Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

[76] —

und eben dort treten sie uns zur Römerzeit unter dem
von Seite der Germanen für sie verwendeten Namen
Venedae, Venetue (germ. *Wenedöz und *Wenethöz)
entgegen; ich verweise bezüglich dieser auf Professor
ToMASCHEK’s Ausführungen in den Sitzungsberichten
der phil.-hist. Classe der k, Akad. der Wissenschaften
1888, 8. 3 ff.
Zwischen diesen Wenden nun und dem karpathischen
Waldgebirge schieben sich um 200 v. Chr. die Bastarnen
 ein. Sie treten indess nicht nur am Oberlaufe
des Dniester, sondern auch am Nordufer .des Schwarzen
Meeres auf; vor Allem fassen sie an den Donaumündungen
und auf der durch verschiedene Arme dieses Stromes
gebildeten Insel Peuke frühzeitig festen Fuss, Danach
heissen sie dann auch mit einem anderen Namen Peueini,
Ileuxtvor, wenigstens der Theil des Volkes, der an deı
Donau sich niedergelassen hatte und von der nördlicheren
 Abtheilung des Volkes durch die Getensteppe
getrennt war, Aber gelegentlich wird. die Bezeichnung
„Peukiner“ auch synonym mit „Bastarnen“ für die
Gesammtheit angewendet, >
So ziemlich Alles, was aus den römischen und
griechischen Autoren über die Bastarnen zu erfahren
ist, hat MÜLLENHOFF in seiner in so vieler Hinsicht
grundlegenden „Deutschen Alterthumskunde“ gesammelt
und kritisch beleuchtet. Ich verweise deshalb auf den
lem behandelten Gegenstande gewidmeten Abschnitt im
2. Bande des‘ genannten Werkes, im Besonderen auf
den der Geschichte der Bastarnen gewidmeten Theil,
da ich diese hier nicht näher erörtern kann.
Was uns über die Art und Sitte derselben berichtet
 wird, ist in mancher Richtung interessant,
Nach Ponysıvs und Anderen sind es Leute von gewaltiger
 Leibesgestalt und Schrecken erregendem Aussehen,
 kriegsgeübt, verwegen und ruhmredig. Ja das
Bild, das Plutarch von ihnen entwirft, lässt sie als
sin Volk erscheinen, das man sich nur als eine Art
Kriegerkaste, einen Kriegeradel, denken kann, für
dessen Lebensbedürfnisse durch Hörige gesorgt wird.
Nach seinem Zeugnisse kennen sie weder Ackerbau
noch Schiffahrt, noch leben sie von der Viehzucht,
s»inzig und allein bedacht, sich für den Krieg auszubilden
 und die zu besiegen, die sich ihnen ‚entgegenstellen:
 Xvöpec 00 YewpyelV eld6tec, 00 Te, 00% And
motpviev CRv vEepovTtEG, AAN Ev Eoyov xal play TEyXYNV
uehetÖVTEG, del pdyeodaı nal xpatEiy TOV AvtıITATcop&vwv.
 (Plut. Aemil. Paul, c. 12.) Man vergleiche
übrigens mit dieser Stelle die anklingenden Worte des
Tacitus, Germania 14: „nec arare terram aut expecare
 annum tam facile persuaseris quam vocare hostem
et vulnera mereri, pigrum quin immo et iners videtur
sudore adquirere quod possis sanguine parare.“ („Das
Land zu bestellen und den Ertrag des Jahres abzuwarten,
 dazu wird man sie nicht so leicht. bewegen
können, als den Feind herauszufordern und sich
Wunden zu holen, Als Faulheit, ja als Feigheit gilt
as, das im Schweisse seines Angesichtes sich zu erwerben,
 was man mit seinem Blute gewinnen kann.“)
Beifügen will ich, dass hier nicht von den Germanen
ım Allgemeinen, sondern von deren jungem Adel die

