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vorliegenden Knochen ist kein einziger im eigentlichen
Sinne gebrannt,
Den grössten Optimismus bekundet Herr Prof, Ma-KOWSKY
bei der Beurtheiluug von Knochenfragmenten,
Er scheint geneigt zu sein, fast jeden unvollständigen
Knochen als unzweifelhaft vom Menschen bearbeitet
und eventuell mit Schlagmarken versehen anzusehen,
ohne zu berücksichtigen, welcher Unzahl von zufälligen
Gewalteinwirkungen, die mit der Anwesenheit des Menschen
in gar keiner Beziehung stehen, ein solcher
Knochen ausgesetzt ist.
Ich kann mich einer so freien Interpretation nicht
anschliessen, Ich habe, soweit es die Zeit heute gestattete,
das reichliche, mitunter sehr werthvolle, hier
ausgestellte Knochenmateriale, welches mir ührigens
zum grösseren Theile von früher her schon bekannt
var, einer genauen Ueberprüfung unterzogen und erlaube
mir, mit Rücksicht darauf die bestimmte Erklärung
abzugeben, dass der bei weitem grössere Theil
der Thierknochen, welche als vom Menschen
künstlich aufgeschlagen bezeichnet wurden,
unverkennbare Merkmale‘ von Exemplaren
fragen, die ausschliesslich von Raubthieren
benagt beziehungsweise zerbissen
sind. Namentlich sind es die Rhinocerosreste und die
Pferdetibien. Der entzweigeschlagene Metacarpus vom
Wisent zeigt frische Bruchflächen.
Ich habe in meiner Sammlung zahlreiche Belegstücke,
welche mit den vorliegenden genau übereinstimmen;
dieselben stammen von Fundorten, in welchen
aicht die geringste Spur der Anwesenheit des diluvialen
Menschen nachgewiesen werden konnte, wohl aber jene
von grossen Raubthieren, insbesondere von Hyänen,
ersichtlich war. ;
Ich darf vielleicht auf den Umstand hinweisen,
dass auch in der unmittelbarsten Nähe der angeblichen
menschlichen Lagerstätte am Rothen Berge und bei
der Wrana-Mühle Hyänenreste, an erster Stelle auch
zahlreiche Hyänenkoprolithen gefunden wurden. Ist es
angesichts dieser Umstände nicht an und für sich
wahrscheinlicher, dass die daselbst angehäuften, zumeist
jgenagten Knochen verschiedener Thiergattungen Ueberoleibsel
der Beute von Hyänen oder anderen grossen
Raubthieren sind? Ich glaube, diese Schlussfolgerung
‚jegt näher als die Annahme directer menschlicher
Einwirkung.
Nicht unerwähnt will ich lassen, dass Herr Prof.
MAxowsgY uns keinen einzigen Knochen vorlegte, den
er als von Raubthieren benagt ansieht.
In dieser Hinsicht verdient bemerkt zu werden,
lass ich behufs Vergleichung der Brünner Lössfunde
mit anderweitigen Funden unzweifelhafter Natur beim
vorjährigen Anthropologen-Congresse ganze Serien that-;‚ächlich
vom Menschen aufgeschlagener und mit Schlagmarken
versehener Knochen der meisten grösseren
liluvialen Thiere aus Pfedmost und Stramberg
ausgestellt habe; der Unterschied zwischen diesen Beegen
und jenen des Herrn Prof, MaAxowskKyY ist ein
zewaltiger und für vorurtheilslose Beobachter erkennjarer.
Bei der Beurtheilung der vorliegenden Skeletreste
us dem Löss von Brünn beschränkte ich mich abichtlich
nur auf einen, allerdings den grösseren Theil
ijerselben und enthalte mich eines bestimmten Urtheils
»ezüglich der Ursache der Zertrümmerung der restichen
Knochen, wobei ich Herrn Prof, MAkowskKyY gern
{ie Concession mache, dass hie und da ein Knochen vieleicht
durch die Hände des diluvialen Menschen gegangen
var. Das Gesammturtheil wird hiedurch nicht alterirt.
Was die vorgelegten zwei Knochenstücke, welche
Prof. MAxowskY für unzweifelhafte Artefacte hält, anangt,
so muss ich meine völlige Enttäuschung einjekennen,
Das eine Exemplar (Mitth, d. Anthrop. Ges,
n Wien, Bd, XIX, pag. 183, Fig, 218@ und %), anzeblich
ein künstlich hergestelltes und durchbohrtes
ichmuckstück, ist einer jener Knochensplitter mit
ıatürlicher oder zufälliger Durchlöcherung, welche in
'en Knochendepöts unserer Höhlen nicht selten vor-'ommen
und von der Anwesenheit des diluvialen Menschen
‚anz und gar unabhängig sind; über den natürlichen
Irsprung dieses Splitters kann meines Erachtens ein
»raktischer Forscher nicht im Zweifel sein. Aber auch
las zweite Exemplar (a, a. O. Fig. 217), angeblich
in schneidiger, etwas zugespitzter Schaber, untercheidet
sich wesentlich von wirklichen Knochenarteacten;
ich vermochte wenigstens bei der Betrachtung
;er Form und Oberfläche dieses Knochenstückes irgendvelche
menschliche Bearbeitung nicht zu erkennen.
‚Nlerdings gestehe ich, dass eine genaue Untersuchung
er ganzen Oberfläche des an einer Tabelle mit Draht
‚efestigten Objectes nicht möglich war. Gegen den
“euersteinsplitter (a. a. O0. Fig. 219) habe ich nichts
inzuwenden; absichtliche Formverleihung durch nachrägliche
feine Schläge ist zwar daran nicht zu beob-‚chten,
trotzdem kann er als minderwerthiger Abspliss
<ünstlichen Ursprungs sein.
Noch eine kleine Berichtigung. Der Herr Vorredner
ührte an, Dr. WAnKEL habe den diluvialen Menschen
n den devonischen Höhlen bei Brünn nicht nachweisen
tönnen, Ich erlaube mir daran zu erinnern, dass im
Tofmuseum aus der ByCiskäla-Höhle ganze Reihen diluialer
Vorkommnisse ausgestellt sind, und dass ferner
Jr. WANKEL diluviale Artefacte auch in der sogenannten
foachimshöhle (Jächymka) und im Kostelik (Pekärna)
rorgefunden hatte, Sollte sich jene Bemerkung nur
ıuf menschliche Knochen beziehen, so kann ich benerken,
dass hier ein kindliches Kieferfragment aus der
3yCiskäla-Höhle in Betracht zu ziehen wäre, dessen
\lter allerdings bisher nicht genau festgestellt wurde.
Nenn aber dafür der Herr Vorredner vom Menschen
vufgeschlagene diluviale Thierknochen aus den Abzründen
der Kiriteiner Höhle (Vypustek) zu besitzen
-ermeint, so möchte ich ihm aus vollem Herzen dazu
zratuliren; denn das wären gewiss die einzigen Belege
ler Anwesenheit des diluvialen Menschen aus anderen
ıls den obersten Schichten dieser Höhle, während der
liluviale Mensch in diesen selbst noch nicht ganz
zweifellos festgestellt ist.
Bezüglich der menschlichen Reste habe ich wenig
zu sagen: dieser Theil der Funde bedarf meiner An-