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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 9=19.1889

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1

ınd Rangifer tarandus Jard. Eine reichere und viel
wichtigere Ausbeute an Knochenresten machte in
dieser Höhle Herr Joser KokensKyY in Prag, worüber
ar mehrere Berichte veröffentlichte. Derselbe zählt
Reste nachstehender Thiere auf: Mammuth, Nashorn,
Hyäne, Löwe, Bär, Urochs und Rennthier. Vom
menschlichen Skelette: einen Unterkiefer, Fragmente
des Schädels, einzelne Zähne, Wirbel etc., alles im
Tuff breccienartig verbunden. Obwohl die Menschen-Knochen
 mitten zwischen den diluvialen Thierknochen
gefunden wurden und gleich diesen stark an der
Zunge kleben, ist KonzensKy nicht sicher, ob selbe
bestimmt diluvialen Alters sind. Die Zähne des
Unterkiefers sollen sehr stark abgekaut und der
Kiefer selbst sehr dick sein.
Da sich unter den von EsuExnöcH eingesendeten
Knochenresten neben jüngeren Thierknochen auch
3in menschlicher Unterkiefer befand, der nicht
liluvialen Alters ist, kann ich, ohne das Object
KorunsxKy’s zu sehen, nicht behaupten, dass jener in
ainer Breccie eingebackene Unterkiefer wirklich diluvialen
 Alters sei, vermuthe dies aber in Folge des
Fundberichtes KorunsKy’s und weil aus der Beschaffenaeit
 der mir zugekommenen diluvialen Knochenreste
die Existenz des diluvialen Menschen in dieser Höhle
sichergestellt erscheint. Jedenfalls hat der Mensch
dieselbe viel später als der Höhlenbär bewohnt, und
zwar, wie die Anwesenheit des Löwen unter den Resten
vermuthen lässt, zu Anfang der diluvialen Waldzeit.

’) Diluviale Fauna und der diluviale Mensch in den
Prachover Felsen bei Jikin.
Aus fünf kleinen Höhlen, welche sich an dem
Abhange der Prachover Felsen gegen das Dorf Lochov
befinden, sammelte Herr Conservator LuDw. SCHNEIDER
in den letzten Jahren eine Reihe von diluvialen
Xnochen und sandte mir dieselben ein. Ueber das
osteologische Materiale habe ich in einer Sitzung
ler k, k&. geologischen Reichsanstalt berichtet‘). Ich
zsonstatirte hier, der Häufigkeit nach geordnet, die
nachstehende Fauna:
Equus C. f. minor Worpt., Atelodus antiquitatis
Brot,, Equus C. fossilis Rüry,, Ovibus moschatus Lıx.,,
Rangifer tarandus Jard.?, Elephas primigenius Brums,,
Canis oder Vulpes Grary., Vulpes vulgaris fossilis WoLpk.,

1) WorLDdkrohn: Diluviale Funde in den Prahover Felsen
dei Jitin in Böhmen. Jahrb. d. k.k, geol. Reichsanst. 1887.
Bd. 37, 2, Heft mit 1 Tafel. Ferner: „Diluvialni nälezy v
Yrachovskych skaläch a Jitina“, (Berichte der k. böhm. Ges.
il. Wiss, Prag 1887. 28. Oct.).
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XIX. 1889.

Lepus timidus L,, Lepus timidus L.? Da hier ausser
ınzweifelhaften primitiven Knochenwerkzeugen (dar-'nter
 eine dreikantige, gebrauchte Spitze) auch mit
liem Steinmesser bearbeitete Knochen des Pferdes,
‚ine beschnittene Tibia des Rhinoceros
ınd andere bearbeitete oder durch Menschenhand
ırsprünglich zertrümmerte Knochen vorkommen, so
st auch hier die Anwesenheit des diluvialen
Menschen zweifellos sichergestellt, welche gleichalls
 gegen das Ende der diluvialen Weidezeit fälli
ınd viele Analogien mit Zuzlawitz aufweist..

d) Diluviale Fauna und der Mensch in der
St. Ivan-Höhle bei Beraun,
Diese Höhle, welche auf dem Wege von Beraun
zur Burg Karlstein in einer Höhe von 40m über
lem Geleise der böhmischen Westbahn gelegen ist,
1at Herr Ingenieur Jos. Neumann, Stationsvorstand
n Beraun, im verflossenen Sommer :durchforscht und
nir das Knochenmateriale zur Bestimmung zuge-;chickt.
 Ich fand die nachstehende Fauna vertreten:
Jrsus spelaeus Rosuxm., Lupus Suessii WouLDR.,
‚utra vulgaris L., Vulpes vulgaris fossilis WoLn%.,
Mustela (foina) Briss,, Atelodus (Merckii) Bror., Equus
ısinus L., Equus C. fossilis Rürwv., Equus C. fossilis
ninor WoLpk.?, Sus europaeus Pall., Bos primi-‚enius
 Boj., Bos brachyceros fossilis Wonpk., Antilope
upicapra L., Cervus elaphus L., Cervus capreolus L.,
langifer terandus Jard. und Tetrao urogallus L.
Jazu kommt noch die von mir im Jahre 1886 bei
’ürglitz constatirte Steiunbockform.
Abgesehen von den Resten des Atelodus und des
Jrsus, welche aus tieferen Lagen stammen und etwas
ilter zu sein scheinen, liegt hier vor uns eine der
‚einsten typischen diluvialen Waldfaunen. Da
nehrere Knochen, besonders einige von Bos primizenius,
 deutliche Spuren der Bearbeitung
lurch den Menschen an sich tragen, erscheint
uch hier die Anwesenheit des diluvialen Menschen
 zweifellos,
Es mehren sich somit bei eingehenderen Forschungen
 die Stationen des diluvialen Menschen in
3öhmen von Tag zu Tag. Dieselben wären bis jetzt:
Zuzlawitz, Wolin?, Prachover Felsen, Prokopihöhle bei
Jinonic, Türmitz-Aussig, Beraun und Särka bei Prag,

e) Diluviale Funde bei Postelberg und Citolib,
Für das fürstl. Schwarzenberg’sche Museum in
)hrad bei Frauenberg wurden eingesendet und von
niır bestimmt:
            
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