Rede ist, dessen eigentlichster Beruf das Waffenhandwerk
 war. Da die Bastarnen ein recht ausgedehntes
Gebiet bewohnen, so liegt wirklich die Annahme
nahe, dass sie nur als das.herrschende Element über
jasselbe vertheilt waren gegenüber slawischen oder
zarpodakischen Hörigen. Es ist aber dagegen nur zu
jedenken, dass die Schilderung des Polybius und
7lutarch nach den gerade auf kriegerischen Unter-1ehmungen
 begriffenen, oder als Söldner dienenden
3astarnen gegeben ist, und dass deshalb das Volk doch
laneben eine friedliche Beschäftigung gekannt haben
kann, Die Lieder der deutschen Lanzknechte geben
vielfach ähnlichen Gesinnungen Ausdruck, wie sie
den Bastarnen von Plutarch zugeschrieben werden;
auch der Lanzknecht verschmäht es, beim Bauern
Knecht zu bleiben, wo er dreschen und rotten und
ıacken muss, dass der Schweiss ihm ausbricht, und
lann mit saurer Milch fürlieb nehmen muss, während
ır, seit er dem Könige der Franzosen oder sonst einem
Terren dient, als ein freier Held daherzieht und
herrlich lebt. Und gewiss ist das ganze Lanzknechtwesen
 mit ein Beweis des kriegerischen Geistes des
leutschen Volkes; aber doch wäre es gefehlt gewesen,
wenn etwa ein Italiener des 16. Jahrhunderts alle
Jeutschen so wie die Lanzknechte und Schweizer sich
vorgestellt hätte. Ja, diese selbst werden vielfach, wenn
airgends etwas los war, es nirgends Sold und Beute
zu holen gab, wieder zum Pflug zurückgekehrt sein.
\ehnliches dürfen wir uns wohl von den Bastarnen
rorstellen, Was übrigens ihre Reisläuferei betrifft, so
ıaben sie diese mit den Germanen aller Zeiten genein;
 aber freilich auch mit den Galliern,
Und dasselbe gilt von ihren übrigen Eigenthümichkeiten;
 von ihrer Trunkliebe z. B., von ihrer
jereits erwähnten, den Südländern auffälligen Körperzrösse
 und stürmischen Tapferkeit; von der Sitte,
Veiber und Kinder auf Wagen in den Krieg mitzuühren,
 von der Gepflogenheit ihrer Reiter, mit je
x»nem Fusskämpfer, einem Parabaten, an der Seite zu
echten, von ihrer Führung durch Könige und Häuptinge
 aus edlem königlichen .Geschlechte, von denen
ner im Kriege als Herzog an die Spitze des Volkes
ritt. Alle diese Züge‘ sind. Kelten und .Germanen
semeinsam, wie MüÜLLENHOFF a,. a. 0. S. 106 . mit
iecht hervorhebt; nur möchte ich doch hinzufügen,
{ass sie uns bei den Germanen zu Beginn ihrer Geschichte
 alle noch mit grösserer Lebhaftigkeit und
"rische entgegentreten, bei den Kelten aber zur selben
Zeit schon vielfach verblasst sind. Ein entscheidendes
irgebniss in der Frage nach dem Volksthume der
3astarnen ist aber aus ihnen nicht zu gewinnen.
Was die unmittelbaren Zeugnisse über dieses be-Trifft,
 so steht es damit folgendermassen: Eine Inschrift
1us Olbia, der griechischen Pflanzstadt an der Bugnündung,
 wahrscheinlich aus dem Anfange des 2, Jahraunderts
 — ich werde auf dieselbe noch zurückzsommen
 — berichtet uns von einem Bündnisse der
Skiren und Galater gegen die genannte Stadt, .und
MÜLLENHOFF hat mit Zzuss (Die Deutschen und ihre
Nachbarstänme, S. 128) angenommen, dass unter den
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.