MITTHEILUNGEN
Anthropologischen Gesellschaft in Wien.
(Band XX. Der neuen Folge X. Band.) |
- ; Nov. u. Dee. 1890. _
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INHALT: Much, Die Bastarnen; S. [75]. — Vorstellung der tätowirten Amerikanerin Irene; S. [80].
Monats-Versammlung am 11. November 1890. 1. R. Hoernes, Doppelhalsurne von Marz; S. [80]. — 2. Woldfich, Schlackenwälle in Südböhmen;
S. [81]. — 3. Bella, Prähistorische Funde aus der Umgebung von Oedenburg; S. [81]. — 4. Meynert und Weisbach, Nestroy und Gluck;
3, [81]. — 5. Hein, Dreizinkenkreuzz 8. [83]. — 6. Riegl, Neuseeländische Ornamentik: S. [84]. — 7. Neubacher, Gräberfunde von Goisern;
Tischler, Bemerkungen zu den Funden; 8. [87].
Ausschuss-Sitzung am 12. November 1890. 1. Einsetzung einer Commission zur Berathung von Abänderungen; S. [90]. — 2. Ueberlassung
{es ethnographischen Materiales über die Ruthenen der Bukowina (Major von Himmel) an R. F. Kaindl in Czernowitz; 83. [90].
Ausserordentliche Versammlung am 29. November 1890. Ohnefalsch-Richter, Cyperns Cultur im Alterthum; 8. [90].
Ausschuss-Sitzung am 9. December 1890. 1. Aufnahme neuer Mitglieder; 8. [95]. — 2. Schriftentausch; S. [95]. — 3. Index für die
zZände XI—XX; 8. [95]. — 4. Commissionsbericht; S, [95].
Monats-Yersammlung am 9. December 1890, 1. Reischok, Neu-Seeland und seine Bewohner; S. [95], — 2. Bugiel, Die Frau in Ferghana; S. [99].
}, Niederle, Skeletgräber in Böhmen; S. [102].
Discussions- und Demonstrations-Abend am 12. December 18903; 5, [105].
Ausschuss-Sitzung am 15. December 1890. Beschlüsse über die Abänderungsanträge; 8. [105].
Geschenke für die Bibliothek; S, [105]. — Heinrich Schliemann +3 8. [106].
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Die Bastarnen. zind es thrakische und illyrische Stämme, die ur-”
sprünglich das ganze untere und mittlere Donaugebiet
Vorgetragen in der Jahres-Versammlung am 11. März 1890 ‚„nnehmen, Ja, es ist selbst möglich, dass auch Böhmen
von Dr, Rudolf Much. ıoch mit zum Gebiet der Pannonier und Illyrier gehörte;
; loch kann es dort und anderswo natürlich auch
Hochgeehrte Versammlung! zleinere indogermanische Völker gegeben haben, die
Eine der schwierigsten Fragen der deutschen Alter- wischen den grösseren Mittelglieder darstellten und
thumskunde ist jene nach der nationalen Stellung der später in diesen aufgingen, Ob und wie weit etwa
Bastarnen, die Bastarnenfrage. Zeugnissen für das lie vorgeschichtliche Bevölkerung Süddeutschlands mit
Keltenthum dieses Volkes stehen solche für seine len nichtindogermanischen Elementen in Zusammengermanische
Sprache und Art gegenüber, und welchen ang steht, deren deutliche Spuren uns in den Alpen
von beiden grössares Gewicht zukommt, ja wie über- ınd im ganzen südwestlichen Europa entgegentreten,
haupt dieser räthselhafte Widerspruch zu erklären ist, wird hoffentlich durch kraniologische Untersuchungen
kann bei Weitem noch nicht als ausgemacht gelten. ıoch ermittelt werden. Das Eine ist gewiss, dass auch
Und doch wäre ein Aufschluss hier recht wünschens- ie Kelten, so ausgedehnte Gebiete sie auf Öösterwerth;
denn die geschichtliche Rolle, welche die Ba- eichischem Boden lange Zeit einnahmen, doch erst
starnen spielen, ist nicht ganz unbedeutend: falls wir ngefähr vom Beginne des 4. vorchr. Jahrhunderts an
sie als Germanen zu betrachten hätten, so wären sie 1ier heimisch sind; und es geht danach, wie ich beizugleich
die ersten ihres Stammes, die lange vor der äufig bemerken will, keineswegs an, Fundgegenstände,
zimbrisch-teutonischen Wanderung in den Gesichtskreis lie der La Tene-Periode vorausliegenden Zeiten ent-Jer
südlichen Culturvölker eintreten. Uebrigens ist der tammen, wie das z, B. schon bei denen des Hall-3chauplatz,
auf dem die Bastarnen uns begegnen, zum tätter Grabfeldes in weit überwiegendem Masse der
Theile ein in weiterem Sinne österreichischer zu nennen, "all ist, als keltische zu bezeichnen. Erst mit dem
zo dass es sich bei ihnen auch um die ersten 3eginne der La Tene-Cultur, als deren ursprüngliche
Deutschen in Oesterreich handeln könnte, wenn man nd eigentliche Träger die Kelten zu betrachten sind,
so sagen darf, Iringen diese in geschlossenen Massen zu beiden
Was die vorgeschichtlichen ethnographischen Ver- Seiten der Donau von Westen her ein und schieben
hältnisse auf dem Boden dieses Staates anbelangt, ich auf ihrem linken Ufer bis nach Ober-Ungarn
über die ich hier zunächst eine gedrängte Uebersicht ı1inein vor. Noch einige Jahrhunderte dauert es, bis
geben will, so muss immer zwischen dem Bereich, der such die Germanen und nahezu 1000 Jahre, bis
nördlich vom böhmisch-mährischen und ungarischen ndlich die Slawen im Süden der Karpathen und
Randgebirge und dem, der südlich von demselben liegt, _udeten, eindringen und sich festsetzen. Im Norden
scharf geschieden werden. Jenes Gebirge, das zur les hereynischen Waldes und bis zu diesem hatten
Hercynia der Alten gehört, bildet hier, wie auch ich allerdings an der Oder und Elbe frühzeitig
weiter im Westen, eine Völkerscheide, und im Süden lie Germanen ausgebreitet; weiter im Osten greift
ron dieser bereits in vorgeschichtlicher Zeit festen alizien in jenen Bereich hinüber, der als Urheimat
Fuss gefasst zu haben, kann keines von den zahl- ler Slawen zu betrachten ist. Mindestens schon zu
reichen Völkern, die heute die österreichisch-ungarische Ierodot’s Zeit sind diese in der Gegend des späteren
Monarchie bewohnen, von sich behaupten. Vielmehr Königreiches Polen unter dem Namen Nevool ansässig
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XX. 1890. Sitzungsberichte