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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

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Ihre Küchenabfälle in den Wohnungen gelassen haben.
Es ist wahr, dass sich unter den Muscheln auch Austern
jefinden, aber die Tausende kleiner Muscheln, die nicht
rjel grösser sind, als ein Daumennagel, bildeten einen
Bestandtheil des Lehms, der als Baumaterial benützt
wurde.
Zu einem schwerwiegenden Irrthum wurde BÖöTTICHER
rerführt durch einige unvollkommene Abbildungen im
„Tlios“, welche Mauern der oberen Ansiedlungen scheinbar
als auf dem Boden der zweiten stehend darstellen.
SCHLIEMANN hatte an vielen Stellen neben und zwischen
dem Gemäuer der dritten Periode im Schutte tiefer
zegraben, so dass nun diese Mauern auf Schuttwänden
ron gleicher Dicke wie die Mauern selbst standen, In
BUrRNOoUF'’s Zeichnungen war aber ein Unterschied zwischen
Schuttwand und Mauer nicht gemacht worden.
Als das Buch „Troja“ in BörrıcHER's Hände kam,
ıätte ihn der Plan DörrreLD’s von dem Irrthum seiner
Auffassung überzeugen können. Er war aber bereits zu
sehr mit seiner Hypothese verwachsen, um sie aufzugeben,
 und erklärte daher: „Ilios“ sei das authentische
 Ausgrabungsprotokoll, im Buche
„Troja“ habe man sich bemüht, mit Rücksicht
 auf seine (BörrıchEr’s) Hypothese, Alles
verschwinden zumachen, was im „Ilios“ gegen
SCHLIEMANN’S Auffassung spreche; daher gebe
‚Troja“ ein Phantasiegemälde, und Döszry-»gLD’s
 Plan sei vollständig falsch.
BöTTICHER behandelte dieses Thema in mehreren
Aufsätzen, welche während der Jahre 1885 bis 1889
arschienen, und fasste schliesslich die Ergebnisse seiner
Studien zusammen in der Broschüre: „La Troie de
SCHLIEMANN une necropole ä incineration etc, Extrait
lu Mus&on. Louvain 1889,“ In diesem Buche wird
der Vorwurf der Fälschung mehr als ein Dutzendmal
wiederholt.
Man sollte glauben, dass so schwere Vorwürfe —
Jie Anklage wissenschaftlicher Fälschung — wie sie
liese Schriften enthalten, nur erhoben werden könnten
auf Grund genauer Studien an Ort und Stelle;
ıber BöTTICHER war nicht in Hissarlık gewesen und
antwortete auf das Ersuchen, sich an Ort und Stelle
von dem Thatbestande zu überzeugen: „Mein Buch
beurtheilt auf Grund der eigenen Angaben
ScHLIEMANN’S und DörrFELDs die Ruinen von
Hissarlik in allem Wesentlichen gewiss
‚richtig. Dazu brauchte ich nicht dort gewesen
 zu sein. Sind die Astronomen auf
den Sternen gewesen?“ — — — — und weiter:
‚Ich glaube, ich bin in Hissarlik besser zu
Hause als Herr DörPFELD, kraft sorgsamen
Vergleichens aller Berichte, Zeichnungen
ınd Pläne“ etc. etc,
Die Enttäuschung konnte nicht ausbleiben. Als
BörricHER endlich der Einladung ScHLIEMANN’S folgte
und sich nach Hissarlik begab, sah er, wie völlig falsch
das Bild war, das seine Phantasie ihm vorgespiegelt
und wie sehr er seine Gegner unterschätzt hatte.
Das hier folgende Protokoll gibt Auskunft über die
Jegegnung; es zeigt, dass DÖTTICHER in den wichtigsten

7unkten die Uebereinstimmung des Thatbestandes mit
ler Darstellung des Buches „Troja“ einräumte. Die Er-(Järungen,
 auf welche BÖTTICHER sich zurückzieht, sind
m Grunde nur Ausflüchte, Er kann den Plan DörrreLD’s
ılcht anfechten; dieser Plan der Ruinen zu Hissarlik
ıber zeigt uns eine Burg, und keine Nekropole,
Protokoll.

Sonntag, 1. December.
Gespräch über das Vorkommen von Muscheln in den
‚usgrabungen von Hissarlik. Vırcnow’s Beschreibung
m Buche „Ilios“, Seite 359, wird vorgelesen und als
ichtig anerkannt, Doch bemerkt Dr. DörpreLD, dass
lie kleinen Muscheln auch in den Lehmziegeln vorıanden
 sind und bei weitem am häufigsten vorkommen.
In Bezug auf den Fund von Urnen mit Asche
nenschlicher Gebeine, beschrieben „Ilios“, Seite 46,
yjemerkt Dr, ScHLIEMANN, dass er nach allgemeinem
jebrauche anfangs jedes Gefäss Aschenurne genannt
ı1abe, dass aber nach seiner jetzigen Auffassung eigentiche
 Aschenurnen, wie z. B. die in Figur 426 auf
jeite 447 „Ilios“ dargestellte, nur in sehr geringer
Zahl gefunden seien. Dr. SCcHLIEMANN bemerkt ferner,
lass die Seite 36 „Ilios“ erwähnten „zahlreichen
Aenschenknochen“ auch Thierknochen gewesen sein
:önnten; kein Fachmann habe dieselben bestimmt, sie
ıätten zusammen etwa. für zwei Skelette ausgereicht.
Hinsichtlich des chronologischen Verhältnisses von
JTauptmann BÖTTICHER’S Aufsatz: „SCHLIEMANN’S Troja
ine Feuernekropole der Vorzeit“, erschienen im „Ausand“,
 Weihnachten 1883, und des mit der Jahreszahl
‚884 versehenen ScHLIEMANN’schen Werkes „Troja“,
srklärt Dr. SCHLIEMANN, dass sein Buch bereits ım
November 1883 gedruckt sei. Dr. DÖörPrELD conitatirt,
 es sei aus diesem Grunde unmöglich, dass dem
Dr. SCHLIEMANN, wie ihm selbst bei der Bearbeitung
les Werkes „Troja“ die Troja betreffenden Ansichten
les Hauptmann BörTTICHER bekannt sein konnten.
Hauptmann BÖöTTICHER verliest die auf die Aufindung
 eines fast aufrechtstehenden menschlichen
Skelettes sich beziehende Stelle „Ilios“, Seite 307,
ı1ach welcher das Skelet in 6—7 Fuss hoher gelber
>der bräunlicher Holzasche sich befunden habe.
Ir. SCHLIEMANN erklärt hierzu, dass nach seiner jetzigen
\uffassung jene von ihm als Holzasche bezeichnete
yulverförmige Masse verbrannter Ziegelschutt geyesen
 sel.
Auf Befragen wird die den Schutt betreffende Beschreibung
 Burnovur's, „Tlios“, Seite 305, von Dr. SCHLIE-IANN
 und Dr. DörrreLD als richtig anerkannt.
Bei der hierauf stattfindenden Besichtigung der von
3URNOUF geschilderten und abgebildeten Schichten
ı1or dem Pflaster des Südwestthores „Ilios“, Seite 85
„Troja“, Plan VII, bei TU), constatiren die Zeugen:
Inten braune, darüber hellbraune oder ockerfarbige
Masse in Schichten gelagert, dazwischen sporadisch
Iolzkohlenreste, Im Allgemeinen in Betreff der Lagerung
Jebereinstimmung des Sachverhaltes mit Burnour’s
Zeschreibung. Dr. DörrrELuD erklärt diese pulverförmige
            
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