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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 9=19.1889

Beiträge zur Urgeschichte Böhmens,
Von Johann N. Woldrich.,
Vierter Theil.

(Mit 57 Figuren im Text und 2 Tafeln.)

Vorbemerkungen.
Die vorliegende vierte Serie meiner „Beiträge
zur Urgeschichte Böhmens“ !) enthält eine reiche Ausoeute
 an für die Urgeschichtsforschung theilweise
höchst wichtigen Funden, welche sich auf meine in
den Jahren 1887 und 1888 unternommenen diesoezüglichen
 Forschungen und Studien beziehen. Diese
Funde habe ich theilweise selbst gemacht, theilweise
sind dieselben in Folge des grossen Interesses, das
Se. Durchlaucht der jetzt regierende Fürst Anorr
Joser zu SCHWARZENBERG, Sowie Prınz JOHANN ZU
SCHWARZENBERG an den urgeschichtlichen Forschungen
nehmen, durch fürstliche Organe gemacht worden,
Cheilweise wurden mir solche von Privaten und Instituten
 zur Bestimmung und Begutachtung eingesendet;
 andere sind endlich schon in früheren Jahren
zemacht worden, und es gelang mir, ihre Provenienz
sicherzustellen und selbe für die Wissenschaft zu
retten,
Bei dieser Gelegenheit fühle ich mich verpflichtet,
ım Namen der wissenschaftlichen Forschung mein
iefes Bedauern auszudrücken über das im Herbste
arfolgte Ableben Sr. Durchlaucht des Fürsten JOHANN
ADoLF ZU SCHWARZENBERG, Welcher im Jagdschlosse
zu Ohrad bei Frauenberg auch zu einem urgeschichtlichen
 Museum den Grund gelegt und,
obwohl hochbetagt, ein solch lebhaftes Interesse für
unsere Wissenschaft an den Tag gelegt hat, dass
er noch kurz von seinem Tode, während der letzten
Ferien, an der Besprechung über den Fortgang der
Forschungen den regsten Antheil nahm.
Zum Danke bin ich auch verpflichtet dem Director
des rasch aufblühenden städtischen Museums ın
Budweis, Herrn Dr. Fr. Kusıssu, sowie dem Vice-Director
 daselbst, Herrn An. LınDdNEr, welche meine
Studien im genannten Museum in der zuvorkommendsten
 Weise förderten.

1) Die ersten drei Theile siehe: Mitthlg. d. Anthrop.
Gesellsch. Wien 1883, Bd. XIII m. 8 Tafeln; 1884, Bd. XIV
n. 1 Tafel und 22 Textillustr.; 1887, Bd. VI mit 1 Tafel
ınd 43 Tezxtillustr.

I. Paläolithische Zeit.

a) Diluviale Fauna und der diluviale Mensch von
Aussig-Türmitz.

In den Lehmziegeleien der Gegend von Aussig
ınd Türmitz kamen seit längerer Zeit diluviale
{nochen zum Vorschein, Vor drei Jahren sandte
nir Herr Oberlehrer C. Tvcm in Aussig einige Knocheneste
 für meine Sammlung ein. Dieselben stammen
‚us dem, eine Viertelstunde südwestlich von Aussig
1eben der Strasse, die nach Türmitz führt, gelegenen
‚ehm und wurden in einer Tiefe von 9 m gefunden.
Jer Lehm ist daselbst 10 m mächtig und lagert auf
ner 1:5 m mächtigen Sandschichte; darunter folgt
‚etten. Es sind zwei Backenzähne des Rhinoceros
Atelodus Merckii Brot, ?) nebst einigen zertrümmerten
Ixtremitätenknochen, ferner ein Metacarpus und ein
iadius eines mittelgrossen, schweren Pferdes, das
ch als Equus C. fossilis var. germanica Nzur, be
‚eichnen möchte.
In den Ziegeleien der Gegend von Aussig, be-‚onders
 aber der Umgebung von Türmitz, sammelte
'eit mehreren Jahren der sehr eifrige Oberlehrer von
Pürmitz Herr Ferro. Sernars diluviale Knochenreste
ınd sandte mir im verflossenen Sommer drei Kisten
‚ur Bestimmung des Inhaltes ein, von dem ich einen
heil für meine Sammlung angekauft habe. Unter
liesen Knochenresten befinden sich solche, welche
ine deutliche ursprüngliche Bearbeitung durch
len diluvialen Menschen zeigen, darunter be-‚oonders
 Extremitätenknochen des Rhinoceros aus
ler Ziegelei bei Aussig mit schön erhaltenen alten
zeilschlag-Spuren. Da mit den Knochen dieser Gegend
uch Feuersteinspäne gefunden wurden, so ist an
lie Existenz des diluvialen Menschen auch in dieser
Jegend nicht mehr zu zweifeln. Derselbe dürfte hier
während der postglacialen Weidezeit gehaust haben.
Menschenknochen fanden sich unter den Resten nicht
vor. Aus den weit über zweihundert zählenden ganzen
ınd zerschlagenen Knochen bestimmte ich die nachstehenden
 Thierformen:
            
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