90
oberen Schichten, nichts mehr von Belang zu finden,
Es dürfte sich vielleicht in dem Terrain der beiden
Nalb noch eine Ansiedlungsstelle finden; die Lage
scheint mir sehr günstig zu sein.
Eine andere, seinerzeit gewiss ausgedehnte Fundstelle
muss auf den jetzt fast aller Vegetation entblössten
Granithügeln oberhalb der Altstadt Retz
ım NO. gewesen sein. Noch heute finden sich unter
dem Gesteine und in den Auswurfhaufen aus den
Weinbergen Trümmer von meist grossen Gefässen,
die aus freier Hand gefertigt sind; sie mögen meist
der Hallstätter Zeit angehören. Für den mit solchen
Funden nicht ganz vertrauten Sammler sei hier die
Bemerkung am Platze, dass an diesen Stellen viele
Trümmer von Gefässen des frühen Mittelalters vorkommen;
diese sind überhaupt im Retzer Bezirke
sehr häufig und haben bei den dortigen Sammlern
schon manchen kleinen Irrthum verschuldet.
Ehe wir die eigentliche grosse Fundstelle bei
Retz genau beschreiben, wollen wir uns den bei Unter-Nalb
gelegenen Tumulus besehen; er liegt nahe dem
unteren Ausflusse des durch das alte Seebecken
fAiessenden Baches, und zwar zur Rechten im WSW.
von dieser Stelle. Derselbe ist keine Aufschüttung
im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern eine Art
Abgrabung wie jener von Gross-Weikersdorf; er
wurde nämlich in eine Erdzunge, die hier weit vorstand,
eingegraben und diese konisch zugearbeitet:
nur die höchste Stelle mag 2:50 m aufgeschüttet
sein. Seine Höhe von der nordwestlichen Grundfläche
dürfte 10—12 m betragen, von der südöstlichen
durchgrabenen Stelle 6—8 m. Eine Eigenthümlichkeit
des Bodens ist es hier, dass das aus sehr stark
zypshaltigem Löss bestehende Terrain des Tumulus
jetzt breite Risse zeigt, die andeuten, dass hier in
nicht allzu langer Zeit wie an den nahen Hängen starke
Erdrutschungen stattfinden werden; wenn diese ein-;reten,
kann es geschehen, dass durch die Natur
dieser Erdbau selbst geschleift wird und die heute
noch stehenden Trümmer ihren Inhalt an Gräbern
uns freiwillig ausliefern.
Wie oben bemerkt, wurde der Tumulus behufs
Auffindung des Grabes in einer Breite von etwa
3m und einer Tiefe von gut 6m ausgegraben; es
scheinen sich aber nur sehr geringe Gefässreste
ergeben zu haben. Ob die etwa wissenschaftlich
gesammelten Resultate der Grabung seinerzeit der
k. k. Central-Commission mitgetheilt wurden, weiss
ich nicht; es wäre dies auch heute noch im Interesse
der Wissenschaft sehr zu wünschen. In den oberen
Yartien des Tumulus, etwa bis in die Tiefe von
2:20 m, und zwar gegen WNW. finden sich Spuren
»nes sehr starken Feuers, das den Boden auf einen
Meter zu einer Art Ziegelmasse umwandelte. An
lieser Stelle, die 2°80 m lang sein mag, finden sich
‚uch granitische Bruchsteine, die aus ziemlicher
Terne hierher gebracht sein mögen, sowie Reste von
tefässen, die wir der nachrömischen Zeit und dem
rühesten Mittelalter zuzählen. Es zeigen sich in der
njegelartigen Masse Abdrücke von Aesten und Reste
ron Stroh. Was diese mächtige Brandstelle uns sagen
3oll, ist schwer zu ermitteln; vielleicht war sie nur
lie Bettung für die Alarmfeuer, noch eher vielleicht
zalt sie dem Sonnenwendfeuer. Ich sah nämlich in
Yberungarn auf den alten Hradeks und Tumuli
zu St. Johannes den Sonnwendtanz und das
Johannisfeuer abhalten; warum soll es hier früher
aicht auch so gewesen sein? Auch an dem ganzen
Tange des Tumulus finden wir jene frühmittelalterichen
Gefässe, deren graphitgemengter Thon viel
Xlimmerblättchen enthält; sie zeigen schon in ihren
denkeln eingeprägte Marken, gerade so wie römische
%efässe, doch nirgends Schriftzeichen, was wohl ein
sehr zu berücksichtigender Umstand ist; vielleicht
wird gerade letzterer uns zu neuen und richtigen
Schlüssen führen. Die Reste gleichen jenen von
Stronegg, Eizersthal etc. Alles ist auf der Scheibe,
loch sehr flüchtig gedreht; nirgends ein Abschliff,
äne Glättung, eine Glasur, Wir finden ähnliches
n der Römerstadt Carnuntum, doch dort schon, was
off bestritten wurde, Gefässe, die glasirt sind, und
zwar grün oder hellgrün.
Ich halte dafür, dass es nicht unmöglich ist,
ıier, sowie im Vanberge und in den Gaisbergen von
Tippersdorf an. den Seiten des Baues eingegrabene
5efässe, d. 1. Gräber zu finden. Für Mineraliensammler
sei hier gesagt, dass die nächsten Lösshänge
eine Menge recht hübscher krystallisirter Gypse
anthalten.
Wir wollen nun nicht weiter nach rechts oder
links ausschreiten, sondern auf unser eigentliches
Ziel zugehen: die Fundstelle aus der Hallstätter
Zeit nahe bei Retz.
Schon vor 7—8 Jahren, so erzählten mir nachräglich
die sehr intelligenten Arbeiter in der Ziegelei
les Herrn Morız ScnHwacH, Realitätenbesitzers in
Retz, wurden an dieser Stelle, vom Bahnhofe Retz
südsüdöstlich 2 km weit entfernt, ansehnliche keranische
Funde gemacht, die Sache jedoch nicht weiter
beobachtet.