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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

lich zu el wird, so ist das niederländische Elburg in
der Provinz Geldern eigentlich wohl ganz dasselbe
wie Aliobrix, In dem Grundworte, in brix, burg, hat
die indogermanische Ursprache noch keinen Vocal entwickelt,
 vielmehr liegt tönendes r vor; die Wurzel ist
also indogerm. als bhrgh anzusetzen, und daraus muss
nach den Lautgesetzen beider Sprachen im Keltischen
»rig, im Germanischen burg entstehen, In seinem
Vocal steht also brix, und das ist ausschlaggebend,
auf Seite des Keltischen. Aber in seiner Endung
schliesst es sich an’s Germanische an, denn hier ist
burg, dessen Nominativ gemeingerm. burgz, burgs
‚autete, ein consonantischer Stamm, während das briga
in keltischem Namen auf eine Bildung mit Suffixvocal
hinweist. Wir sollten danach entweder Aliobriga oder,
ei unmittelbarer Uebernahme des Namens aus dem
Germanischen in’s Griechische, ’Al6ßupE erwarten.
Dass übrigens auch eine Verderbniss hier nicht ausgeschlossen
 ist, zeigt die griechische Schreibung
'AM6ßpryes für die gallischen Allobroges. Allobrogs
hiesse Fremdland, passt also weniger für einen Ortsı1amen,

Es muss hier freilich noch darauf hingewiesen werden,
dass bei Ptolemäus nicht Alles am rechten Platze steht,
worauf schon Zzeuss S, 762 mit dem Hinweise aufmerksam
zemacht hat, dass bei ihm z. B. KayB6S0ouvov, Kempten,
3stlich von Adyobor@ Odevdelx®v, das deutlich thrakische
 (dakische) Zertidaux hoch im Norden über Kalıcla
‘Kalisch ?) angesetzt ist, Aber Aehnliches gilt sicher nicht
zon allen den früher besprochenen Namen, am wenigsten
von den am Tyras genannten Orten. Und wenn auch
jeder einzelne von diesen, wie früher ausgeführt wurde,
nicht schwer in’s Gewicht fällt, so summiren sich doch
diese kleinen Werthe, und es ergibt sich schliesslich
jei aller Skepsis doch ein Argument, das in Rechnung
zebracht werden muss.
Dass wirklich ein keltischer Bestandtheil in den
Bastarnen steckt, das wird auch durch die schon erwähnte
 olbische Inschrift erwiesen, „Galater und
Skiren,“ berichtet dieselbe, „hatten einen Bund geschlossen
 und eine grosse Macht zusammengebracht,
am im Winter die Stadt anzugreifen: Laldtag xal
Sxlpovug rerolodaL GUPLpAyXIAy Kal Süyapıy ouwi dat
yeydiny nal TaUTNV TOD YELÖVOG YEewv“, siehe MÜLLENaorr
 D. A. ILl., S. 110. Die hier genannten Skiren
sind, darüber besteht kein Zweifel, der ostgermanische
Stamm der Skiren, der in der Völkerwanderungszeit
nachmals eine Rolle spielt und sonst zuerst - von
Plinius im Osten der Weichsel an der Seite der
Wenden genannt ist. Sie werden darnach, da an der
Weichselmündung an ihrem rechten Ufer die Gothen
aassen, gegen Süden zu deren Nachbarn gewesen sein.
Den Bastarnen stehen sie also auch später noch räumlich
 näher als andere Germanen. Germanen aber sind
zie auf jeden Fall, das beweisen ihre Stammsitze an der
Seite der Gothen, die bei ihnen vorkommenden Personennamen
 und ihr Stammname selbst, der ein deutsches Wort
‚st und „clari“ bedeutet. Dass sie mit Galatern als Feinde
‘)lbias genannt werden, lässt es ausgeschlossen erscheinen,
lass diese Galater etwa von der Balkanhalbinsel her-[79]



