Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 9=19.1889

-ne-Mit

 vollem Recht wird von Seite des dänischen
Gelehrten ein grosses Gewicht auf die Beschaffenheit
 der vorgefundenen Knochen der unterschiedlichen
 Thiere gelegt. Bei den Resten von Renn-;hier,
 Pferd und Moschusochs findet er unverkennpare
 Merkmale, dass sie des Markes wegen gewaltsam
 zertrümmert wurden, während er an den
Mammuthknochen keine Spur von absichtlicher
Spaltung durch Menschenhand anzuerkennen vermag;
 bezüglich dieser behauptet er vielmehr, alle
yeobachteten Veränderungen seien als Spalten,
Risse und Sprünge, welche ausschliesslich durch
Witterungseinflüsse entstanden sind, zu deuten,
jede Zerkleinerung sei auf matürlichem Wege erfolgt.
Ich erklärte Steenstrup bereits bei
jeiner Anwesenheit in Neutitschein, dieser seiner
Ansicht nicht beipflichten zu können, da meiner
Jeberzeugung nach sehr viele Mammuthknochen
zleichfalls ‘deutliche Spuren menschlicher Einwirkung
 tragen und mit den bezüglichen unzweifelhaft
 aufgeschlagenen Knochen der oben geaannten
 Hufthiere in vieler Hinsicht übereinstimmen.
 Steenstrup wollte dies nicht zugeben.
Mit Rücksicht auf diese Meinungsverschiedenheit
aabe ich mir erlaubt, eine sehr namhafte Auswahl
 von Mammuthknochen aus Predmost auszustellen,
 welche meiner Ansicht nach Reste von
Skelettheilen sind, die durch Menschenhand zertirümmert
 wurden, Den geehrten Congress-Mitzliedern
 ist hiedurch Gelegenheit geboten, sich
ein selbständiges Urtheil zu bilden, beziehungsweise
 sich von der Richtigkeit meiner Erkenntniss
zu überzeugen.
Zweier Umstände von Predmost muss ich noch
vesonders erwähnen, die Steenstrup gleichfalls
zur Unterstützung seiner Theorie ins Feld zieht,
lie aber nicht mehr in vollem Widerspruche mit
len beobachteten Thatsachen stehen. Es ist vor
Allem das allseits anerkannte Uebergewicht der
Mammuthreste von Individuen jedes Alters im Vernältniss
 zu denen der anderen Thiere — den Wolf
höchstens ausgenommen, — und ferner das veraältnissmässig
 häufigere Vorkommen von grösseren
zusammenhängenden Skelettheilen dieser Thierart,
{ch glaube, dass zwischen diesen beiden Umständen
ein inniger Zusammenhang besteht. Jedenfalls ist
auf Grund derselben die Folgerung zulässig, dass
sich der Mensch der Mammuthe am leichtesten zu
bemächtigen vermochte und dass die Mammuthleiber
in der Regel vollständig an die Fundstätte geiangten.
 Letztere Erscheinung gilt zwar auch
bezüglich anderer mitunter gleichfalls recht gewaltiger
 Thiere, nichtsdestoweniger haftet derselben
mit Rücksicht auf das überaus zahlreiche Vorzxommen
 von Mammuthresten diesmal ein Zug der

irossartigkeit an, weshalb dieselbe zu Gunsten
ler Ansicht gedeutet. werden könnte, dass die
Tammuthe keineswegs in mehr oder weniger weiter
Verne erlegt und ganz oder zertheilt an die Fundtätte
 erst geschleppt wurden, sondern dass minde-;tens
 ein Theil derselben an Ort und Stelle seinen
Pod gefunden habe. Da ich aber an der absichtlichen
Zertrümmerung der Mammuthknochen durch Menischenhand
 festhalte, diese jedoch in erster Linie
ne Zertheilung der Mammuthleiber behufs Gewinnung
 passender Fleischparthieen voraussetzt, so
xann ich unmöglich ein massenhaftes gleichzeitiges
Zugrundegehen ganzer Mammuthherden, am allerwenigsten
 Jahrtausende vor Ankunft des Menschen,
yugeben, Wohl gestehe ich aber gern, dass
liese Umstände nochmaliger Ueberprüfung auf
ärund fortgesetzter Nachforschungen an der Fund-;tätte
 bedürfen, um eine endgiltige und vollständig
‚utreffende Erklärung zu ermöglichen. Jedenfalls
ıaben die Einwände Steenstrups in diesem Punkte
unige Berechtigung.
Gleichfalls zu Gunsten der Theorie Steensrups
 scheint der verhältnissmässig hohe Kulturxustand
 des Predmoster Diluvial- Menschen zu
prechen. Die sorgfältige Behandlung des Feuerteins
 bei Herstellung so mannigfaltiger Werkzeuge
ınd Waffen, die Verwendung fremden, wenigstens
n der Umgebung von Predmost nicht vorkommenlen
 Materials hiezu (einzelne Feuerstein- und
dornsteingattungen , rother und grüner Jaspis,
Bergkrystall und Obsidian), die Kenntniss des
Zuschleifens mancher Gesteinsarten zu Werkjeugen,
 die mühevolle Anfertigung von zugeichabten
 Elfenbein- und Knochen-Artefakten, vor
Allen aber die eingeritzten Ornamente auf Knochen,
*xeweih und Elfenbein, welche nach Steenstrup
ebhaft an Verzierungen auf Thongefässen aus der
neolithischen Zeit Dänemarks erinnern, bekunden
‚weifelsohne einen gewaltigen Fortschritt in der
anfänglichen Kultur des diluvialen Menschen.
Dies Alles schliesst jedoch die Gleichzeitigkeit
les Predmoster Diluvial-Menschen mit dem Mammuth
aoch nicht aus, da die Kulturentwickelung des
Menschen schon damals Jahrtausende hindurch
angedauert haben kann, und der mährische Urbewohner
 auf seinen alljährlichen Streifzügen jeden-'alls
 häufige Gelegenheit hatte, verschiedene Länderzebiete
 aufzusuchen und verschiedene Materialien
für seine Erzeuynisse zu verwenden.
Dass aber thatsächlich der Mensch bereits in
viel älteren Zeiten, bevor er nach Prfedmost gexommen,
 in Mähren sich aufgehalten hatte, dafür
naben wir Belege von anderen Fundorten. Diese
würden selbst für den unwahrscheinlichen Fall,
lass der Mensch in Predmost keine lebenden
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.