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Dritte gemeinschaftliche Sitzung.
nhalt: J. Naue: Die Bronzezeit in Bayern. — Virchow: Alterthümer aus Transkaukasien. — Gundaker
Graf Wurmbrand: Formverwandtschaft der heimischen und fremden Bronzen. Dazu Waldeyer.
_ & von Torma: Schriftzeichen auf dacischen Funden. — Dr. Martin KYi%: Vorlage von geschnitzten
and gravirten Knochen und Rennthiergeweihfragmenten in den mährischen Höhlen Kulna und Kostelik.
Einsetzung einer Kommission zur Berathung über die Aechtheit dieser Funde. Ergebnisse der Komnission-Berathungen.
— J. Mestorf: Dolche in Frauengräbern der Bronzezeit.
Vorsitzender Freiherr von Andrian.
Herr Dr. J. Naue: Die Bronzezeit in Bayern.
Das was ich mir erlaube, Ihnen mitzutheilen,
;tützt sich auf die eigenen Untersuchungen und
Ausgrabungen von 280 Grabhügeln der Bronzezeit
n Oberbayern, sodann auf die Ausgrabungen einiger
Freunde in Mittelfranken, der Oberpfalz und in
Schwaben und endlich auf die Studien, welche
ich in unseren Provinzialsammlungen machte, von
jenen u. a. die Sammlung des historischen Vereins
n Landshut sehr viele und interessante Funde
us der älteren und jüngeren Bronzezeit besitzt.
in der I. Periode der älteren Bronzezeit
;ehen wir die Friedböfe fast regelmässig auf Hoch-;benen
in der Nähe von noch bewohnten Ortschaften
und wenn möglich unweit eines Wassers
_— Bach, Fluss oder See — angelegt. Von diesen
Friedhöfen geniesst man eine weite Aussicht auf
Berg und Thal, Wiese und Wald.
Sowohl für diese, als auch für die anderen
Perioden der beiden Bronzezeitalter ist das dicht
ın- und nebeneinander Liegen der Grabhügel be-‚sonders
charakteristisch, während sie in der Hallstattzeit
in ziemlich weiter Entfernung von einınder
errichtet wurden,
Der Bau der Grabhügel ist nach einem ganz
‚estimmten Systeme ausgeführt und zwar folgendernassen:
nachdem das eigentliche Grab, welches
Jie bekleidete und geschmückte Leiche aufnehmen
sollte, in dem gewachsenen Boden gemacht war,
bedeckte man die bestattete Leiche und sämmtiche
Beigaben mit einer dünnen Schicht feinen
Lehms und errichtete dann, von aussen nach innen
zu, eine gewölbartige Schicht aus sorgfältigst auszewählten
Steinen verschiedener Grösse. Auf diese
arste Steinschicht wurde wieder Lehm aufgefüllt,
und darüber dann eine zweite Steinschicht in
zleicher Weise wie die erste gewölbt, jetzt folgte
wieder Lehm, alsdann eine dritte Steinschicht und
;o fort, bis man die für den Grabhügel bestimmte
Höhe erreicht hatte. Meistens sind fünf Steinschichten
zu verzeichnen.
Bei dem Bau der Grabhügel, welche die Leichen
von angeseheneren Personen enthielten, wurde mit
zanz besonderer Sorgfalt verfahren, so dass man
»ft schon beim Abdecken der obersten Steinschichten
arkennen hann, dass der Grabhügel Beigaben ent-1alten
dürfte. Selten finden sich mehrere Stein-‚ewölbe
in einem Grabhügel; kommt dies vor,
lann sind die einzelnen Gewölbe schliesslich mit
inem grossen, alle kleineren umfassenden überbaut.
Einige Male konnte ich konstatiren, dass die
}rabhügel in parallelen Reihen angeordnet waren,
‚0 dass wir also von einem wirklichen System der
\nlage sprechen dürfen.
Die Höhe der Grabhügel und der Umfang derelben
sind verschieden; es kommen solche vor,
velche sich nur sehr wenig über der Bodenfläche
ırheben, dafür aber bis 60 cm tief in den gewachenen
Boden gehen, dagegen andere, die bis 2m
Jöhe besitzen. Der Umfang differirt zwischen
25—80 Schritt.
Dass in den Grabhügeln dieser I. Periode der
ilteren Bronzezeit Leichenbestattung und zwar
‚usnahmslos herrscht, habe ich bereits erwähnt,
nuss aber noch beifügen, dass die Lage der Leichen
‚erschieden ist, jedoch diejenige nach Westen am
‚äufigsten auftritt. Selbstverständlich sind die
;kelette selten erhalten; oft ist ein dunkelbrauner
ıchmaler und fettiger Erdstreifen das einzige Kenn-‚eichen
derselben.
Das Inventar dieser älteren Gräber ist fast
{urchweg ein sehr spärliches, wodurch wir aber
ıoch gar nicht zu dem Schlusse berechtigt sind,
ıls seien diese Stämme absolut arm gewesen,
Man begnügte sich eben mit Wenigem und kannte
ıoch nicht Luxus und Pracht.
Als Kopfschmuck Höhergestellter ward eine
ırt Diadem verwendet, das aus einem Starken
3ronzedraht bestand, der an seinen beiden Enden
lach fischblasenförmig ausging und mit zwei kleinen
iber der Stirn emporsteigenden Spiralen abschloss.
Die Verzierung der fischblasenförmigen Platten
‚esteht entweder aus am oberen und unteren
ande eingestanzten kleinen Buckelreihen, oder
‚us solchen und aus stark vertieft eingeschlagenen
‚orizontalen Parallelen, welche sich in der Mitte
\er Platte befinden. Durch den Reif besass das
Diadem genügende Federkraft, um entweder direkt
‚uf dem Haare oder über einem Schleiertuche zu
ıalten, anderseits konnte es aber auch durch