Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

- 172

nichts als durch den Wunsch, die für das erwartete
Brandgrab angemessene Quadratform der Kammer
zu erreichen, ‚begründet. Von derselben vorgefassten
Meinung beeinflusst scheint mir die Erklärung der
ın der Steinkiste gefundenen „dunkleren Erde mit
Knochensplittern“ zu sein. Obwohl. weder die vorhandenen
 Knochen als calcinirt bezeichnet noch
die etwa beobachteten Holzkohlen angemerkt werden,
wie dies sonst selten unterblieb, wird doch die nur
innerhalb der Kiste hervorgetretene dunklere Färbung
 der Erde auf eine „Mischung der Brandreste
mit dem Anschüttungsmateriale gelegentlich einer
früheren Oeffnung des Hügels“, welche aber von
aussen nicht wie in den meisten anderen Fällen zu
erkennen gewesen war, zurückgeführt.
Die beiden älteren hieher zu rechnenden Grabhügel
 sind der Grebinzkogel und der (im Jahre 1844
geöffnete) Hartnermichel-Kogel Nr. I.
Beim Grebinzkogel hat PrATosEevera seine Aufmerksamkeit
 auch der Bestattungsart zugewendet.
Nachdem er den einzigen von Grebinz bemerkten
and als Kniescheibe ausgegebenen Knochen besprochen,
 fährt er fort!): „Ebensowenig hat er
Asche oder Kohlen gesehen, was ich mindestens
insoweit bestätigen muss, dass ich auch alles Suchens
ungeachtet nichts davon bemerkte. Da auch an den
Todtengaben keine Merkmale von Brand zu sehen
sind, so möchte hier einfache Beisetzung der Leiche
>hne Verbrennung stattgefunden haben.“
Das angeblich 2 Klafter lange, 2 Schuh breite
und 2*/„ Schuh hohe, ganz mit Kieselsteinen ausgelegte
 Grab, welches (den etwas unsicheren Nachrichten
 zufolge) in dem einen Hartnermichel-Tumulus
enthalten war, würde seinen Dimensionen nach
sbenfalls für ein Skeletgrab passen. Freilich darf
nicht übersehen werden, dass nach dem Berichte
SERMONETS ?) an einer Stelle des Grabes, an welcher
lie Stücke von Thongefässen gefunden wurden,
‚sich auch eine schwarze, flüssige Masse, welche
einen sehr heftigen üblen Geruch von sich gab, befand“.
 Man: könnte nun in dieser Masse die in der
zerdrückten Urne enthalten gewesene Brandasche
vermuthen. Doch ist diese Annahme nicht zwingend,
3s kann sich ebensowohl um die Reste von Speisebeigaben
 handeln.

1) Archäologische Beiträge von EDvARD PRATOBEVERA. I,
Keltische Alterthümer aus dem Saggauthale, Mittheilungen
des historischen Vereines für Steiermark, 7. Heft, Graz 1857,
p. 190.
2) PRATOBEVERA, l. c. p. 186.

Der vollständige Mangel von erkennbaren Knochen-’esten
 ist bekanntlich kein Argument gegen die Anıahme
 von Skeletgräbern. Eine grosse Zahl von
\usgrabungen hat uns gezeigt, dass in gut durchässiger,
 kalkarmer Erde die Knochensubstanz ziemich
 rasch aufgelöst wird und dass kaum solche
"heile erkennbar erhalten bleiben, welche durch
ine von Metallbeigaben herrührende Malachit- oder
3rauneisenstein-Imprägnirung geschützt sind. Und
zerade an solchen Beigaben mangelt es in mehreren
ler hieher gerechneten Gräber.
Das Nebeneinandervorkommen von Brand- und
Skeletgräbern ist in den Nekropolen der Hallstatt-7eriode
 bekanntlich keine Seltenheit, sondern räumich
 und zeitlich weit verbreitet. Wir finden es in
len Tumulis im südwestlichen Böhmen (Umgegend
von Pilsen und Stiahlau) und in Krain (St. Marga-;ethen
 und Podsemel), sowie in den Nekropolen von
Hallstatt, Watsch, Este, Bologna, Villanova und in
len etruskischen Tumulis und Felsengräbern, In
liesen manchmal erstaunlich reich ausgestatteten
»ruskischen Gräbern fanden sich wiederholt Brandınd
 Skeletbestattungen, Urnen und Sarkophage in ein
ınd derselben Grabhöhle vereinigt, ja in der Grotta
Jampana zu Veji lagen in dem mit den alten, orientalirenden
 Wandgemälden geschmückten Raume !) auf
zwei an die Wand anschliessenden herdähnlichen
Mauerbänken, welche mich an ähnliche Steinbauten
in unseren grossen Grabhügeln, z. B. den Kürbischyauer-Kogel
 (XV, 154) erinnern, offene Skelette ohne
Sarkophag neben einer Anzahl auf den Boden hinzestellter
 Aschenurnen.
Auch Einzelnheiten von geringerem Belange, wie
las Zahlenverhältniss der Skelet- zu den Leichen-»randgräbern
 und die Ungleichheit in der Ausstatung
 der ersteren (neben dem reichen Grebinzkogel
lie anderen acht armen Tumuli) haben ihre Paralelen
 in anderen Nekropolen. Es mag z. B. darauf
hingewiesen werden, dass unter den Skeletgräbern
ron Hallstatt gleicherweise besonders arme und besonders
 reich ausgestattete vertreten waren, während
n Villanova, wo auf 193 Brandgräber nur 14 Skeletzräber
 entfielen, diese durchschnittlich ärmer waren.
Wenn die angeführten 10 Grabhügel unseres Ge-Yetes
 als Skeletgräber anerkannt werden, so stehen
ihnen 86 Tumuli mit mehr als 100 Brandgräbern
zegenüber, zufällig ein ähnliches Zahlenverhältniss
wie in Villanova. _
') Siehe die Zeichnung bei Dennis, Crres and CEMeTERıES
of Etruria, 3. Ed. London 1883, Bd. I, v. 31
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.