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camen: wie hätten sie dann mit Weichselgermanen ein
Zündniss eingehen können? Aber diese Galater müssen
zuch wirkliche, echte Galater gewesen sein, nicht wie
MÜLLENHOFF annimmt, Germanen, auf die der Name
nit Unrecht angewendet wurde; denn sonst hätten ja
‚uch die Skiren ebenso bezeichnet werden müssen; es
wäre so wenig angegangen, von Galatern und Skiren
zu sprechen, als wir von Deutschen und Baiern, oder
‚on Slaven und Tschechen sprechen können. Die Verindung
 Taldrag xal Zxipoug beweist, oder macht es
nindestens sehr wahrscheinlich, dass die Galater hier
ceine Germanen und die Skiren keine Galater sind.
Vor Olbia also treten uns noch zwei Völker, Gernanen
 und Kelten, entgegen, Es fragt sich, wie sich
lie Bastarnen dazu verhalten. Wird sich der aus-‚ewanderte
 Theil der Skiren wieder in seine von
Nlbia doch recht entfernte Heimat zurückbegeben
ıaben, nachdem er einmal den reichen Süden kennen
zelernt hatte? Und ist es wahrscheinlich, dass die Skiren,
vie man aus allen Analogien schliessen darf, ihren
zalatischen Bundesgenossen gegenüber der energischere
Cheil, diesen allein den Lohn gemeinsamer Mühen und
Kämpfe überlassen hätten. Ich denke nicht. Blieben
ie aber auf dem eroberten Boden, so sind natur-‚emäss
 die späteren Bastarnen auch theilweise ihre
Vachkommen, also ein gallogermanisches Mischvolk,
Und das drückt, glaube ich, auch schon ihr Name
jelbst aus. Doch geht es nicht an, diesen als eine
\bleitung von ahd, bestan, altn, basta, zu betrachten,
la erstlich derartige Verbalableitungen (auf arn, ern)
m Germanischen unbelegt und jene Verba selbst nur
\bleitungen von unserem Bast sind und ursprünglich
mit Bast binden“ bedeuten.
Darnach könnte höchstens ein Zusammenhang mit
Zast selbst bestehen, doch ergibt sich dabei keine
‚nsprechende Bedeutung. Betrachten wir uns das Suffix
n Bastarnae oder Basternae, wie ebenso oft ge-«chrieben
 wird, näher, so stellt es sich als dasselbe
lar, das in goth. viduvairna, Waise, oder: in unserem
Jirne, das goth, thivairnö wäre, vorliegt. Viduvairna,
‚Waise“, gehört zu viduvö, Witwe, und bedeutet
ırsprünglich Sohn der Witwe; ebenso gehört *thivairnö
x thius (gen, thivis) Knecht, heisst also Tochter des
Znechtes. In beiden Fällen bezeichnet die Ableitung
ne Beziehung durch Abstammung. Darnach wird auch
'ür den Namen Bastarnen oder Basternen eine ähnliche
Zedeutung des Suffixes vorauszusetzen sein,
Bast bedeutet im Altfranzösischen und Mittelmglischen
 soviel als ungesetzliche Ehe; noch erhalten
st eine Ableitung davon in unserem Bastard, dem
ltfranzösisches bastard zu Grunde liegt. Auch das
Juffix hard, mit dem dies Wort gebildet ist, stammt
ı‘brigens aus dem Germanischen, ist jedoch als solches
ungen Ursprunges, da es erst aus dem Compositionszliede
 hard in Eigennamen hervorgegangen ist. Wenn
Jer Grundbestandtheil in beiden Wörtern wirklich der-;elbe
 ist, verhält sich also der Name Bastarnen zu
3astard, wie eine alterthümliche Bildung zu einer
ungen und bedeutet soviel als „Sprossen aus unresetzlichen
 Ehen“, und als solche galten nach alt-
            
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