Wallersdorf sind auf einer Fläche von etwa 2 Joch
Aschengräber mit Gefässen, ähnlich jenen zu Schattau,
nachgewiesen worden, In der
Zetzer Ziegelei ergab sich ein ausgedehntes Leichenfeld
der Hallstatt- und La Tene-Zeit, ferner Skeletgräber
der Völkerwanderungs-Periode, Bei
3nadlersdorf öffnete Herr Spörr. mulden- und
bienenkorbähnliche Aschengruben im Lehm mit
Knochen des Rindes, Hirsches und Rehes, sowie bearbeiteten
Hornsteinspähnen und roh geformten dickwandigen
Gefässen. Hier wurde auch eine Pferdetrense
aus Bronze gefunden, jetzt im Besitze des
Herrn Lehrers ZwWIERNER in Retz. In
Schattau findet sich Östlich von der Station in
der Ziegelei ein riesiges Leichenfeld, bestehend aus
muldenförmigen Gräbern, welche in der Anwendung
and Form ihrer Thongefässe eine auffallende Aehnlichkeit
mit jenen von Hadersdorf am Kamp zeigen.
Hier finden sich als Beigaben häufig Kornquetschen
und Reibplatten, sowie auffallend kleine, Näpfchen
und Schalen, ferner massive Halsringe aus Bronze. Bei
Jrbau-Tajax finden sich in der Ziegelei auf eine
Fläche von gut 8—11 Joch vertheilt Aschenmulden mit
Gefässen und ein ausgedehntes Leichenfeld mit hockenden
und gestreckten Skeletten (oft 5—10 Skelette
in einer Mulde). Unter dem Schädel derselben liegt
nanchmal ein Reibstein als Kissen, daneben spärliche
Beigaben von Bronze, Feuerstein- oder Hornsteinspähne,
Steinbeile und Thongefässe, meist 1—2 kleine
Schälchen, eines zu Häupten, eines bei den Füssen.
Unweit von dieser Stelle lag eine grosse Ansiedlung
Länge 200 m, Breite etwa 150 m) mit vielen Steinyerkzeugen.
Dr. WoLDkıcH unternahm 1889 zunächst Ausgrabungen
in der Hügelgruppe im Walde „Krälovstvi“
bei Pon&Sic in Südböhmen, ferner die Bestimmung der
"eichen diluvialen Fauna aus der St. Ivan-Höhle ‘bei
Beraun, welche Herr Ingen. NEUMANN untersuchte.
Daran schlossen sich Ausgrabungen in Mährisch-Kromau
‘auf Kosten der Anthropologischen Gesellschaft in Wien),
wobei wichtige Funde gemacht und die Beschaffenheit
les Gräberfeldes sichergestellt wurde, eine Besichtigung
Jes Mistkogels (Leskoun) bei Wolframitz in Mähren,
Studien in den Museen zu Prag, Caslau (Betheilizung
am 25jährigen Gründungsfeste daselbst mit einem
Fachvortrage), Brünn (technische Hochschule) und
Budapest.
Von besonderem Belang für das Studium der Bronzezeit
in unseren Ländern sind unsere Grabungen bei
jer Eisenbahn - Haltestelle Gemein -Lebarn der
St. Pölten-Tullner Bahn. Es wurden dort in den Moaaten
August und October von den Herren Custos
Jos. SzZOoMBATHY und Lehrer AMmBrRos ZünDdeL 59 Gräber
nit zusammen 74 Bestattungen untersucht und auszebeutet.
Die Gräber sind bis zu 2m tief in den
Diluvialschotter der Donau eingesenkte Flachgräber, in
welchen 41 Skelette und 33 Leichenbrände enthalten
waren. Die Leichen waren ın hockender. Stellung oder
ıäufiger in der Seitenlage mit hoch angezogenen Beinen
jeigesetzt:;: der Leichenbrand fand sich entweder in
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—
angen Erdgruben oder in Urnen, welche direct in die
ärde gesetzt sind. In zwei Fällen konnte constatirt
werden, dass ein Brandgrab nach dem benachbarten
Skeletgrabe gemacht worden war und dieses zum Theil
ıngeschnitten hatte, im Allgemeinen aber scheinen
yjeide Bestattungsweisen gleich alt zu sein. Als Beirabe
fand sich in Skelet- und Brandgräbern manchmal
ıeben einigen Thongefässen — Schüsselchen und Töpf-:hen
— Bronzeschmuck, Von Waffen fast keine Spur,
Zine Parallelisirung der Funde mit einzelnen Stufen
ler nordischen Bronzezeit, wie sie etwa MOnTELIUS für
Schweden aufgestellt hat, erscheint nicht durchführbar;
ıur im Allgemeinen entspricht das Material, wie zu
ırwarten war, der sogenannten älteren Bronzeperiode,
Zin besonderer Werth ist den zum Theil gut erhaltenen
jkeletten, welche auf einen mittelgrossen Menschenchlag
mit. platyknemischen Tibien und dolichocephalem
;chädel deuten, beizumessen, da wir an solchem, nahezu
irei Jahrtausende altem Knochenmateriale noch recht
ırm sind,
In Niederösterreich wurde ferner noch eine sehr
arhebliche Anzahl von Recognoscirungen und grösseren,
‚sowie kleineren Ausgrabungen vorgenommen.
+ Ausser diesen zum grössten Theile für die Anthro-»ologische
Gesellschaft ausgeführten Arbeiten. verzeichıen
wir mit Vergnügen eine grosse Zahl prähistorischer
„ocalforschungen, die von anderer Seite unternommen
worden sind.
Aus Kärnten ist hauptsächlich wieder über Auszrabungen
auf der berühmten Hügelnekropole von Frögg
ei Rosegg zu berichten, und es muss hervorgehoben
verden, dass im abgelaufenen Sommer zum ersten Male
ine systematische Durchforschung dieses Gräberfeldes
ıus der Hallstätter Zeit unter der Leitung des verlienten
Conservators für Kärnten, Herrn CArL BARON
JTAUSER, in Angriff genommen wurde, Die Mittel zu
jiesem allerdings kostspieligeren Unternehmen wurden
z‚rösstentheils in einer Subvention seitens der Kärntner
5parcasse, welche seit einer Reihe von Jahren für die
“rforschung und Ankäufe von kärntnerischen Alterhümern
Beiträge widmet, gefunden. Das Ergebniss
:jeser Ausgrabungen wurde in einem ausführlichen
Zerichte der k. k, Central-Commission für Kunst- und
istorische Denkmale vorgelegt. Die Hauptfunde, welche
n dem historischen Museum des Vereines zur Aufıtellung
kommen, sind folgende: grosse graue Urne,
ıohe Fussschale, niedrige braune Schale, grosser Bronzezessel
(32 cm hoch), Sieb aus Bronzeblech, Conglomerat
ıus Kalksinter und Eisenrost mit Knochenresten, darunter
sewebte Stoffreste, Bronzenadel mit Vorsteckhülse, Bronze-1adel,
Bogenfibula aus Bronze, kreuzförmiger Knopf aus
3ronze, vier grosse Bronzekelte, Schleifstein, Räucherıarz,
Theile einer bronzenen Trensenkette, Henkelansätze
eines Bronzekessels, eiserne Messerklingen, zum
"heil noch mit hölzernen Griffresten. Ueber eine Anzahl
werthvoller Ankäufe und Geschenke aus verschiedenen
Orten Kärntens wird von Herrn BARON CArt HAUusEer
in der „Carinthia“ berichtet werden,
Die von Director Dr. C. MArcHEsETTI für das Museo
Divico di storia naturale in Triest ausgeführten