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„icht übersehen, dass die in alter Zeit künstlich zerschlagenen
grossen Röhrenknochen weitaus die Majorität
ler ausgestellten Stücke ausmachen. Der Annahme
Maska’s, dass Raubthiere die riesigen Kxtremitätenknochen
der verschiedenen Ungulaten gerade an dem
‚ärtesten, markhältigen Mitteltheile (häufig ohne Veretzung
der spongiösen Gelenksenden) zerbrochen und
anbenagt liegen gelassen haben, kann doch Niemand
beipflichten. Auch äussere mechanische Einflüsse, welche
„ielleicht für das Zerbrechen der in den Höhlen ge-'undenen
Knochenfragmente in Anspruch genommen
werden können, kommen hier bei den in plastischen
Löss ruhig eingebetteten Knochen nicht in Betracht.
Es erübrigt also. — von den deutlichen Schlagmarken
yanz abgesehen — nur die Annahme menschlicher
Chätigkeit.
Mit den zwei Artefacten und den vielen aufgeschlagenen
Knochen vereinigen sich die an zwei engbegrenzten
Stellen massenhaft aufgehäuften Feuerspuren
zu einem bestimmten, von unserem bisherigen Wissen
gar nicht abweichenden Bilde einer diluvialen Ansiedlung.
Die ausgestellten Brünner Brandproben könnten
ebensogut aus dem Löss von Willendorf oder Zeiselberg
stammen. Hingegen sind die als „angebrannt“ vorge-‚egten
Knochen wieder zu beanstanden, Dieselben sind
wohl, wie die anhaftenden reichlichen Aschenspuren
vezeugen, aus den Aschenschichten entnommen; aber
nicht jeder in der Asche gelegene Knochen muss „angebrannt“
sein.
Beim Brennen wird zuerst die im Knochen entaaltene
organische Substanz verkohlt, wodurch eine
Jie Gesammtmasse des Knochens gleichmässig durchsetzende,
ungemein dauerhafte Schwarzfärbung durch
<nochenkohle hervorgerufen wird. Bei weiterem Glühen
inter Luftzutritt verbrennt die Knochenkohle, und es
leibt der Knochen als graue, calcinirte Substanz,
welche beim längeren Liegen in der Erde klingend
nart werden kann, zurück. Manchmal findet man Knochen,
xelche an einem Ende calcinirt, in der Mitte voll
<nochenkohle und am anderen Ende noch unverändert
sind. Bei starkem Brande und rascher Abkühlung zer-‘allen
die Knochen oft in kleine Stücke, Knochentafeln
ınd besonders das Email grösserer Zähne zeigen nach
lem Brande zahlreiche, je nach der Structur und dem
Punkte der stärksten Erhitzung gruppirte, guillocheartig
concentrisch verlaufende Sprünge, Von allen diesen
und von anderen nebensächlicheren Kennzeichen ist an
Jen vorgelegten Stücken nichts zu bemerken. Die
schwarzen Stellen (auf welche Herr MAkowsKy nachträglich
hinwies) sind lediglich und ganz unverkennbar
‚Dendriten“. Wir haben es also nicht mit charak-;eristisch
„gebrannten“ Knochen zu thun.
Wenn wir auf diese Art die unhaltbaren, durch
sine allzu optimistische Auffassung in MAKOWSKY’S
Darstellung hineingelangten Details ausmerzen, kommen
wir auf einen bescheidenen, aber unanfechtbaren Kern,
welcher der Aufmerksamkeit der Fachgelehrten würdig
ıst, wenn er sich auch den reichen Funden von anderen
Lösslocalitäten nicht an die Seite stellen lässt. Hoffentlich
wird sich bei uns immer mehr die Erkenntniss Bahn
‚rechen, dass die Specialisten durch marktschreierische
Jeberschreitungen ihren Funden ebenso wenig ernste
Ilgemeine Anerkennung zuwenden können, als man
hnen durch nergelnde Kritik dauernd Abbruch thum
‚ann. Wir sind eben in unserer Wissenschaft so
‚lücklich, auf die Funde selbst zu bauen, die immer
ınd immer durch ihre eigene Sprache den Werth, der
hnen als Baustein zu dem ganzen Gebäude zukommt,
‚eclamiren. Es ist zu wünschen, dass bewährte Local-'orscher
ihre schätzbaren Kenntnisse und ihre unschätzjare
Kraft nicht auf fruchtlose Polemik vergeuden,
sondern zu dankenswerther Beischaffung neuer gewissenhaft
gesammelter Materialien anwenden, Speciell
jen beiden hochgeehrten Herren Vorrednern sind auch
‘irderhin die besten, reichsten Erfolge auf ihrem
T7orschungsgebiete zu wünschen.
6. Herr Dr. M. Haberlandt hält einen Vortrag:
Zur Kenntniss von Sikkim und Nepal.
Die Veranlassung zu diesem Vortrage, der, insofern
ır neues thatsächliches Material beibringt, in den Mitheilungen
zum Abdruck gelangen wird, bildete eine
zeihe zum Theil sehr interessanter ethnographischer
J)bjeete aus Sikkim und Nepal, die sich gegenwärtig
n Wien befinden (im Besitze des k. k. Handelsmuseums
ınd des GRAFEN Kart LANCKORONSKI), Sowie eine Serie
nteressanter nordbuddhistischer Objecte aus Tibet, die
Jerr- Dr. J. Trorn kürzlich den Sammlungen des
<. k. naturhistorischen Hofmuseums überlassen hat.
Der Vortragende schilderte zunächst in grossen
Zügen die ethnographischen Verhältnisse jener Gebiete,
{eren unterste Bevölkerungsschichte von nicht ganz
:Jarer ethnographischer Basis von tibetanischen eingevanderten
Stämmen überschichtet wird, die in Nepal
hrerseits wieder von mehr oder minder reingebliebenen
indischen Einwanderern übersiedelt sind.
In Sikkim sind es die Lepcha, Limbu und Khamba-»hotia,
welche vor Allem in Betracht kommen, in Nepal
‚benfalls die Limbu und die Mischrasse der Bhots,
‚oweit von den tibetischen Einwohnern die Rede ist.
Jas arische Element der Bevölkerung von Nepal ist
1auptsächlich durch die Newaris und die Nepal-Rajputs
‚ertreten, in der sog. Ghorkakaste mit reinstem indischen
3lute.
Die besten Nachrichten bezüglich der Sikkimbevöl-:erung
liegen über die Lepcha vor, und so gab der
r"ortragende zunächst ein ausgeführtes Culturbild dieses
;tammes bezüglich seiner physischen und geistig-moraischen
Eigenschaften, seiner materiellen Cultur im Hausau,
Nahrungs- und Arbeitsverhältnissen, Wohnung,
Zeidung, Waffen und Hausgeräth u. s. W., wobei eine
‚nzahl einschlägiger originaler Objecte demonstrirt
zurde. Bei Besprechung der religiösen Verhältnisse,
ies urwüchsigen Animismus, der von dem vielfach an
jenselben sich accommodirenden tibetischen Lamaismus
und zwar von dessen rother Secte) mehr und mehr
‚bsorbirt wird, gab die kleine, aber erlesene Sammlung
betischer Cultusobjecte aus der Collection Dr. TroLL
lie Gelegenheit zu einer gedrängten Schilderung des