Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

Dr. Wangzr’s und Prof. MasKa’s grossen Samm-.
 lungen Zeugniss ablegen werden, wird das Bild des
“Jägerlebens in Pfiedmost in mehreren wesentlichen
Beziehungen ein grundverschiedenes.
Ich habe deutlich genug aus ihnen den Sinn ablesen
 können:
dass die mährischen Piedmost-Leute zu
ainem Steinalter-Volk aus der eigentlichen Renthierzeit
 Mitteleuropas gehörten;
aber nicht, dass sie früher als diese öder in
irgend einem Abschnitt der grösseren Glacial-Zeit —
geschweige vor dieser — lebten ;
auch nicht, dass sie daselbst zusammen
mit Mammuthen lebten oder im Ganzen mit diesen
Urzeit-Elephanten !) gleichzeitig waren;
noch weniger, dass sie dieselben gejagt oder
getödtet haben, oder, wenn sie auf andere Weise
verstanden hätten, sich so kolossaler Thiere zu bemächtigen,
 dass sie dieselben — sei es als ganze
Leiber oder in grössere Stücke zertheilt — nach
Hause in ihre Wohnstätten geschleppt haben. Nicht
Jas geringste Zeichen dafür, dass diese Jäger während
 so langer Zeiträume ihre vornehmste Nahrung
von den Mammuthen bezogen hätten, habe ich darum
bisher bemerken können.
Diese so gegensätzliche Auffassung von dem, was
Prof. MaAsxa und seine älteren Landsleute durch die
Predmost-Station bewiesen zu sehen glaubten,
wird seine natürliche Erklärung in einer eigenen
Mystification finden können, der die Pedmoster
 Culturschichte ihre Untersucher ausvesetzt
 hat, Statt dass die Schichte mit allen darir
aingeschlossenen Resten von Thieren und menschıichen
 Geräthschaften als ein unzweideutiger
Ausdruck für eine enge Gleichzeitigkeit
oder eine einzige Zeitphase sein soll, so
müsste sie, recht besehen, vielmehr als ein
zweideutiger, aber darum gerade wirklich
yzuter Ausdruck für zwei verschiedene
Zeitphasen gelten, zwischen denen vielleicht
 sogar Jahrtausende liegen.
Das klingt vielleicht im Anfange recht räthsel-‘'aft,
 aber wenn dem so ist, löst sich das Räthsel
zaum ohne ähnliche Schritte, als ich sie gethan
1abe: Einen Besuch in Pfredmost selbst und ein
zeschärftes Studium der zwei besprochenen Samm-‘ungen
 in Olmütz und Neutitschein. Indessen
hoffe ich, dass die Lösung, die ich dadurch gefunden
1) d. i. Vor-Eiszeit-Elephanten, vgl. oben S. 3,
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd, XX. 1890.

zu haben glaube, doch einigermassen auch für Andere
zerständlich werden wird, wenn ich hier Dr. WAngeL’s
m Jahre 1884 in den Verhandlungen des Anthropol.
Jongresses zu Stettin gegebene Skizze des lothrechten
 Lössabhanges hinter Herrn CurouBÖöRK'sS
 Garten und der darin eingelagerten
‚schwarzen“ „Culturschichte“ mit wenigen
Norten erläutere und ebenso die Erscheinungen in
lerselben beleuchte, die nach meiner Auffassung offengar
 missverstanden oder missdeutet worden sind.
Damit will ich also nun einen Versuch machen
ınd den Leser bitten, mir nach Pfedmost zu
folgen.
IL
Das Dorf P£edmost liegt eine schwache halbe
Meile nordöstlich von Prerau, einer kleinen Stadt
m östlichen Mähren und Kreuzungsstation an der
Zisenbahnlinie Leipnik-Brünn, und ist von Olmütz,
lem Sitze des mährischen Erzbischofs, mit der
3ahn in einer guten halben Stunde zu erreichen.
ie Umgebung dieses Dorfes besteht — besonders
ntlang des Flussbettes der Becva — aus Lössıügeln
 und diese ruhen auf einer Unterlage von
estem devonischen Kalk, der hie und da an ihrem
7usse und dort, wo der Löss zu ökonomischen
Zwecken völlig entfernt wurde, zu Tage tritt. Eben
{lies geschah mit einer Partie von echtem Löss, —
-taubfeiner und poröser, von lothrechten Poren
‚urchsetzter Sandmasse, — der an den Seiten einer
ınnähernd kesselförmigen Kinsenkung abgelagert
var, in unmittelbarer Nähe eines grösseren Landvirthschaftshofes,
 Eigenthumes des Grundbesitzers
lern Josar CuromaceK in Pfredmost. Sowohl
ım die durch die Lössmassen hindurchragenden
7artien von devonischem Kalk verschiedener ökoıomischer
 Verwendung zuzuführen, als um den vom
‚össhügel eingeengten Gartenraum zu erweitern,
vurden vor mehr als zehn Jahren, also in den
Siebziger-Jahren, bedeutende Massen von Löss
ınd mit ihnen eine unglaubliche Menge, ja ganze
Nagenladungen voll grosser fossiler Säugethier-«nochen
 abgegraben. Dieselben wurden zermalmt
ınd als Knochendünger auf den umliegenden Grund-:tücken
 verwendet,
Indem nun die Abgrabungen zu dem angegebenen
Zwecke in jedem der folgenden Jahre fortgesetzt wurden,
camen jene hohen und langen, lothrechten Lössvände
 zu Stande, wie sie der Hügel in den letzten
Jahren aufweist. Die auf pag. 29 gegebene Skizze
stellt deren Verhältnisse dar, so wie sie sich vor ein
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.