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30 vereinzelten Befunden (Beigaben), wie es die
vorliegenden sind, mit Sicherheit auf ein bestimmtes
Volk zu schliessen, erscheint allerdings
als sehr gewagt; wenn ich nichtsdestoweniger
geneigt bin, die Branovitzer Form eher für die
‚ypisch slavische zu halten als die Thunauer, SO
veranlasst mich hiezu vorwiegend die Thatsache,
Jass die erstere unter den Slovenen häufiger
7orkommt als die letztere.
Die Gruppirung der deutschen und slavischen
Schädel nach den Indices gestaltet sich in nachstehender
Weise:
dolicho- meso- brachy- hyperbrachycephal
cephal cephal cephal
Deutsche aus
Steiermark 4,2 19,2 53,4 23,0 °/0
1400 Schädel)
Deutsche aus
Kärnten 5,7 7“
1546 Schädel)
Slovenen aus
Krain 0,8 19,5 37,2 42,5 9%
200 Schädel)
Wir ersehen aus diesen Zahlen, dass die langxöpfige
Form in Kärnten um 10° häufiger aufritt
als in Steiermark, eine Erscheinung, die auf
ine dichtere Vertretung des langköpfigen Elementes
unter den germanischen KEinwanderern
Kärntens schliessen lässt; ferner dass die hyperorachycephalen
unter den Slovenen vorwiegen.
in dieser Beziehung werden die Slovenen, wie
beigefügte Zahlenreihen lehren, selbst von der Bezölkerung
Salzburgs, Tirols und Altbayerns nicht
erreicht:
Pirol 1,8 14,9 49,6 33,6
Alt-Bayern 1,0 16,0 83% (31%)
Salzburg 0,8 18,4 48,0 32,8
and nur von den Friaulern übertroffen , unter
welchen neben
7,0%0 und 20,0 °% 73,0 9/0
Dolichocephalen Mesocephalen Brachycephale
vorkommen.
Allerdings sind die Zahlen der letzten Reihe
wegen der geringen Anzahl der zu Gebote ste-„enden
Schädel nicht genug verlässlich.
Auffallend ist das Zurücktreten der Langköpfigkeit
unter den Deutschen. Allerdings gestalten
sich die Verhältnisse für die Deutschen der Jetztzeit
gegenüber der allgemein angenommenen These,
lass die einstigen Germanen ein dolichocephales
Volk repräsentirten günstiger, wenn man von den
ın der Gruppe der Brachycephalen befindlichen
Mischformen diejenigen 15—20°/9g, bei welchen
jer langköpfige Typus noch durchschlägt, zu den
Dolichocephalen zählt?)
Es wird nun interessiren, zu erfahren, ob die
"Untersuchung der aus alten Grabstätten stammen-Jen
Schädel ähnliche statistische Ergebnisse liefert
»der nicht. Leider kann ich mich hiebei nicht
zuf Material aus Steiermark und Kärnten berufen;
jenn ich kenne aus Steiermark und Kärnten
oloss 5 prähistorische Schädelfragmente, die nebenbei
bemerkt dolichocephale Formen zeigen.
Ich bin aus diesem Grunde genöthigt, mich
an Grabstättenbefunde aus anderen Provinzen
Jesterreichs, (Nieder-Oesterreich, Ober-Oesterreich,
Mähren, Böhmen, Galizien) zu halten. Die Zahl
dieser Schädel beläuft sich auf 184; ihre Gruppirung
zeigt die Tabelle auf S. 129.
Das Resum& ergibt:
a) Dass sowohl die deutschen als auch die
ılavischen Provinzen Oesterreichs anfänglich vorwiegend
eine dolichocephale Bevölkerung (in zwei
Formen) besassen, neben der auch eine brachy-;ephale
Form vorkam. Von den Dolichocephalen
st die eine durch Reihengräbertypus ausge-‚eichnet.
Es sind dieselben Formen, wie sie
‚uch heute noch auftreten, so dass zum mindesten
ron der palaeolithischen Periode an bis heute in
Zezug auf die Formen eine Kontinuität vorhanlen
ist. Die Form der palaeolithischen Periode
zehrt in der Bronzezeit wieder und fehlt auch
nnerhalb der modernen Bevölkerung Oesterreichs
nicht. Allerdings haben sich die Verhältnisse
wesentlich geändert; denn es überwiegen nicht,
wie jetzt, die Brachycephalen, sondern es sind,
vie nachstehende Zahlen lehren, die Dolıchosephalen
mit 87°%/g (Dolichocephale und Meso-‚ephale)
gegen 13%, Brachycephalen in der entıchiedenen
Majorität. Es erinnert diese Gruppirung
An Verhältnisse, wie sie heute nur für den Norden
Kuropas Geltung haben.
Eklatant springen die Unterschiede zwischen
xnst und jetzt hervor, wenn wir, so prekär jeder
Vergleich bei dem geringen Materiale auch ist,
Ur die einzelnen Provinzen die Reihen der alten
Periode mit den modernen Reihen vergleichen,
Hiemit wird wohl zur Genüge der Beweis erbracht,
dass sich im Laufe der Zeit die Verhältnisse
sowohl in slavischen wie in deutschen Gauen
wesentlich geändert haben.
1) Bei der Besprechung der Mischformen möchte
ch die Frage aufwerfen, ob jene Formen, wo bei be-‚rächtlicher
Breite des Mittelhauptes das Stirnbein
vuffallend schmal ist, (partielle Dolichocephalie) auf
;heilweiser Vererbung beruhten; desgleichen jene Fälle,
vo (ohne Stirnnaht) das (regentheilige beobachtet wird,
partielle Brachycephalie)