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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 9=19.1889

It

Ausschuss-Sitzung am 10. December 1889.
Vorsitzender: FERDINAND FREIHERR VON ÄNDRIAN:
NERBURG.
1. Als neue Mitglieder erscheinen angemeldet:
KaAspAr Rırrer von ZumBuscH, Professor an der
x. k. Akademie der bildenden Künste in Wien.
RICHARD DOEHNER, AÄttach6@ bei der deutschen ostafrikanischen
 Gesellschaft,
Dieselben werden als wirkliche Mitglieder der Anthropologischen
 Gesellschaft aufgenommen.
2, Der Ausschuss beschliesst, die durch Herrn
k, und k. Major HımmerL zusammengebrachte ethnographische
 Materialiensammlung über die Rumänen der
Bukowina an Herrn Drowys OLINSKI-OLINESCUL in Czernowitz
 unter bestimmten Bedingungen zur Bearbeitung
zu übergeben,
3. Der Magistrat von Wien zeigt in einer Zuschrift
an, dass die Exhumirung der Ueberreste des grossen
Tondichters CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK und die Uebertragung
 derselben in ein Ehrengrab am Centralfriedhofe
 beschlossen wurde. Derselbe ladet die Anthropologische
 Gesellschaft zur Vornahme von anthropolozischen
 Messungen an den Resten ein.

Monats-Versammlung am 10. December 1889.
Vorsitzender: FERDINAND FREIHERR VON ÄNDRIAN-WERBURG.

i. Secretär HEGER legt die Einladung der kaiserlichen
 Archäologischen Gesellschaft in Moskau zur Betheiligung
 an dem vom 8./20. Januar bis 24. Januar
‘4. Februar) 1890 in Moskau stattfindenden VIII Archäologischen
 Congress vor. Derselbe findet zur Erinnerung
an die vor 25 Jahren erfolgte Gründung der erwähnten
Gesellschaft unter dem Präsidium der Gräfin UWAROFF
statt und wird mit einer grossen archäologischen Ausstellung
 verbunden sein, welche in den Räumen des
historischen Museums stattfindet. Ehrenpräsident des
Jongresses ist Se, kaiserliche Hoheit Grossfürst SErozl
AÄLEXANDROWITSCH, Secretär Herr WLADIMIR TROUTOWSKY.

2. Herr k. u. k. Oberstabsarzt Dr. A. Weisbach
hält einen Vortrag über
Länge und Breite des Kopfes und Schädels.
Die Messungen der Länge und Breite an dem mit
Weichtheilen bekleideten Schädel, dem Kopfe, müssen,
entsprechend der Dicke der Weichtheile andere Zahlen
argeben, als jene, welche an dem von Weichtheilen entblössten
 Kopfe, dem Schädel, vorgenommen werden.
Da der Anthropologie keineswegs immer ein genügendes
 Material zu Messungen an Schädeln zu Gebote
 steht und man sich häufig auf die Messungen an
Lebenden beschränken muss, so leuchtet ein, dass es
von hohem Interesse ist, zu wissen, inwieweit diese
9eiden Maasse und damit auch der Breitenindex des
Xopfes von jenen des Schädels verschieden sind.

P. Broca war der Erste, welcher schon im Jahre
‚868 (Comparaison des indices cephaliques sur le
‘ivant etc. Bull. de la Soc. d’Anthrop. de Paris 1868),
zestützt auf eigene Messungen an 19 Baskenleichen sich
lahin aussprach, dass der Kopfindex um 16 grösser
als der Schädelindex ist und man im Allgemeinen, um
len letztern zu erhalten, vom Kopfindex 20 abziehen
Muss.
Zu ganz gleichem Ergebnisse gelangte L. STIEDA
Ueber Berechnung des Schädelindex aus Messungen an
ebenden Menschen. Archiv f. Anthropol. XII. 1880.
». 421 ff.) nach Messungen an 20 Leichen (17 & und
3 @ verschiedener russischer Völker), indem er zwischen
Xopf- und Schädelindex einen Unterschied von 20 zu
5unsten des ersteren fand,
Beide Forscher stimmen auch darin überein, dass
die Breite des Kopfes durch die Weichtheile mehr als
lessen Länge beeinflusst, d. h. vergrössert wird.
Zur Untersuchung dieser Frage müssen, nach meiner
irfahrung, solche Leichen ausgewählt werden, welche
sich in ihrer Ernährung vom normalen Zustande am
wenigsten entfernen, also Leichen von Individuen, die
nach kurzer Krankheitsdauer oder plötzlich gestorben,
laher gut genährt sind, umsomehr, als wir sehen
werden, dass an abgezehrten Leichen die genannten
Xopfmaasse geringer ausfallen, als an gutgenährten,
Vielleicht ist selbst noch an gutgenährten Leichen
ler Mangel des Turgors der Gewebe, wie er im Leben
besteht, die Ursache einer, wenn auch blos geringen
Terminderung der Grösse dieser beiden Maasse.
Die Länge nahm ich, um eine beträchtliche, schon
Früher gemessene Anzahl von Individuen nicht aus-'chliessen
 zu müssen, von der Glabella (oberhalb der
Arcus superciliares) zum vorragendsten Theile der
Iinterhauptschuppe, also nicht nach der Frankfurter
Terständigung — die Breite als grösste Breite, wo
mmer sie sich vorfand; die Schädelmaasse wurden am
‚rischen Schädel nach Ablösung der Weichtheile genommen.

Weitere Untersuchungen mögen später darthun, ob
lie Maasse am frischen und am macerirten, getrockneten
Schädel mit einander übereinstimmen oder nicht,
Die 503 zu meinen Messungen verwendeten Leichen
— sämmtlich von Männern im Alter von 20—80 Jahren,
in der grossen Mehrzahl von 20—25 Jahren — wurden
— siehe die Tabelle — in die 2 grossen Abtheilungen
ler gut- und schlechtgenährten geschieden, unter welch
atzteren meistens sehr abgezehrte Individuen vorkamen,
leren Körpergewicht nicht selten bis auf 38 Kilogramm
rzesunken war.
1. Betrachten wir vorerst alle Gutgenährten
m Allgemeinen (202 &), so finden wir die Länge des
Copfes mit 184 mm, seine Breite mit 156 mm,
ıemnach einen Index von 847; — die Länge des
Schädels dagegen mit 179 mm, die Breite mit 149 mm
Index 832).
Sonach kommen bei der Länge 5 mm, bei der Breite
ıber 7 mm auf Rechnung der Weichtheile und muss
man, um den Schädelindex zu erhalten, vom Kopfindex
15 abziehen. Diese Indexdifferenz stimmt mit Broca
            
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