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Ein schönes Stück fand sich hier in einer Grube
liegend, welches uns lehrt, wie die Schalen gefertigt
wurden; ich habe dasselbe an das k. k. Hofmuseum
mit den anderen Gefässtrümmern gesendet,
Es ist eine halbkugelige Lehmmasse, die an ihrer
unteren schmalen Basis flachgedrückt ist; oben sieht
man die Eingriffe zweier ziemlich zarter Hände, wie
die Fingereindrücke zeigen. Es wurde von innen
nach aussen die Thonmasse gedrückt und zugleich
gedreht, wahrscheinlich der innen stehengebliebene
Kern dann entfernt, wenn das Gefäss schon beiläufig
seine Form erhalten hatte.
Wir kommen nun zu einer zweiten Partie dieser
Ansiedlung. Schon vor etwa 5 Jahren hatten die
Arbeiter Skeletgräber und, wie sie sagen, in grosser
Zahl gefunden. Es sollen oft in einer Mulde 5 bis
LO Gerippe gelegen haben; alle in gleicher Lage und
Richtung, alle mit kleinen Gefässchen als Beigaben.
Diese lagen auf der rechten Seite von dem Eingange
der Ziegelei, nahe der alten Dorfanlage. Als wir heuer
dieses Gewerk besuchten, war man vor nicht langer
Zeit wieder auf ähnliche Skelette gestossen, und wir
konnten noch Theile der Schädel zusammenlesen
Bei einem derselben war die ganze rechte Partie von
Kupferoxyd grün gefärbt; es lag ein schmaler, dünner
Halsreif aus Draht unter dem Schädel, von dem
zch noch Fragmente vorfanden.
Wir gruben nun 8 Skelette aus; dieselben lagen
sonderbarerweise sehr seicht, kaum 50 cm unter der
Erde, an der Scheidestelle zwischen Lehm und Humus.
Die Lage der Skelette war von NNW. zu SSO. Alle
lagen auf der rechten Seite, der Kopf gegen SO. Die
Stellung war die der Hocker, die Beine stark an
lie Brust angezogen, die Arme über der Brust gekreuzt
oder unter das Haupt gelegt, also gleichsam
in schlafender Stellung. An Beigaben waren ein
zleines Näpfchen von sehr primitiver Form und von
schlechtem rothbraunen Brande, dann ein gehenkeltes
Schälchen, nicht grösser wie eine zierliche, moderne
Theeschale vorhanden; diese letzteren sind braunschwarz
und haben alle vorne eine kleine Warze.
Die Ränder stehen bei beiden Gefässen ziemlich ab;
ıhre Form ist eine fast zierliche. Diese Töpfchen
stehen in der Regel vor dem Skelete in der Höhe
der Schulter; selten findet sich noch ein ähnliches im
Rücken des Skeletes oder ein kleiner gehenkelter Hafen
von der Form unserer modernen, oder zu dessen Füssen,
Auffällig ist es, dass bei 8 Skeletten an fünfen
der Unterkiefer fehlte; es kann hier kein Verscharren
der Uebersehen möglich sein, da die Mulden von
mir selbst rein ausgehoben wurden. 2 Skelette
zeigten am Kopfe Löcher, die von einem Schlage
nit einem Steinhammer herrühren mussten. Nur ein
5kelet gehörte einem etwa 12—14jährigen Indivi-{uum
an, die anderen solchen in mittleren Jahren,
nes einem sehr alten Manne. Wenn die Knochen auch
ziemlich verwittert sind, so waren die Schädel leidlich
rhalten, so dass ich sie zu bergen und dem k. k. Hofnuseum
zu übergeben noch für werth fand. Ich glaube,
lieses Materiale wird gut zu brauchen sein. Diese
Schädel sind von der Form wie jene von Weikersdorf,
ladersdorf und Hippersdorf. Auffällig ist, dass bei
änigen die Fussknochen abgeplattet sind, bei anderen
nicht,
Die Menschen dürften zwischen 155 und 1:70 m
ıoch gewesen sein; denn es finden sich ziemlich
zrosse Skelette darunter. Die Schädelknochen sind
stark, die Stirne niedrig, die Augenbrauenbogen stark
ntwickelt, das Hinterhaupt oft stark hervortretend.
)as Haupt lag gewöhnlich auf einer kleinen Stein-»latte
oder auf einem ausgeriebenen Mahlstein. Nahe
7e1 den Händen des Skeletes fand sich meist ein
Feuersteinspan.
Ein Grab hatte eine Bedeckung mit sehr dünnen
Sandsteinplatten ; es mussten hier unmittelbar auf
lie Leiche diese Platten gelegt worden sein; denn
uch hier war die Tiefe nicht mehr als 050m. In
änem anderen Grabe lagen 5 Leichen; alle in selber
lüchtung und Lage, alle mit den 2 Gefässen als Beizabe
versehen. Ein anderes Grab war sehr interessant
vegen seiner Aufschlüsse; es enthielt ein Skelet mit
ihnlichen Beigaben wie früher. Man könnte es also
ı1ach allem in die Bronzezeit verweisen, vielleicht
sogar noch in eine frühere Zeit. Als wir die Erde hier
veiter wegräumten, kamen wir auf den Hals eines
ınmittelbar unter dem Skelete liegenden Grabes, das
jefässe der Hallstätter Zeit aufwies, wie wir solche
n Retz fanden. Es zeigt das wieder, wie vorsichtig
man bei Grabungen sein muss.
Ich war sehr erstaunt, als ich die Grabungs-‚esultate
des Herrn Reichsraths- Abgeordneten Dr.
', N. WorLpkıcy aus Mährisch-Kromau sah. Sie sind
n allem und jedem den Urbauer Funden zum Verwechseln
ähnlich; ebenso sind die Skelette, die Töpfe,
a selbst das Hornsteinmateriale ganz ähnlich. Man
zieht aus alledem, dass hier eine gleiche Bevölkerung
nit gleichen Culturbestrebungen und Sitten das Land
'ast bis an die Donau bewohnte.