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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 9=19.1889

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zraziös geformtes, sorgfältig gearbeitetes Tässchen
nit Henkel und nach aussen gewölbtem Boden.
Die Ornamente der Thongefässe, von welchen
Jie kleineren aus geschlemmtem und mit Sand
vermischten Thone, der später glänzend polirt
wurde, hergestellt sind, bestehen aus Finger- und
Nägeleindrücken, kurzen senkrechten oder schrägen
vertieften Strichen und aus „Wolfszähnen“; es ist
ılso ein ganz beschränktes Ornamentsystem, dem
wir in dieser frühen Zeit zur Dekorirung der
Thongefässe begegnen. Wenn dann auch die Armbänder
 mehr Abwechselung in den Motiven bieten,
30 ist der Kreis derselben doch immerhin ein beschränkter,
 bei dem hauptsächlich die Raute, eine
Art Zick-Zack, vorherrschen, indess die „Wolfs-‚ähne“
 fehlen.
In der II. Periode der älteren Bronzezeit
 haben wir die gleiche Lage und Anordnung
Jer Friedhöfe zu konstatiren, ebenso auch den
zleichen Bau der Grabhügel. Leichenbestattung
st ebenfalls ausnahmslos noch Gebrauch und Sitte,
jagegen finden wir gegen das Ende der Periode
nereits eine abweichende Art derselben vor: der
Leichnam wird nämlich sehr häufig auf den Opferplatz,
 welcher noch theilweise brennend gewesen
3gein muss, niedergelegt; denn sehr oft konnten wir
wahrnehmen, dass die Knochen der Skelette durch
Jas Feuer stellenweise angebrannt waren. Auch
ainige kleine Bronzeschmuckstücke zeigen die Be--übrung
 mit dem Feuer. Wir haben demnach
sicher eine neue Sitte vor uns, aus der sich dann
n der jüngeren Bronzezeit die Leichenverbrennung
antwickelte.
Diademe kamen in den Gräbern dieser II.
Periode bisher nicht vor, dagegen treten die spiralartig
 aufgewundenen Halsketten von gleichem
Bronzedrahte wie vorher, etwas zahlreicher auf.
Zu diesen Halsketten tritt ein neues Zierstück,
Jas dieselben abschliesst und auf dem Kleide zu
‚efestigen bestimmt war. Es sind dies kleine
Spiralen mit breit gehämmerten, röhrenartig umyebogenen
 Enden. Die schon vorher erwähnten
nerzförmigen Bronzeanhänger werden jetzt noch
aäufiger.
Von den Nadeln, die, wie in der vorigen
Periode, auf der Brust getragen werden, verwendet
man jetzt ebenfalls zwei. Sie sind aber länger als
jene früheren und zeigen den geschwollenen, oft
nicht durchbohrten Hals mit eingravirten Reifeungen
 versehen. Der umgekehrt kegelförmige
Kopf verschwindet; an dessen Stelle tritt ein
yrosser fiachrunder Kopf, der mitunter an den
Seiten mit stark eingravirten Strichen verziert ist,
Diese Nadeln treffen wir in Oberbayern, Niederjayern,
 Schwaben und der Oberpfalz (in der Samm-Mittheilungen
 d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XIX. 1889.

ung des histor. Vereins in Regensburg wohl das
ängste Exemplar derselben); sie gehen bis Würtemberg
 und Baden.
Am Ende dieser II. Periode der älteren Bronzeeit
 tritt an die Stelle der wenig vertieften Reielungen
 der Nadelhälse eine sehr starke Einkerung,
 so dass bereits der Anfang eines energischen
’yrofiles erscheint. Wegen der Verwandtschaft derırtiger
 stark gereifelter Nadeln mit denjenigen der
‘. Periode der jüngeren Bronzezeit, bei welchen
liese Reifelungen noch stärker ausgeführt sind,
nüssen wir sie als eine Uebergangsform betrachten,
Unter den Armbändern herrscht die Form
ınd Verzierung der ersten Periode noch vor, doch
ıreten daneben energischer profilirte, mit horizonalen
 und durch kleine Striche verzierten Rippen
‚uf. In Niederbayern und der Oberpfalz sind dann
iese Armbänder recht breit und enden anstatt in
‘tollen in je “wei kleine neben einander liegende
;piralen. Ferner erscheinen Armreife mit einfacher
"orsion und zugespitzten Enden.
In Niederbayern und der Oberpfalz werden die
?inger mit Ringen geziert, die aus einem mehr
der weniger breiten Mittelreifen bestehen, der
n zwei kleine Spiralen verläuft.
Zum ersten Male sehen wir jetzt auch die
7usszehen geschmückt und zwar durch kleine
ıylindrische Bronzeringe von geringer Stärke,
ie aussen mit erhabenen Reifelungen verziert sind.
Jerartige Zehenringe, welche bei uns bisher nur
n Niederbayern gefunden wurden, sind in Böhmen
m Gebiet der Uslava recht häufig, wie dies die
\usgrabungen des Schlossgärtners Franc in Stiahau
 beweisen.
Als Toilettegegenstand erscheint die kleine Pin-;ette
 mit stollenartigen starken Enden.
Die Gürtelplatten der ersten Periode sind
‚benfalls noch im Gebrauch, doch tritt an die
Stelle des Uebereinanderschiebens der beiden Platten
jie Befestigung durch kleine Haken.
Unter den Waffen sind wieder die Dolche als
Jauptwaffe zu bezeichnen; neben dreieckigen ohne
Jriffzunge kommen nun auch weidenblattförmige
nit kurzer Griffzunge vor.
Die Paalstäbe werden stärker und erhalten
»reiteren Schaft und höhere Lappen.
Neben kleinen Pfeilspitzen mit dreieckiger
jpitze und kurzem Widerhaken enthalten die
3räber in der Nähe Regensburgs und der Ober-»falz
 jetzt auch kleine Bronzemesser mit kur-‚em
 gegossenen Griff; der starke Rücken dieser
'reilich höchst selten vorkommenden Messer ist
ınweit des Griffansatzes nach aussen gebogen, injess
 die Schneide fast gerade herabgeht und nur
unten ein wenig einzieht.

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