keit beginnt erst dann, wenn wir die Bohrlücken
ler Werkzeuge zu chronologischen Daten, zu
Wegweisern und Fingerzeigen einer bestimmten
Epoche, benützen wollen. Die Schwierigkeit rührt
daher, weil die Bohrlücke ausnahmsweise eine
Projektion ist, welche nicht gleichzeitig mit ihrer
Projektionsidee entstehen konnte. Die Idee hiezu
war zweifellos im Urmenschen ursprünglich vorhanden.
Er fühlte auch ursprünglich die Nothwendigkeit
einer Verwirklichung dieser Idee.
Schliesslich sah er sich auch ursprünglich auf die
Zealisirungsmittel hingewiesen. Indessen eben die
wirksame Anwendung dieser Mittel wusste er eine
Zeit lang nicht zu gewinnen. Erst nach wiedernolten
Versuchen gelangte er zu praktisch erfolg-‚eicher
Hantirung des Werkzeuges, ohne dass wir
aber dabei in Uebergangsperioden, oder gerade in
die Metallzeit zu gehen brauchten. Eben auch
die Lager und Fundorte, bei uns wie im Auslande,
bezeugen, dass Werkzeuge mit Bohröffnungen
gleichfalls in Fundstätten der reinen Steinzeit
nicht fehlten; wie anderseits die bobrloch-(osen
Instrumente nicht ausschliesslich von einer
technisch niedern Stufe zu deuten sind. Es hat
sich da buchstäblich der Stoff selbst Geltung verschafft.
Nehmen wir den Schiefer. Bei seiner
Jünnblättrigen Beschaffenheit war er zur Herstellung
eines mit Bohröffnung versehenen Werkzeuges
ungeeignet; aber wohl passend als Mittel,
in den Spalt eines Stieles eingezwickt zu werden.
[ch werde noch verständlicher sein, wenn ich ein
bestimmtes Werkzeug als Beispiel aufführe; wie
las Beil. Wir finden das Beil in manchen Werken
höchst unrichtig definirt!®), Dieses Geräth erheischt
nämlich die Stiellücke nicht nothwendig.
Daher kommt es, dass man Beile mit und ohne
Bohröffnungen hat. In der Hand seines primitiven
Wasser und Sand sehr gut durchbohren lassen. (Führer
Jjurch das Museum vaterl. Alterthümer in
Stockholm. S. 7). Pulszky legt dar, dass das
Bohrloch keineswegs mit den späteren, entwickelteren
formen des Bronzezeitalters zusammenhängt, sondern
vereits in der paläolithischen Zeit bekannt war; demnach
als kein Symptom einer späteren Periode gelten
kann. (A rezkor Magyarorszigban. S. 50—592).
16) So unter Anderen bei Dr. Bihari, dessen Werk
‚n der die Urzeit behandelnden Parthie ebenso viele
Begriffsverwirrung wie geringe Reflexion bekundet.
Nach ihm „konnte der Mensch zufällig auf den Gebrauch
les Steinbeils geführt werden; vielleicht so, dass er
lie Lücken von Natur löchriger Steine erweiterte und
in diese Oeffnung einen Stock steckte“ (Altalänos
ös hazaı müvelödestörtenet Il, S. 10). Bihari
vergisst hier augenscheinlich, dass das Beil eine Projektion
der flachen Hand ist, sowie dass die Bohrlücke
keineswegs das Wesen des Beils ausmacht.
3enützers konnte das eine eben solche Dienste
‚hun wie das-andere. An dem Beile ist dessen
Schneide die Hauptsache; die Bohröffnung besitzt
loss sekundäre Bedeutung. Die Bohrlücke vermochte
das Wesen des Beils nicht umzuändern,
sondern nur dessen Form; sie verlieh ihm ausserlem
grössere Verwendbarkeit. Und diese Uminderung
war nothwendig. Das bohrlochlose Beil
st nämlich nothwendig kegelförmig. Auf der
Schneideseite wird es breiter, während es auf der
'ntgegengesetzten Seite sich verschmälert und ab-»lattet.
Die Verschmälerung schien erforderlich,
ım in eine Holzöffnung eingerammt, in eine Holzpalte
eingezwickt werden zu können. Die Bohrücke
dagegen erheischte die Verdickung des oberen
3Zeilendes und brachte es mit sich, dass nun nicht
nehr allein die Schneide zum Schneiden, Schnitzen
ınd Stechen, sondern auch das obere stumpfe
inde zum Dreinschlagen Verwendung finden konnte.
nn Erwägung dieser Umstände ist es klar, dass
lie Bohrlücke vom Standpunkte der Materie nicht
ıllemal als Symptom höherer Entwicklung berachtet
werden darf. Die dünnblättrige Beschaffen-1eit
des Schiefers gestattete es nicht, daraus Beile
nit Bohröffnungen herzustellen. Granit, Serpentin
ınd sonstige Massivgesteine wären jedoch für derlei
Zeile ungemein passend gewesen. Doch den Feuerıtein
anzubohren, waren die Menschen der Stein-;‚eit
unfähig. Kam also daraus ein Beil zu Stande,
wie dies in Skandinavien auch thatsächlich der
Tall war, so liess sich dies nur als ein solches
nit plattem obern Ende verfertigen, d. h. als ein
:egelförmiges Beil, welches in einen Stiel eingewickt
werden konnte. Nun konnte aber bohrachloser
Schiefer oder ein Feuersteinbeil auch in
päteren Zeiten hergestellt werden, sowie der mit
3ohröffnung versehene Granit oder das Serpentin-'eil.
Darum steht es.denn fest, dass Werk-‚eugen
mit Bohrlücken nicht allemal ein
üngerer Ursprung zukommt, als den bohrochlosen
Instrumenten.
Herr Custos Heger:
Herr Reischek wird diejenigen Herren, die
ich dafür interessiren, morgen zwischen 9—10 Uhr
n seiner Wohnung empfangen. Herr R., den wir
n unserer Mitte begrüssen können, ist Naturorscher
und erst neulich von einer längeren Reise
urückgekehrt. Er hat 12 Jahre sammelnd und
orschend in Neu-Seeland zugebracht und gahz
jedeutende Sammlungen angelegt. Ich lade die
'‚erehrten Anwesenden zum recht zahlreichen Be-‚uch
seiner Sammlungen ein.