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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 9=19.1889

— [151] —

lie in mannigfachen geometrischen sowohl eingejrückten
 als erhabenen oder gemalten Zeichnungen
yestehen. Besonders hervorzuheben ist die Ver-‚ierung
 mittelst bronzener Nieten oder kleiner
3childchen, die auf einer Reihe Mittelstationen, wie
Karfreit und S. Pietro al Natisone, bis nach Este sich
erstreckt, wo sie ihren Glanzpunkt in der zweiten
ınd dritten Periode erreicht, um nur sporadisch
n anderen Grabfeldern der Villanova-Epoche, wie
Jorneto-Tarquinia, S. Rocco di Palestrina, Bon-"eraro
 bei Verona, sowie in den krainischen und
n Maria Rast aufzutreten. In Istrien dagegen
’ehlen sie gänzlich.
Sehr zierlich ist die Dekoration mit Bleilamellen,
 die durch eine Reihe in den noch weichen
Thon gemachten Eindrücken oder mittelst Harz
äxirt wurden. Die Bleiverzierung findet ihr Cenrum
 in Kärnthen und kommt vereinzelt auch in
_strien vor.
Bevor ich die Thongefässe verlasse, sei mir
1och gestattet, ein paar Worte über die Methode,
wie die alten S. Lucianer ihre Töpfe flickten, zu
sagen. Sie brauchten dazu ausschliesslich Blei,
zei es, dass sie dasselbe in Fadenform durch zwei
antgegengesetzte am Topfe angebrachte Löcher
‚ogen, oder dass sie es hineingossen und die Enden
aneinander befestigten, oder einfach den Zzer-‚prungenen
 Topf mit Harz bestrichen und eine
Bleilamelle darauf anbrachten.
Unter dieser grossen Menge Töpfe, die als
Lokalprodukte anzusehen sind, fand sich nur ein
Jefäss, das wegen der Form und des feineren
Thones sogleich als ein importirtes zu erkennen
st. Es ist eine blassgelbe mit braunrothen Linien
vemalte Oinochoe aus Apulien, identisch mit jenen,
lie man in den archaischen Gräbern von Rudiae
ınd Gnathia häufig findet. Vielleicht kann man
such als fremdländisches Produkt eine schwarze
mit der Svastica gezierte, etwas gerippte Schale
ınsehen, die von den landläufigen sehr verschieden
st und an die schwarzen Gefässe (buccheri) von
Yhiusi lebhaft erinnert, obwohl ich ähnlichen Ge-‘%ssen
 auch in nordischen Museen, z. B. in Berlin,
nehrfach begegnete.
Die Nekropole von S. Lucia gab uns auch
aäine ansehnliche Zahl Bronzegefässe, von denen
ich unter ganzen und defekten 36 konischen oder
Situlen und 4 cylindrischen oder Cisten sammelte.
Die ersten sind entweder glatt oder mit
Punkten, Linien, Kreisen oder Vögelchen in ge-:riebener
 Arbeit geziert und besitzen immer einen
jeweglichen Henkel. Die Cisten haben zwei Henkel
ınd sind wie die vorigen verziert, oder mit einer
Zeihe von erhabenen Reifen versehen, wodurch
lie sogenannten Reifenurnen oder Ciste a cordonı

‚ntstehen. Sowohl die Situlen als die Cisten
ıaben einen eingebogenen mit Blei ausgefüllten
and. Sie waren manchmal mit einem feineren
der gröberen Gewebe umgeben. Kine davon war
iberdies mit einem Geflechte aus Weidenholz beleckt.

Die merkwürdigsten Objekte, die uns S. Lucia
»isher geliefert hat, dürften jedoch zwei zierliche
‚us mehrfarbiger Glaspaste bestehende unversehrte
r‚emuschelte Schalen mit hohem Henkel sein, denn
jlasgefässe gehören bekanntlich zu den grössten
Jeltenheiten in der Hallstätter Periode. *)
Unter den Schmucksachen sind die Fibeln am
ıäufigsten vertreten: ich sammelte davon 1018
3tücke. Wenige Nekropolen können in dieser Hinjcht
 mit unserer wetteifern, denn man findet in
3. Lucia alle Typen in einer grossen Menge von
Tarietäten vertreten. Von den einfachen Bogenibeln
 können wir alle möglichen Modifikationen
u den sichelförmigen-, Laminar-, Nachen-, Knopf-,
3lutegel-, Schlangen-, Certosa-, Armbrust-, Thier-,
3rillen- und Discus-Fibeln verfolgen.
Für diejenigen, welche gewohnt sind, auf eine
treng chronologische Reihenfolge dieser verschieienen
 Typen zu halten, wird gewiss dieses bunte
?ormengemisch etwas sonderbar erscheinen, und sie
verden geneigt sein, unser Grabfeld zeitlich in
‚erschiedenen Gruppen einzutheilen. Dies ist jeloch
 nicht möglich, denn wie auch in den krainschen
 Nekropolen, findet man oft die verschie-‚ensten
 Typen in einem und demselben Grabe
rereinigt. Aus dem Vorherrschen einer oder der
ınderen Form in den einzelnen Theilen des aus-‚edehnten
 Grabfeldes wird man dennoch einige
>erioden unterscheiden können, was noch klarer
ırscheinen wird, wenn das ganze Feld durchforscht
ein wird.
Die Fibeln sind zum grössten Theile aus Bronze
and nur unter den halbkreisförmigen findet man
welche aus Eisen (7,2 °%/o). Manchmal ist jedoch
3ronze und KEisen vereinigt, so dass die Nadel
\der der Bügel aus dem letzteren Metalle bestehen.

1) Eine dritte ähnliche Schale kam -bei den Aus-‚rabungen
 des Herrn Szombathy zum Vorschein und
vird im Hofmuseum aufbewahrt. Ein Scherben eines
jerten Glasgefüsses wurde auch bei den ersten Granungen
 des Dr. Bizzarro gesammelt (Much, 1. c.
», CXLVID. Unsere Schalen stimmen in der Form so
jemlich (mit Ausnahme des Henkels) mit den drei in
Jallstatt gefundenen überein (Sacken, T, XXVI f. g),
zelche aber aus bouteillengrünem, durchsichtigen
‘lase bestehen. Unsere sind hingegen aus einer dunkellauen
 oder lauchgrünen, undurchsichtigen Masse mit
ingelegten gelben oder hellgrünen und weissen Zigzagändern
 verfertigt und erinnern demnach mehr an die
‚zyptischen oder ecyprischen Glasgefässe.
            
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