An
statirt nämlich im Herbst 1885 in der Komx’schen
Ziegelei am Südostabhange dieses Berges mitten im
ungestörten Löss circa 8 m tief Brandspuren und
Holzkohle nebst fossilen Thierresten und schliesst
daraus auf die Wahrscheinlichkeit der einstigen Anwesenheit
des diluvialen Menschen an diesem Örte.
In Folge weiterer Erkundigungen erfährt er von den
Arbeitern, dass an einem anderen, einige hundert
Schritte entfernten Punkte desselben Ziegelschlages
vor mehreren Monaten bei der Lehmgewinnung ein
menschliches Skelet zum Vorschein gekommen ist,
Dasselbe ist nämlich mit grösseren Lehmpartien von
der Lösswand herabgestürzt, Nähere Daten über die
Lagerung und Tiefe konnten nicht ermittelt werden,
la der Fund vollständig unbeachtet geblieben und
eben erst durch das Nachfragen im Herbste bekannt
geworden war. „Die Tiefe des Skelets dürfte aber
immerhin 2—3 m unter der Oberfläche betragen
haben.“ Der beschädigte Schädel ohne Unterkiefer
and einige Knochen wurden nachträglich zu Stande
gebracht,
Ohne irgend welche Beziehung dieses menschlichen
Skelets zu den früher erwähnten Brandresten
und fossilen Thierknochen nachgewiesen odeı
auch nur angeführt zu haben, schreibt MAxowsry
auch dem ersteren diluviales Alter zu und hält es
für gleichaltrig mit den gefundenen Resten von
Mammuth, Rhinoceros u. s. w. Diese Gleichaltrigkeit
wird zwar. in dem Fundberichte nirgends ausdrücklich
behauptet, ist aber aus der ganzen Darstellung
>rsichtlich. Ausserdem werden schon an einer früheren
Stelle der Abhandlung (5. 216) diese Menschenreste
in Verbindung mit Vertretern der diluvialen Fauna,
Lagen von Holzkohlen und caleinirten Thierknochen
als gleichaltrige Lössfunde von diesem Fundorte angeführt,
und an einer späteren Stelle (S. 240) werden
diese Menschenreste ausdrücklich diluvial genannt.
Daraus und aus den früher bezüglich aller Menschenveste,
die im Löss bei Brünn gefunden wurden, anzeführten
Daten geht unzweifelhaft hervor, dass
Maxowsxgy thatsächlich das zufällig entdeckte menschliche
Skelet vom Rothen Berge dem diluvialen
Menschen zuschreibt.
Dieser Annahme muss ich mit aller Entschiedenheit
entgegentreten, da ich sie für willkürlich und
unerwiesen halte. Weder aus den Lagerungsverhältnissen
noch aus den sonstigen Vorkommnissen in
ler Komn’schen Ziegelei, noch aus der Beschaffenheit
Jieser Menschenreste selbst kann folgerichtig auf die
fossilität derselben geschlossen werden. Zwischen
len menschlichen Knochen einerseits und den Brand-'"esten,
sowie den entschieden diluvialen Thierknochen
ındererseits lässt sich gar kein Zusammenhang nachweisen.
Hier liegen offenbar zwei völlig verschielene
Funde vor, deren Einlagerung im Löss zu ver-‚schiedenen
Zeiten stattfand, und diese Zeiten liegen
liesmal gewiss Jahrtausende auseinander.
Dafür spricht entschieden auch das Aeussere der
Menschenreste, welches wesentlich verschieden ist
ron demjenigen der fossilen Thierknochen von der-‚elben
und von anderen Fundstätten. Ich hatte den
'rwähnten menschlichen Schädel kurz nach der Aufindung
desselben und auch später in der Hand,
‚ermochte aber daran keineswegs etwas Aussergevöhnliches,
und sei es auch nur bezüglich des
Srhaltungszustandes, zu entdecken, was für ein so
ıohes‘ Alter sprechen würde. Dem gegenwärtigen
Zesitzer gegenüber verneinte ich rundweg den allerlings
damals nicht so entschieden behaupteten
liluvialen Ursprung des Gegenstandes. Diesen Standyunkt
vertrat ich bereits im Frühjahre 1886 in
neiner Abhandlung „Der diluviale Mensch in Mähren“,
5. 8, und auch SchaAArFHAUusEn, welchem die sämmtichen
erhaltenen Menschenreste zur Begutachtung
ngesandt wurden, lässt die Frage über die Fossilität
ınd überhaupt das Alter des Fundes in seinem
utachten vollständig unberührt. |
In seinem Vortrage bei der 17. Versammlung der
leutschen anthropologischen Gesellschaft zu Stettin !)
ı1ebt er von dem Brünner Schädel ausdrücklich
ıervor: „Ob sein Inhaber noch das Mammuth ge-‚ehen
hat, kann mit Bestimmtheit weder aus seiner
jildung noch aus der nicht genau bekannten Lageung
im Löss geschlossen werden.“ Ganz bestimmt
7erneint aber SCHAAFFHAUSEN die Fossilität dieser
Aeste in einer brieflichen Mittheilung an mich, indem
> sagt: „Ein quaternäres Alter ist dem Schädel
aıicht zuzuschreiben, wenn er auch Merkmale niederer
Bildung an sich trägt.“
Sollte etwa Marxowsry’s Bemerkung, „dass sich
auf und in der Umgebung des Rothen Berges
zeine Spur von prähistorischen Gräbern vorfindet“,
als Grund für die Fossilität der Menschenknochen
zelten, so erlaube ich mir hinzuzufügen, dass die
oisherige Nichtentdeckung eines prähistorischen Gräjerfeldes
oder einzelner Gräber keineswegs das Vorhandensein
solcher ausschliesst, da bisher in den
höher liegenden Theilen des Abhanges ausserhalb der
1) Correspondenzblatt der deutschen Gesellschaft für Anthropologie
u. s. w. 1886, &. 147