sicht nach keiner weiteren Erörterung; dieselben sind
wohl für alle Zeiten aus dem Diluvium gestrichen.
Die Richtigkeit aller meiner früheren Angaben halte
ich aber vollkommen aufrecht, trotzdem manches Detail
von dem geehrten Herrn Vorredner als Fabel erklärt
wurde, und hebe nochmals mit allem Nachdrucke hervor,
lass nicht ein einziger Fund hinreichend beglaubigt ist,
Mit Rücksicht auf diesen Mangel authentischer
Fundberichte, noch mehr aber auf Grund der materiellen
Beschaffenheit der Fundobjecte selbst erscheint es ganz
und gar unzulässig, diese menschlichen Skeletreste dem
diluvialen Menschen zuzuweisen. Für die Fossilität
derselben spricht kein einziger beweiskräftiger Umstand,
gegen dieselbe Alles,
Das Resume meiner Erörterungen ist, dass ich die
Anwesenheit des diluvialen Menschen um Brünn herum
zur Zeit der Lössbildung keineswegs ablehne, dieselbe
sogar an den Fundstellen am Rothen, Gelben und
Urnberge nicht ausschliesse, den directen Zusammenhang
des Menschen mit den‘ Brandspuren und den
meisten der vorgelegten Thierknochen aber nicht anerkenne.
Ich wende mich insbesondere gegen die zu
optimistische Deutung vieler Fundgegenstände, Den
diluvialen Charakter der gefundenen menschlichen Knozhen
bestreite ich vollständig.
Dr. A, WeEIsBACH: Gegen die Ansicht des Herrn
Prof, MASgA, die vorgewiesenen, in den Diaphysen zerbrochenen
grossen Röhrenknochen seien von wilden
Thieren durch Benagen so zugerichtet worden, kann
ich nach meinen langjährigen Beobachtungen an den
wilden Hunden im Oriente anführen, dass diese bei
den grossen Röhrenknochen stets nur die schwammigen
Epiphysen, nie die compacten, also sehr festen Diaphysen
zerbeissen,
Herr Custos Joser SzomBATHY: Die gegenwärtige
Discussion droht bereits einen weit über die Bedeutung
der Funde hinausgehenden Umfang anzunehmen, ohne
lass wir die Aussicht auf ein fruchtbares Ende derselben
haben. Wir sehen, dass es sich hier nicht um eine
neue Zuthat zu unserem allgemeinen Wissen vom diluvialen
Menschen handelt, sondern um die auf einige
Details concentrirten Meinungsverschiedenheiten zweier
erfolgreicher benachbarter Localforscher, welche Kritik!)
und Antikritik ?), das Resume eines objectiven Dritten ®)
und der persönliche Verkehr in der heutigen sehr auszedehnten
Discussion nicht auszugleichen vermögen.
Redner sieht durch die heute ausgestellten, zum
Theil neuen Funde die von ihm beim Anthropologen-Congress
im August vorigen Jahres ausgesprochenen
Ansichten vollauf bestätigt. Er anerkennt den Charakter
der von MaAxowsKY beschriebenen Brandstellen als
Zeugnisse der Anwesenheit des diluvialen Menschen,
findet aber die Belege für das diluviale Alter der vorgelegten
menschlichen Schädel, für welche jede verlässliche
Fundnotiz fehlt, ganz unzureichend, Der Erhaltungszustand
der Knochen, besonders: der hohe Gehalt an
leimgebender Substanz, spricht direct für ein viel
) Mittheil, d, A. G., Bd. XIX, pag. 46.
*) 1. 6. pag. 179.
5 l. c. Sitzungsberichte, pag. [1431
zeringeres Alter. Wenn MaAxowskKy anführt, dass in
Töhlen auch diluviale Knochen in vorzüglich frischem
Zustande erhalten sind, so kann das hier nicht als
\rgument gelten; denn dort sind die Erhaltungsbedinzungen
(Einhüllung in wasserundurchlässigen Lehm,
3Zedeckung mit Sinter etc.) andere als im porösen Löss,
)arum zog Redner beim Congress auch nur die an der
*undstelle der Schädel im Löss gefundenen diluvialen
{nochen zu dem Vergleiche, der so ungünstig für die
3rünner Funde ausfiel, heran. Diese Schädel, welche
IAxowsxgy schon im Titel seiner Publication für zweifelios
diluvial hingestellt hat, wird fürderhin kein gewissenhafter
Prähistoriker unter den diluvialen Funden
anführen; sie haben nicht den geringsten Anspruch
auf das ihnen zugemessene hohe Alter.
Bezüglich der übrigen Funde muss das unbefangene
Jrtheil wohl viel günstiger lauten, als dasjenige des
lerrn Prof, MASKaA, .Am wichtigsten sind uns die
usgestellten 3 „Artefacte“, welche sich nach den
Zeichnungen *) nicht gut beurtheilen liessen, Das kleine
;teinwerkzeug (Fig, 219) charakterisirt sich durch die
‚bsichtliche, mittelst Abtrennung zahlreicher kleiner
jplitter zuwege gebrachte eigenthümliche Zustumpfung
les einen Randtheiles als ganz unzweifelhaftes Artefaect.
Ibenso ist das in Fig. 217 gezeichnete Stück, wie
vuch MASkKA anerkennt, ganz deutlich ein durch
;ahlreiche Schläge aus dem Griffelbein eines Pferdes
ıergestelltes und durch den Gebrauch an der Nutztelle
stark zupolirtes Werkzeug. Hingegen zeigt das
Iritte (von MArxowsKy in zwei Ansichten, Fig. 218,
» und db, abgebildete) Stück kein Merkmal menschlicher
3Zearbeitung. Es ist ein unregelmässiger Knochensplitter,
xelchem die äussere, glatte Knochenplatte fehlt, so dass
ar auf beiden Seiten das dichtzellige, grubige Gefüge
zeigt, wie es etwa der einer Epiphyse nahe gelegenen
7artie des Körpers eines grossen Säugethier-Extremi-‚ätenknochens
entspricht. Die beiden Durchlöcherungen
in der Nähe des unregelmässig gekrümmten Randes
sind nicht künstlich hergestellt. Von Menschenhand
n den Knochen gebohrte Löcher setzen, wenn die
?>artie, so wie in unserem Falle, cavernös ist, durch die
inzelnen Zellräume des Knochens durch und zeigen
lann eine poröse Wandung. Unsere beiden Durchöcherungen
sind aber ganz sauber durch eine concrete,
lünne Knochenlamelle, welche alle herantretenden Poren
‚bschliesst, ausgekleidet und nehmen auch den für die
zefässcanäle charakteristischen, nahe an der Oberfläche
n die Längsrichtung der Knochenoberfläche einlenkenden
rerlauf, so dass sie der Fachmann auf den ersten
3lick als natürliche Canäle erkennt, Sie zeigen keine
\bnützung durch Anfädelung oder dergl. Auch der
and des Knöchelchens zeigt keine Spur von Bearjeitung.
Bezüglich der zerschlagenen Knochen ist MaASgaA’s
Urtheil einseitig. Es ist wohl richtig, dass viele Stücke
leutliche Nagespuren von Raub- und auch von Nagethieren
zeigen, und dass manchmal auch frische Brüche
an den Knochenenden vorkommen; aber man kann doch
ı) Mittheil. d. A. G.. Bd. XIX, pag. 183, Fig. 217—219