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„ach welchen sie selbst nicht gemuthet haben, dieselben
zu ihren Bedürfnissen aus den Nachbarländern
beziehen mussten, und dass dem so war und dass
fertige Waare — ausser in wenigen Fällen — kaum
importirt wurde, erhellt aus der Mannigfaltigkeit
gleichartiger. Artefacte und aus den vielen Funden
von Gussformen, die namentlich. in der letzten Zeit
in Böhmen gemacht wurden *). — Diese Thatsachen
Jürften zur Bekräftigung der Behauptung genügen,
dass die alte mitteleuropäische Cultur mit allen ihren
Producten eine einheimische war und dass die Fabrization
zu Hause stattfand.
Von dieser Cultur findet man auch ganz Böhmen
and dessen Nachbarländer beherrscht; die Grabhügel
und Funde von Sobönic, Vikys, Jicingves,
Plav, Maskovic, Milave?, Ejpovic, DejSina,
Horomyslic, Mätelsko, KySic, Stielhostic,
Hüsina, Hladomor, Unötie, Rivnä?, Cep?),
Stahlav®) u. a. m. in Böhmen und beispielsweise
By&i Skala in Mähren“), Lengenfeld in Bayern ®),
uengyel in Ungarn ®) u. a. m. beweisen eine thatsächliche
Identität mit der Hallstatt-Cultur, weisen
jedoch mitunter auch auf ältere Zeiten derselben
Culturperiode, die weit zurück zu den Massenfunden
von BEfin-Jineec”), Plesivec®, Krendorf®),
Strä%!°) u. a. m, reicht. In diesen Funden, welche
olos Bronzegegenstände ausweisen, schwindet die
Spur der Metalltechnik dieser einheimischen alten
mitteleuropäischen Cultur im Dunkel der Vorzeschichte,
zu deren Erkennung nur noch die keramischen
Producte die weiteren erwünschten Anhaltsounkte
darbieten.
1) Es sind dies z. B. der grosse Gussformenfund von
Zwolehoves (Pam. Arch. XIII. 1886) und von Hostomic (Mit-‚heil.
d. k. k. Centr.-Comm. Wien. N. F. Bd. XII. Not. 5);
die Funde von Vokovic und Lobosic (ib, Bd. XIV.); die Bronze-Rohgussfunde
von Plesivec (Mittheil, d. Anthr. Ges. Wien,
3d, XII: „Congress zu Prag“) u. s, w.
?) Pam. Arch. Bd. VII, X, XII u, XIV an versch. Orten.
Böhm. National-Museum. — Städt. Museum in Pilsen.
3) Samml. d. GRAFEN von WALDSTEIN auf Schloss Kozel
‚ei Stahlar.
4) Cas. Olom, Mus, 1886. — K. k. naturhistor. Hofmus,
n Wien.
5) Museum zu Regensburg.
6) M. Wosıssgy „Das prähist. Schanzwerk v. Lengyel“.
3udapest 1888.
7) WoczrL’s Parallelen, 1853 u. 1855.
8) JueLinzk’s Vortrag, Mittheil. d. Anthrop. Ges, Wien,
3A. XII, p. 145 sqq.
%) Wornkıch's Beiträge zur Urgeschichte in Böhmen,
ıb. Bd, XI.
10) Pam. Arch. XIV. 1887.
Anders verhält es sich mit der weiteren Entwickung
derselben Cultur, deren Artefacte die oben ervähnten
Knoten-, Buckel-, Spiral- u. dgl. Verzieungen
an sich tragen, und die man in allerhand
'unden verfolgen kann, je mehr dieselben in Jüngere
/eiten greifen. Diese fortgesetzte einheimische alte
nitteleuropäische Cultur beherrscht zu einer betimmten
Zeit fast ganz Mitteleuropa und erfährt
ırst durch das Auftreten anderer, durch die Colonialinflüsse
importirter Cultur eine gewisse Beschränung,
die erst mit der Zeit ihren Verfall endgiltig
ıerbeiführte. So hat beispielsweise der römische
Zinfluss diesseits der Donau diese Cultur ziemlich
relähmt, aber deren continuirliche Entwicklung denıoch
nicht verhindert — was aus den Funden in
Steiermark, in Krain, Kärnten, im Küstenlande und
ınderwärts ersichtlich ist. Jenseits der Donau aber
indet man die Fortpflanzung derselben Cultur immer-"ort
in Blüthe, und sie überschwemmt förmlich
ınd dominirt in Böhmen *!), Mähren, Bayern, Ungarn
a. 8. w. und macht sich selbst am Rhein und in
frankreich bemerkbar, — also überall dort, wo
’rüher die alte mitteleuropäische Cultur einheimisch
var. — Heute kann man schon an hundert Fundstätten
zählen, wo Artefacte dieser. continuirlichen
inheimischen Cultur constatirt werden, und man
indet dieselben sowohl in Brand- als auch in Skeletzräbern,
in Massenfunden und einzelnweise in zertreuten
Funden, überhaupt ‘unter denselben Ver-Äältnissen,
unter welchen wir jene der alten mittelxuropäischen
Cultur finden. Das den Fundstätten
ron Koban, Hallstatt, Watsch und anderen ähnlichen
jigenthümliche verliert sich zum grössten Theile allnälig
an den jüngeren Artefacten dieser Cultur, aber
lie Knotenverzierungen tragen den Charakter derselben
mmerfort in Variationen an diversen Ringen, Fibeln,
Vadeln u. dgl. Schmucksachen und accomodiren sich
ıllgemach dem feineren Geschmacke ihrer Träger und
ırreichen selbst einen in der Vorgeschichte nicht gevöhnlichen
Grad von Luxus, indem sie in schwerviegendem
Gold und in meisterhafter Ausführung
u Tage gefördert werden. Der Grabfund von Wald-Algesheim”
und der jüngst gemachte Fund in
)blat in Böhmen®) sind selbstsprechende Zeugen
ı) Anbei finde ich mich durch die seit dem Jahre 1884
n Böhmen gemachten Funde genöthigt, meine Bemerkung
iber die Duxer Fibel- und Buckelarmring-Periode (in den
‚Jittheil. d. Anthrop. Ges. Wien, Bd. XIV. p. 189 b) dahin
zu corrigiren, dass dieselbe factisch ganz Böhmen beherrscht.
2) von E. Aus’m Wzrta, Bonn 1870.
8) Pam. Arch, XIV.