Lössfunde bei Brünn und der diluviale Mensch.
Eine kritische Studie.
Von Karl J. Maska.
Inhalt: Einleitung; S. [46]. — A. Menschliche Skeletreste;
S. [47]. — 1. Das Skelet vom Rothen Berge; S. [47]. —
2. Das Skelet von Hussowitz; S, [49]. — 38. Das Skelet von
Schlapanitz; S. [51]. — 4. Das Ergebnis der Untersuchung
bezüglich der menschlichen Reste; 8. [53].
B. Sonstige Spuren des diluvialen Menschen; 8. [53]. —
1. Maxowsky’s Bericht; S. [53]. — 2. Meine eigenen Untersuchungen;
S, |55]. — 3. Holzkohle und ändere Brand:
spuren; S. [57]. — 4. Künstlich aufgeschlagene Knochen;
5. [59]. — 5. Negative Gründe für die Nichilanwesenheit des
liluvialen Menschen; S. [61]. — 6. Allgemeine Betrachtungen
iber die Spuren des diluvialen Menschen bei Brünn: S. [62].
Schlussergebnisse; S. [64].
Einleitung.
Der letzterschienene Band der Verhandlungen des
naturforschenden Vereines in Brünn enthält auch eine
grössere Abhandlung paläontologisch-anthropologischen
Inhaltes von Prof, ArmxanDer MaKowsKkY 3),
welche Arbeit in Fachkreisen mit Freude begrüsst
wurde und jedenfalls als wichtiger Beitrag zur Kenntnis
der diluvialen Funde in Mähren betrachtet werden
muss. Der Verfasser macht uns mit einer ganzen
Reihe bisher unbekannter oder wenigstens nicht
hinreichend gewürdigter Fundstätten von diluvialen
Thierresten in der unmittelbaren Umgebung - von
Brünn bekannt und versucht auch die Anwesenheit
les quaternären Menschen in diesem Gebiete als
vollständig erwiesen hinzustellen, indem er drei dem
Löss entstammende menschliche Skelette als fossil
bezeichnet und auch weitere unzweifelhafte Spuren
les diluvialen Menschen an mehreren Punkten im
Löss bei Brünn entdeckt zu haben glaubt,
Ich muss gestehen, dass mich der Inhalt dieser
Abhandlung in mehr als einer Hinsicht nicht nur
iberraschte, sondern auch stutzig machte. Kannte
ich doch manche der darin besprochenen Fundobjecte
und Fundplätze von meinem zeitweiligen Aufenthalte
') Der Löss von Brünn und seine Einschlüsse an
liluvialen Thieren und Menschen. Von ALEXANDER MAKowskKy.
Mit 7 Tafeln, Verhandlungen des naturforschenden Vereines
in Brünn, XXVI, Band. 1887. S. 207—2438, Auch als Sonderäbdruck
erschienen.
‘n Brünn, ohne jedoch zu wissen, dass Prof. MAkowsryr
liesen allerdings sehr interessanten Funden eine so
weittragende Bedeutung beilegt. Sind denn die
Äenschenreste seither anders geworden, oder haben
ielleicht Fachautoritäten an ihnen neue Merkmale
'ntdeckt, dass der Verfasser die Fossilität dieser Reste
ıls unumstössliche Thatsache hinstellt? Sind vieleicht
gar neue ausschlaggebende Beweggründe aufgeaucht,
welche das quaternäre Alter dieser Objecte
ausser Zweifel stellen? Hat denn bei Brünn der
liluviale Mensch unter anderen, so grundverschiedenen
Verhältnissen gelebt, als in den übrigen bisher bekannten
Stationen?
Diese und ähnliche Fragen schwirrten mir durch
len Kopf, als ich das Buch zur Hand nahm und die
\bschnitte über die Auffindung dreier vollständiger
Skelette des diluvialen. Menschen und zahlreicher
ınderer Spuren durchblätterte. Auf die erste Begei-;terung
folgte Enttäuschung, und schwere Zweifel
‚auchten in mir auf. Ich las zwar viel vom diluvialen
Menschen und seinen Resten, umsonst jedoch fahndete
ch nach den Beweisen des diluvialen Alters dieser
"unde. Aber auch der sonstige Inhalt bezüglich anderer
zleichfalls als unzweifelhaft bezeichneter Belege der
\nwesenheit des diluvialen Menschen zur Zeit der
‚össbildung bei Brünn vermochte mir keineswegs die
Jeberzeugung von der Richtigkeit der Folgerungen
eizubringen. Waren mir doch auch in dieser Richung
manche Funde und Verhältnisse aus der Umgebung
‚on Brünn und von anderen Theilen des Landes
)ekannt, ohne dass ich es gewagt hätte, schon auf
ärund des Vorkommens von Holzkohlenstückchen
ınd aschenumhüllten Thierknochen die Anwesenheit
les quaternären Menschen an den betreffenden Fundstätten
als vollkommen verbürgt anzusehen.
Da blieb nichts Anderes übrig, als mit eigenen
Augen nochmals zu schauen, zu untersuchen und
5bjectiv zu prüfen. Der günstige Zeitpunkt des
Erscheinens dieser Abhandlung kurz vor den Hauptferien
machte es mir möglich, im Laufe derselben die
Angaben des Verfassers an Ort.und Stelle zu prüfen
und mich in jeder Richtung zu orientiren.