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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

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Arbeiter Stein- und Knochenwerkzeuge zum Kaufe
anboten. Ich besichtigte hier den eben von zwei
Arbeitern, die nach Schätzen suchten, an einer
Stelle bis zum Untergrunde aufgegrabenen innersten
Steinwall und die vielfach schon aufgewühlte innere
Fläche, wobei ich selbst einige Funde machte. Nach
Wien zurückgekehrt, leitete ich die zur KErhalung
 dieser wichtigen Stätte nöthigen Schritte ein.
Die Arbeiter schrieben mir alsbald, dass sie den
Berggipfel von dem Eigenthümer, der Gemeinde
Wolframitz, gepachtet hätten, und boten mir einen
Korb mit Funden zum Kaufe an, worauf dann noch
im Laufe des Winters drei Kisten mit Funden ein-'angten.
 Die Hälfte dieser Funde habe ich an
las k, k. Hofmuseum abgetreten. Bei der vorletzten
Sendung fielen uns, nämlich Herrn Custos Josmr
SzompATHyY, Herrn Dr. Morırz Hosrexrs und mir,
Junkle Steinhämmer und einige Knochenartefacte
auf, in denen wir Falsificate vermutheten, trotz
ihrer sehr gelungenen Nachahmung. Als sich derlei
Objecte in der letzten Sendung neben entschieden
achten Stücken wiederholten, glaubten wir von
ner factischen Nachahmung der echten Objecte
iberzeugt zu sein, und ich stellte jede weitere Sen-Jung,
 jedoch ohne Grundangabe, im Monate März
3in. Gleich nach Schluss des Reichsrathes begab
ıch mich auf eigene Kosten zunächst nach Brünn.
ım daselbst in allen Museen, nämlich im Landesnuseum,
 im Gewerbemuseum, im Museum der
Technik und des „Musejni spolek“ nachzusehen. Im
Landesmuseum ist vom Misskogel nicht viel vorıanden;
 einige massive Thonteller kamen mir verdächtig
 vor; auch dürfte von den im böhmischen
Museum im Mai l. J. vom Misskogel angekauften
Objecten mehr als die Hälfte falsch sein; namentlich
sind es schwarze, durchbohrte Steinhämmer und
drei Thongefässe. Nachdem ich noch in der Umgebung
 Brünns mehrere Ziegeleien besucht hatte, um
mich persönlich betreffs der bekannten Differenzen
zwischen Prof, MaAxowsey und Prof, MaASka an Ort
and Stelle zu orientiren, begab ich mich nach
Wolframitz, besuchte zunächst den Herrn Pfarrer
in Vedrovic, dem ich meine Bedenken mittheilte,
und der das Bestehen einer Nachahmungsfabrikation
in Zäbrdovic bestätigte und mir auch in seinem
Besitze befindliche Falsificate neben echten Objecten
vorwies. Es kam ein Knabe, der längs durchbohrte,
cylindrische Thongewichte aus feinem Lehm zum
Verkaufe anbot; ich wies dieselben mit der Bemerkung
 ab, dass ich Spielereien. die er sich

‚elbst gemacht habe, nicht kaufe. Ohne indess den
Arbeitern in Zäbrdovic meinen Verdacht kundzuzeben,
 habe ich sie gedungen, auf dem Misszogel
 selbst zu graben, wobei ich den innersten
Vall und mehrere‘ noch unverletzte Stellen ausserıalb
 desselben untersuchte. Ich fand hiebei eine
\nzahl Knochen- und Feuerstein-Artefacte, Thonvirtel,
 Gefässscherben und Thierknochen, allein
ılcht in der Menge, wie sie auf der inneren Fläche
ler Wallburg vorgekommen sind. Am Abend gestand
 mir unter vier Augen ein junger Arbeiter,
lass in drei Häusern von Zäbrdovic von halb-3rwachsenen
 Kindern dunkelgefärbte Steinhämmer,
zu denen das Materiale aus einem Steinbruche bei
Xromau geholt wird, dann Beinwerkzeuge aus aufzefundenen
 Knochen, neuerdings auch Thongefässe
ınd, wie er gesehen zu haben glaubt, auch Bronzeırtefacte
 aus Kupfer, in Essig eingelegt, nachgeahmt
werden. Drei Stück falscher Knochenartefacte,
welche sehr geschickt nachgeahmt sind, habe ich
rworben; von Bronzefalsificaten ist mir nichts zu
Jesicht gekommen, Die Herstellung von Falsificaten
jegann anfangs Februar 1890.
Es besteht kein Zweifel, dass hier präılstorische
 Objecte nachgeahmt und Falıificate
 fabriceirt werden, und zwar mit
jedeutender Geschicklichkeit. Da nundie
7unde auf dem Misskogel noch nicht erschöpft
 sind, wenn auch die Hauptfund-;telle
 auf dem Gipfel des Berges bereits durch-‚sucht
 ist, und da in der an prähistorischen
“undplätzen reichen Umgegend noch Vieles
zu holen ist, so fühle ich mich verpflichtet,
zuf diesen Umstand aufmerksam zu machen
und zur Vorsicht zu mahnen.
Indem ich nun zur näheren Besprechung der von
mir untersuchten Fundstätten übergehe, bemerke
‘ch zunächst, dass aus paläolithischer Zeit in
Jer Ziegelei des eine halbe Stunde von Kroman
antfernten Ortes Rothigel ein Stosszahn des Mammuths
 gefunden wurde.

[. Fundstätte bei der Zuckerfabrik nächst
Kroman.
Am rechten Ufer der Jaromö&fica breitet sich
zwischen dieser und dem RakSie-Bache ein mächtiger
Lehmabhang aus, mit sanftem Abfall südwärts gegen
lie sehr breite Thalsohle des letztgenannten kleinen
Baches. Hier steht die ausgedehnte Zuckerfabrik.
            
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