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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

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3s sei keines der Lebensbilder, da diese profilartig
sind, sondern eine Abbildung der Statuetten, Er
konnte es nicht errathen, warum die Frau, wie die
zriechischen Göttinnen, nackt war; er verlor sich in
Vermuthungen, behauptete aber, dass es Istar sei
in dem Augenblick, wo sie in die Hölle steigt,
Nikolskij klärt denn nun die ganze Sache auf.
[n Dr. Blau’s reicher Sammlung fand er auf fünf
Cylindern dieselbe Gottheit, auf einer war sie von
den Buchstaben des Wortes Sala umgeben. Neben
ihr stand ein Mann mit der Inschrift Ramon. Auf
sinem anderen Cylinder war eine Scene abgebildet
and mitten unter die Personen Ramon und Sala
eines über dem anderen in Miniatur eingeschoben.
£s steht nun fest, dass die Weiberfigur nicht Istar,
sondern Sala darstelle. Der Sala wurden Tempel
arrichtet , wo ihre Statuen standen. Diese Statuen
sind es, die auf den Cylindern vorkommen.
Achtzehnte Sitzung: 19./31. Januar,
2 Uhr Nachmittags.
Section fürhistorisch-geographische und
ethnographische Alterthümer.
I. Prof. J. N. Smirnow: Spuren des Canıibalismus
 in der wotjakischen Volks-20esie.

Vor Allem stecken die Spuren der Anthropophagie
n den wotjakischen Märchen, Eines derselben erzählt
 denselben Fall, der bei den heutigen Dayak,
Viti-Insulanern u. A. vorkommt, und zwar das Verzehren
 des Herzens des besiegten Feindes. Weiters
jeruhten auf dem Cannibalismus die Menschenopfer,
die wir bei den Wotjaken (ebenfalls in den Märchen)
sreffen. Gott wurde selbst bei ihnen für einen Cannibalen
 gehalten, der an Menschenfleisch Geschmack
and. Endlich wurzelt auch der Volksglaube fest im
Jannibalismus. Man glaubt an Leute, welche Theile
des menschlichen Leibes verzehren, um Eigenschaften
der Verzehrten, wie Kraft, Muth u. A. zu erben.
Ebenso verbreitet ist der Glaube an Vampyre. Diese
verzehren die Menschen in zwei Fällen: Entweder
fordern sie menschliche Opfer für die dargebotenen
Schätze, oder sie nehmen an den Eltern, die ihre
Erziehung vernachlässigt haben, Rache. Dies Alles
zeugt für die einstige Existenz des Cannibalismus
,ei den Wotjaken, und Herodot’s Aussage über die
nördlich von den Scythen wohnenden Menschenfresser
 bezieht sich nach Smirnow’s Meinung eben
auf dieses damals noch dem Cannibalismus ergebene
Volk.

2, Prof. D. J. Samokwassow: Ueber die Ab-;stammung
 der russischen Slawen unddie
Jrsachen des Vorkommens von Schätzen
-ömischer Münzen in Mitteleuropa.
Samokwassow hält Bayer’s und Kruse’s Theorie,
‚Js seien die Schätze von römischen Münzen, die in
Litteleuropa oft ausgegraben werden, aus den Handels--erhältnissen
 der Römer und der Ostseeuferbewohner
ıbzuleiten, für falsch. Sie steht mit der Geschichte
m Widerspruch. Diese weiss nämlich nichts von
ler Berührung der Römer des 1. und 2. Jahrhunderts
1. Chr. Geburt mit den Bewohnern der Ostseeküsten.
Jäsar, Strabo, Plinius und Tacitus bezeugen alle,
lass das Land zwischen Wolga und Elbe den Rönern
 ganz unbekannt war. Strabo sagt ausdrücklich:
‚Die Römer kamen nie in die Gegenden jenseits
ler Elbe, weder zu Fuss noch zu Schiff.“ Das Vor-:ommen
 der Schätze in Polen und Südrussland ist
ılso auf diesem Wege nicht zu ermitteln. Dagegen
arzählt uns die Geschichte, dass, als Trajan die
jeten besiegte, viele getisch-dacische Stämme das
Taterland verliessen, um sich nördlich von den Karjathen
 anzusiedeln. Davon spricht Dio Cassius,
Zutropius und Florion, dies bestätigt auch Nestor
ijer von einer Wanderung der an der Donau anzässigen
 Slawen in die nördlichen Gegenden, an die
Neichselufer spricht. Den Grund dazu bildete nach
‚einen Worten „die Besiegung der Slawen durch die
lömer“, Diese Stämme standen früher in enger
3Zeziehung zu den Römern; römisches Geld hatte
jei ihnen Werth, daher nahmen sie die Schätze, die
je hatten, nach Norden mit. Für die Annahme
lieser Theorie spricht ausser den bei den Slawen
»inheimischen und sehr verbreiteten Sagen vom
[rajan, der eben ihr Besieger war, auch eine ausserırdentliche
 Aehnlichkeit aller dieser Funde. Es
sommen durchwegs nur Münzen aus dem 1. und
2. Jahrhundert n. Chr. vor,
Die Theorie fand viele Gegner und wurde namentich
 von Anutschin, Ilowaiskij, Katschuyinskij
 und Antonowitsch auf das Heftigste
jekämpft. Auch die Ansicht, dass Dacien die Urheimat
ler Slawen sek wurde stark angegriffen.
Einundzwanzigste Sitzung: 20. Januar/
l. Februar, 8 Uhr Abends.
Section für vorgeschichtliche Alterthümer.

1. W. 8. Zawitnjewitsch: Zur Frage übeı
Jie Kriterien der Classificirung der Kuryane.

            
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