Die Bronzemesser zeichnen sich durchweg
jurch gefällige Form und vortreffliche Arbeit aus.
Der stark gekrümmte Rücken ist an der Spitze
stwas nach aussen gebogen; die Schneide mehr
der weniger gerad. Der Rücken stark gegossen.
Alle diese Bronzemesser haben gerade Griffzungen
nit 1—2 Löchern und unterscheiden sich schon
Jadurch von jenen längeren und stärker nach vorn
zeschweiften der Pfahlbauten, die mit sehr wenig
Ausnahmen Griffdorne oder vollgegossene Griffe
1aben.
Als Hals- und Brustschmuck werden auch jetzt
joch jene spiralartig aufgewundenen Bronzezetten
gebraucht, jedoch macht sich hier in Be-;ref
des verwendeten Bronzedrahtes ein Unterschied
bemerkbar: der Durchschnitt desselben ist
nämlich nicht mehr quadratisch wie früher, son-Jern
dreieckig. An diese Halsketten werden nun
nehrere kleinere Brillenspiralen angehängt,
Jieselben aber auch zu zwei, drei und vier in
zrösseren Exemplaren als Brustschmuck getragen.
Ebenfalls als Brustschmuck werden grössere und
zleinere Aa jour gegossene runde Bronzezierscheiben
mit Sonnenrad und Kreuz im Innern
verwendet.
Unter den Nadeln beginnt jetzt eine grössere
Mannichfaltigkeit als früher zu herrschen, auch
werden oft mehr als zwei getragen. In der ersten
Zeit treten noch Nadeln mit rundem und oben
Aachem Kopf und langem geschwollenen, aber
ausserordentlich stark gereifelten Halse auf, aber
jald variirt man den Kopf, indem man ihn entweder
sanft kegelförmig aufsteigen lässt, oder eine
kegelförmige Spitze hinzufügt, die sich, wie in
Niederbayern, zu einer recht anständigen Höhe
arhebt. Diese Spitze ist dann durch schraubenartige
Reifelungen verziert. An die Stelle des
ıcheibenartigen Kopfes tritt bald ein kleiner fast
iförmiger; der Hals ist noch geschwollen und
sehr energisch gereifelt, auch die einzelnen Reifelungen
mit kurzen vertieften Senkrechten verziert.
Bald werden die Köpfe noch grösser und runder,
Jie Nadel wird länger und die Reifelung noch
anergischer, auch organisch gegliederter als vorher.
Dieser Nadeltypus ist für Oberbayern ganz
gesonders charakteristisch, indess in Niederbayern,
der Oberpfalz und Schwaben etc. derartige Nadeln
nur ganz vereinzelt vorkommen, dagegen andere
Formen z. B. mit einer Anzahl übereinander ge--eihter
runder Scheiben und ähnlichen Köpfen für
Niederbayern und einen Theil der Oberpfalz bezeichnend
sind. (Im übrigen Süddeutschland, als
n Württemberg und Baden fehlen unsere grossand
rundköpfigen Nadeln mit den starken Reife-‚ungen
gänzlich.)
Am Ende dieser ersten Periode erscheinen dann
Vadeln mit runden gerippten Köpfen, bei denen
{ie Reifelung dicht unter dem Kopfe beginnt und
lie Anschwellung am Halse verschwindet, bis endich
die Halsreifelung auf ein Minimum zusammenchrumpft.
Hand in Hand damit geht eine Um-‚estaltung
des Kopfes, der in seiner Form einen
Jebergang zu den Vasenkopfnadeln der II. Periode
ier jüngeren Bronzezeit bildet.
Die die frühere Form bewahrenden Armjänder
werden jetzt stärker gegossen, auch die
)rnamente vertiefter eingeschlagen. Bald genügt
edoch das Einschlagen der Ornamente: nicht mehr,
nan geht weiter und stellt stark profilirte Arm-‚ändermodelle
aus Wachs oder Thon her, die dar-‚ach
in vortrefflicher Weise in Bronze:!gegossen
verden. Ist auch die Ausführung der stark verjeften
Ornamente im Anfange noch einfach und
ınbeholfen, so gelangt man jedoch sehr bald zur
Zeherrschung des Materials und scheut vor keiner
„och so schweren Aufgabe zurück, wie dies einige
Drachtexemplare von Armbändern beweisen,
Armbänder und Nadeln dieser Periode zeigen
xine so grosse Uebereinstimmung in der Ornamenirung,
dass wir nicht umhin können, beide
Schmuckstücke als aus einem Geiste entsprungen
‚u betrachten. Für Oberbayern sind dieselben
zanz besonders bezeichnend; einige unserer Armjandformen
können wir noch bis Niederbayern
verfolgen, finden sich aber im übrigen Bayern fast
xicht mehr. Auch in Württemberg und Baden
tommen sie nur ganz vereinzelt vor.
Wie schon erwähnt, wurden von diesen Arm-‚ändern
oft mehr als zwei getragen.
Die convex-concaven Gürtelscheiben der älteren
3ronzezeit werden jetzt durch stark gegossene,
anen flache und aussen sanft gewölbte und mit
Mittelknopf versehene ersetzt, an denen zudem
‚och ein verhältnissmässig langer Haken organisch
‚ngefügt ist, wesshalb wir sie als Gürtelhaken
jezeichnen müssen.
Auch der frühere Leder- oder Zeuggürtel wird
lurch einen ziemlich breiten, an beiden Enden sich
rerjüngenden und mit langen Haken versehenen
tarken Bronzegürtel ersetzt, der zum ersten
ale das Spiral- und Wolfszahnornament in vorrefflicher
Ausführung zeigt. Dieses ausserordentich
reich und schön verzierte Schmuckstück finden
vir aber nur in den oberbayerischen Grabhügeln
‚er I. Periode der jüngeren Bronzezeit und ist es
‚esshalb von hoher Bedeutung, da es einestheils
ine ganz besondere Geschmacksrichtung und Erindungsgabe
voraussetzt, anderntheils aber auch
'är den hohen Stand der damaligen Technik den
‚esten Beweis liefert.