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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 9=19.1889

PM

und Styl der Hallstatt-Cultur) gebundene allogene
Alpenbevölkerung — es scheint, dass man dieses
historisch-ethnographische Verhältniss zu wenig im
Auge behält, wenn man einfach eine Fortdauer oder
mit GexnraE ein erhöhtes Wiederaufleben der (zur Zeit
ler grössten etruskischen Machtausbreitung gewiss
bestandenen) Handelsverbindungen Italiens mit den
Alpenvölkern und ihren nördlichen Nachbarn annimmt.
Die nach Osten gerichteten Gallierzüge führten schon
wenige Jahre nach der Einnahme Roms zur Besied-(ung
 der Donauländer durch die Kelten. Noch vor
ler Zeit Philipp’s von Makedonien treten sie in
Pannonien und Illyrien als Eroberer auf, von wo sie
1achweislich drei Einfälle nach dem Süden. unteraahmen.
 !) Ihre ältesten Münzprägungen sind Nachıhmungen
 der Goldstateren Philipp’s von Makedonien.
Warum sollten sie andere Vorbilder und fremden
Besitz anderswoher geholt haben? GuenrtuE (über den
struskischen Tauschhandel nach dem Norden, S. 82 f.)
indet, dass der italische Handel nach den Alpen
und darüber hinaus in der Periode nach den Kelten-Kinfällen
 einen hohen Aufschwung genommen habe,
lenn „es begreift sich leicht, dass in den Gebieten,
wo Keltenstämme sassen, gleicher Geschmack der
Abnehmer hervortrat, wie in der Po-Ebene“, Aber
was führt er dafür als Beispiel an? „So erklärt sich
z. B.“, fährt er fort, „die Menge gerade der mit
barbarisirenden Thier- und Menschenfiguren verzierten,
aber technisch tadellosen Gürtelbleche, welche
N einem Theile des Donaugebietes (Hohenzollern)
and in dem Lande unter der Enns gefunden
sind“, Diese niederösterreichischen Funde aus der La
Töne-Periode sollen wir noch kennen lernen; sie
würden uns sehr interessiren. Sollte er aber die Hallstätter
 Gürtelbleche meinen, so gehören sıe weder
n diesen Zeitraum noch unter diesen Gesichtspunkt.
‚.ndessen scheint es doch, dass dies die Meinung
GenrtnEe’s ist; denn er sagt: „Weitaus der grösste
Theil alles Metallgeräthes, welches in den Alpenändern
 und diesseits derselben zu Tage gefördert
st und auf Grund der augenfälligen Gleichartigkeit
mit Gräberfunden, die im alten Etrurien gemacht
sind, als etruskisch in Anspruch genommen werden
nuss, gehört diesem dritten Zeitraume an,“ Aber
las sind ganz wWwillkürliche Voraussetzungen, bei
lenen wir uns nicht weiter aufhalten wollen.
Die Bronzegefässe, mit welchen das Heiligthum
von Dodona in Nordgriechenland geschmückt war,
2 S. An. Scnmmprt, Abhandl. z. alt. Gesch. ed. Fr. Rüm,
ueipzig 1888, S. 1 ff.

1atten dieselben Formen und Henkelverzierungen
mit Palmetten, Doppelspiralen und Masken), wie die
n keltischen Grabhügeln Deutschlands gefundenen
Ixemplare,- welche man so sorglos als etruskische
\rbeiten bezeichnet. Vgl. Cararanos, Dodone et ses
uines, Taf, 44—48, Sollen diese Dinge auch von
talien importirt sein? Die Decorationsweise, welche
(en Kelten — wir wissen nicht aus welcher Quelle,
ıber sicherlich als ein echter Culturbesitz — eigenhümlich
 war, und wodurch sich die reicher gestalteten
iegenstände ihrer Waffentracht und ihres Schmuckıpparates
 von den fremden (importirten oder erbeueten)
 Objecten deutlich genug unterscheiden, wurzelt
nerseits in der Ornamentik der Hallstatt-Periode,
ındererseits in einem besonderen neuen Style, den
wir allerdings nur an relativ wenigen Fundstücken
studiren können. Neben dem Archaischen, das wir
us tausend Wiederholungen kennen, tritt hier etwas
zanz Anderes, bestimmt Charakterisirtes, das zugleich
nen gewissen Fortschritt bedeutet, hervor. Das
)rnamentsystem der Hallstatt-Periode ist vorwiegend
‚geometrisch“; das der La Töne-Zeit zeigt eine steife
jarbarische Anwendung des stylisirten Pflanzenmotivs,
wie man es in reicher Ausführung z. B. auf den
lngen des bereits citirten Grabfundes von Waldılgesheim,
 sowie auf einigen Schwertscheiden von
Harn (La Töne, KeıLer, Pfahlb.-Ber. VI, Taf. 10 f.)
jeobachten kann. Dieser Vorliebe für eine geschweifte
lankenverzierung, welche eigensinnig zu einem Punkte
ler Ausgangscurve zurückkehrt, ist vielleicht auch
las bekannte, gegen den Bügel zurückgebogene
*ussende der La Töne-Fibel, dieses wichtige Merknal
 einer ganzen Culturperiode, zuzuschreiben. Auch
lie der La Tene-Fibel eigenthümliche Ausbiegung
ler Kopfspirale nach rückwärts und aufwärts, statt
n der Fortsetzung der Bügelcurve nach vor- und
‚bwärts (Bogen-, Kahn-, Certosafibel) wurzelt wahricheinlich
 in dieser Geschmacksrichtung. Das Obect,
 die Fibel, sucht hier gleichsam in der Welleninie
 eine Fortsetzung, wie wir sie so häufig an
len angehängten Schnörkeln des La Töne-Styls
zewahren,
Um diese innere Verwandtschaft der La Töne-)rnamentik
 und der La T&ene-Fibelform durch Bei-;piele
 zu illustriren, gebe ich ein Paar Skizzen der
ırsteren (Fig. 99-—103) aus dem Funde von Waldılgesheim,
 und zwar von der oben erwähnten
‚oldenen Torques, die unserem niederösterreichischen
*unde so nahesteht, sowie von einem geschlossenen
jandförmigen Armring aus Bronze
            
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