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Unsere Fibeln erscheinen besonders interessant,
ja sie uns mehrfache in Folge der Zeiten erfahrene
Veränderungen und Umgestaltungen zeigen,
So finden wir unter den einzelnen Typen zahlceiche
Uebergangsformen, bei welchen man im
Zweifel bleibt, in welche Gruppe man sie einzuceihen
hat.
Die gewöhnlichsten Fibeln in S. Lucia sind die
zinfachen Bogenfibeln, von welchen ich 260 Exemplare
sammelte, d. h. 25,66 %/g aller Fibeln,
darnach kommen die Schlangen- (163 oder 16 °/o)
and die Certosa Fibeln (141 oder 13.91 %/).
Die einfachen Bogenfibeln besitzen die Spirale
antweder nur auf einer Seite oder auf beiden.
Die ersteren sind sehr häufig mit Anhängseln in
Form von Ringen, 2 oder 3 Kugeln oder kleinen
Kimern, nebst einer Pinzette, seltener mit Radornamenten,
dreieckigen Bullen oder anderen Nippsachen
geschmückt. Diese Fibeln scheinen für
S, Lucia und Karfreit charakteristisch zu sein,
denn sie fehlen sowohl der italischen Halbinsel
als auch den nördlich gelegenen Gegenden, während
man in den vorerwähnten zwei Nekropolen
bereits über hundert Exemplare davon sammelte 1).
Dessgleichen sind sie aus Istrien, wo überhaupt
keine einfachen Bogenfibeln bisher gefunden wurlen,
unbekannt.
Von diesem Fibeltypus kann man naturgemäss
lie sichelförmigen ableiten. Unter diesen habe ich
3ın wirklich kolossales Exemplar mit zahlreichen
Ketten und spiralförmigen Anhängseln gefunden,
Die Schlangenfibeln sind meistens mit zierlichen
Rosetten oder hornartigen Fortsätzen und
Knöpfen geschmückt. Die Krümmung des Bogens
beschreibt in einigen Fällen eine doppelte Windung.
Am Nadelansatze fehlt aber immer die Spirale,
lie durch ein schmales Scheibchen ersetzt ist.
Bemerkenswerth sind zwei mit prächtig rothem
Zernstein überzogene Schlangenfibeln.
Unter den Certosafibeln begegnen wir den
Volossen‘ und den Pigmeen ihrer Art (3—18 cm.)
[nteressant scheinen mir besonders die Uebergangsformen
zwischen diesen und den Armbrustfibeln.
Sie sind eigentlich nur Certosafibeln, bei denen
die Spirale nach Art dieser letzteren verlängert
wurde, und unterscheiden sich wesentlich von den
wahren Armbrustfibeln, da bei ihnen Spirale und
Nadel noch immer eine Fortsetzung des Bogens
sind, und nicht zwei getrennte Stücke bilden.
Auch der am Bügel angesetzte Knopf hat einen viel
kürzeren Hals, als bei den ächten Armbrustfibeln.
1) Ich kenne nur ein einziges Exemplar einer ähnlichen
Fibel aus Lepence in der nahen Wochein aus
der Sammlung des Fürsten Windischgrätz.
Die Armbrustfibeln boten den Künstlern der
lamaligen Zeit ein weiteres Feld als die anderen
Tormen, ihre Meisterschaft in der Bearbeitung der
Bronze zu zeigen. Ist doch diese Form, die das
‚ogenannte prähistorische Alter überlebte und nach
nehreren Zwischenformen sich zuletzt in die rönische
Charnierfibel verwandelte.
Die Spirale ist hier länger oder kürzer, verloppelt
sich bisweilen, wodurch die so seltenen
Zweirollenfibeln entstehen. In anderen Fällen beschreibt
der Bronzefaden oberhalb der Spirale noch
ne Reihe offener Windungen. Der Bogen ist
nit Einkerbungen, mit Erhabenheiten, mit kleinen
scheiben geschmückt, oder er nimmt die Form
»ines Thieres, wie des Pferdes, des Hundes oder
{er Katze an. Hieher gehört ein wunderschönes
Jreigespann, das in den ersten Grabungen zum
/orscheine kam, ein würdiges Gegenstück zu dem
'n der Villa Benvenuti in Este gefundenen. Einzig
n ihrer Art dürfte eine andere Fibel sein, die uns
une geflügelte Sphynx mit sehr schönem Menschenzesichte
darstellt. Auch der Bügel ist nicht selten
nit Thierfiguren, meistens mit kleinen Vögeln
verziert, oder verlängert sich in Form eines Pferdeıder
Drachenkopfes,
Ich kann mich hier natürlich nicht länger aus->reiten
und die anderen Fibelformen besprechen,
sowie Vergleiche mit jenen von anderen Nekrojolen
anstellen. Ich werde nur kurz bemerken,
lass als Gegensatz zum Reichthume an Fibeln in
53. Lucia und Karfreit, die istrischen Nekropolen
äune grosse Armuth dieses Ornamentes zeigen, inlem
mehrere der gemeineren Typen entweder ganz
ehlen oder nur sehr spärlich vertreten sind. Zurleich
möchte ich noch die Thatsache erwähnen,
lass die sogenannten Brillen- oder Hallstätterfibeln,
lie bei uns ziemlich gut vertreten sind, in den
jrabfeldern Mittelitaliens gänzlich fehlen oder nur
zanz ausnahmsweise sich finden, während sie im
:üdlichen Theile der Halbinsel wieder häufiger
xerden.
Ebenfalls in ansehnlicher Zahl kommen bei uns
lie Haarnadeln vor, von welchen mir S. Lucia 322
‚um grössten Theil aus Bronze lieferte. Sie sind
ıntweder mit Knojen versehen oder endigen mit
ainem eingerollten Kopfe. In der Länge variren
je zwischen 6 und 38 cm. Bei einigen steckt
lie Spitze in einem Vorsteckstück aus Bronze oder
ıus Knochen.
Die Knotennadeln finden sich in allen unseren
alpinen und subalpinen Nekropolen, fehlen aber in
lenen Mittel- und Süditaliens, wo Nadeln mit
änem sphärischen oft mit Email geschmückten
Kopftheile vorherrschen. Von allen anderen unterscheidet
sich eine Nadel, da sie statt einer zwei