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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

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stimmten sprachlichen Formen kein dauerndes Heim, In den
Thälern des Atlasgebirges findet sich aber noch der reine
weisse Typus, die ovale Kopfbildung, das gelbe oder röthliche
Iaupt- und Barthaar, sowie die lichten Augen, welche die
alten Semiten in ihren Gesängen als die vollkommenste
Schönheit betrachteten (vgl. das Hohelied Salomonis). Schliessich
 hebt der Verfasser hervor, dass die Art und Weise, wie
die Semiten Bogen und Pfeil gebrauchten, die sogenannte
„Mittelländische“ war, welche sich wesentlich von der Asia-‚ischen
 oder Mongolischen unterscheide (vgl. Prof, E. S. Monsge’s
Essay on the arrow-release). Die Semiten lernten den Gebrauch
von Bogen und Pfeil, bevor sie ihre westliche Heimat verliessen;
 denn an sehr alten Depositplätzen längs der Schotts
and in den Flussthälern wurden Pfeilspitzen gefunden, welche
beweisen, dass der Gebrauch des Bogens zu den ältesten
Errungenschaften der Semiten gehört.
Gegen diese Ausführungen macht der gelehrte Orientalist
fasrrow eine ganze Reihe von philologischen Bedenken geltend,
deren Richtigkeit wohl zugestanden werden muss, für deren
Erörterung aber hier der Raum mangelt; sein Schlusssatz
ist: Und wenn in irgend einem Theile Afrikas die Urheimat
der Semiten gesucht werden muss, so ist es eher die östliche
als die westliche Küste. Ferner bestreitet JAsrrow, dass
Brınron gegründete Ursache habe, den blonden semitischen
Typus als den älteren und reineren anzusehen, ohne indess
selbst auf diese Sache allzu grosses Gewicht zu legen.
Schliesslich wendet er sich gegen die Bogen- und Pfeiltheorie
ıls eine noch nicht festbegründete, Der Ursitz der Semiten
könne also wohl nach Afrika im Allgemeinen, aber nicht
nach irgend einer bestimmten Localität in Afrika verlegt
werden,
Wie die Sachlage jetzt steht, kann man sich Brınrton’s
Meinung insoweit anschliessen, dass man seine negativen
Ergebnisse acceptirt, nämlich die Urheimat der Semiten ist
ıicht in Asien, sondern in Afrika, und in Afrika nicht in
Central- oder Südafrika zu suchen, obzwar die Frage für
Centralafrika noch speciell zu untersuchen wäre.
Hein.
36,
Charusin, N. Die russischen Lappländer. Skizzen
über ihre frühere und gegenwärtige Lebensweise. Zeitschrift
 der Kaiserlichen Gesellschaft der Freunde
der Naturwissenschaften, der Anthropologie und
Ethnographie. Band LXVI. Moskau 1890, 472 pp.
in 4° mit 4 Tafeln und einer Karte. (In russischer
Sprache.)

Im Jahre 1887 unternahm der Verfasser eine Reise
nach Nordrussland und besuchte dabei auch das Land der
„ussischen Lappländer. Das oben angeführte Werk ist eine
Frucht dieser Reise, Der Verfasser theilt dasselbe in sechs
Abtheilungen: 1. Eine kurze geographische Beschreibung;
3, Geschichte der russischen, sowie auch der skandinavischen
Lappländer; 3. deren äusserliche und materielle Lebensweise;
14. die frühere Religion und der jetzige Glaube der Lappänder;
 5. ihr Familien- und: Gesellschaftsleben; 6. die
Volkspoesie der Lappländer (Märchen, Sagen und Lieder)
Jem Werke sind zwei alte Schriften, die eine vom Anfange,

lie andere vom Ende des XVII. Jahrhunderts stammend,
;owie etliche Märchen beigefügt. Bei der Bearbeitung der
'elbst gesammelten Materialien benützte der Verfasser auch
Alles, was in der russischen und ausländischen, nicht nur
n der neuesten, sondern auch in der.alten (XVI.—XVIL Jahrıundert)
 Literatur über die Lappländer zu finden war; daher
ieht er sich genöthigt, nicht allein von den russischen
‚appländern zu sprechen, sondern auch die schwedischen,
ıorwegischen und finnländischen Lappländer in den Kreis
‚einer Betrachtung zu ziehen.
Für den Anthropologen ist die dritte Abtheilung wichtig.
In. derselben behandelt der Verfasser unter Anderem die
jeiden folgenden Fragen: 1. über den physischen Typus der
‚appländer und 2, über das Aussterben des lappländischen
Volksstammes, welch letztere Frage schon zu vielen Controrersen
 Anlass gegeben hat.
Bei der Analyse des physischen Typus der Lappländer
leutet der Verfasser auf deren verschiedenartige Beschreiungen
 hin, wie solche von den verschiedenen Schriftstellern
ınd zu verschiedener Zeit gemacht wurden. Der Unterschied
;wischen denselben ist so gross, dass man nach diesen
Zeugnissen gar keine Möglichkeit sieht, sich einen einheitichen
 lappländischen Typus vorzustellen. Diese Widersprüche,
neint der Verfasser, haben ihren Grund darin, dass bis zur
atzten Zeit gar keine regelrechten ethnographischen Be-‚bachtungen
 an den Lappländern gemacht wurden und in
Tolge dessen Jeder, der dieselben gesehen, nur seinen
jersönlichen Eindruck beschrieb, der also rein subjectiv und
ıicht wissenschaftlich näher fassbar sein konnte. Erst in der
etzten Zeit sind anthropometrische Untersuchungen an
:kandinavischen Lappländern von Vırcnow, Ecker, Düsen
Torg, SommıEeR u. A. und der russischen Lappländer von KELsiıew
ınd EıLisseEw gemacht worden, Ueber den Wuchs der russichen
 Lappländer geben uns auch die Messungen in den
jonscriptionslisten Aufschluss. Aus der Zusammenfassung
ıller bisher darüber vorliegenden Daten kommt der Verfasser
zum. folgenden Schlusse: Die russische Gruppe der
‚appländer muss von der skandinavischen streng
ınterschieden werden.
Es beträgt nämlich:
Mittlere Grösse
der russischen Lappländer: der skandinav. Lappländer:
Männer ,‚ .. . . 1558 Männer . . ., . . 1484
Weiber. ... . . . 1456 Weiber, . . . . . 1417
Längenbreitenindex
der russischen Lappländer: der skandinav. Lappländer:
819 868

Diese Differenz in den Zahlen wird durch die Be-‚bachtungen
 der Anthropologen in Bezug auf das äussere
\ussehen der Lappländer nur bestätigt. Während die skandi-1avischen
 Lappländer die Hautfarbe dunkel, die Augen
jraun oder hellbraun, das Haar dunkelbraun haben, ist bei
dien russischen Lappländern dagegen die Hautfarbe heller,
lie Augen sind grau, blau und graublau, das Haar hell- und
lunkelbraun. Ausserdem ist bei den russischen Lappländern
lie Stirne höher und die Breite des Gesichtes im Vergleiche
            
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