wei Gebisse angeführt.
Alle acht Pferdegebisse sind aus Eisen, mit
nem nach der Art unserer heutigen Trensen aus
‚wei Gliedern gebildeten Mundstücke. Ueber die anderveitige
 Ausstattung geben uns die durchwegs schlecht
rhaltenen Funde leider keinen Aufschluss.
Die Bezäumung und der Schmuck der Pferde
scheinen nicht reich gewesen zu sein. Von den andervrärts
 zu Tage gekommenen bronzenen Zierscheiben,
liemenknöpfen u. s. w. ist hier so viel wie nichts
ırhalten. Nur einige Eisenringe und vielleicht auch
nige Knebel können wir zum Pferdegeschirr rechnen.
Unter den Schmucksachen geben nur die
wenigen ausreichend conservirten Nadeln und Fibeln
\nlass zu einigen Bemerkungen. Wenn uns andere
zleichalterige Nekropolen ganze Lasten von schönen
\rmringen, Fussringen, Anhängseln, Gürtelzierathen
a. s. w. geliefert haben, so weisen unsere Fund-'‚egister
 immer nur geringe Bruchstücke solcher
Schmuckgegenstände auf. Und doch weist das Geaammtbild
 der Bestattungsgebräuche, das wiederholte
Vorkommen von verschiedenartigen Goldsächelchen
im Grebinzkogel, Tschoneggerfranzl- Kogel und
            
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