vorliegenden Abhandlung des durch seine sprachlichen Forschungen
rühmlichst bekannten Verfassers eine eingehende
ınd liebevolle Behandlung erfahren, Der Verfasser gibt zuerst
ıusführliche geschichtliche Daten über die Nehrung, indem
>r die Schicksale der einzelnen Ortschaften der Nehrung an
ler Hand eingehender archivalischer Studien schildert. — Er
oleibt insbesondere bei den Verheerungen stehen, welche die
Jrtschaften durch das Wandern der Dünen erlitten haben.
„Die Geschichte jedes einzelnen Nehrungsdorfes ist in ihrem
Yerlauf wesentlich bedingt durch das Wandern der Dünen.“
Zuerst war die Nehrung reichlich mit Wald bedeckt. Man
indet auf der Nehrung Reste einer sehr alten Cultur, der
Jultur der neolithischen Periode.
Die Bewohner der Kurischen Nehrung sind jetzt zum
grossen Theil Letten, welche sich alle Kursineeki nennen.
Die Familiensprache ist heute theils deutsch, theils let
tisch, theils lithauisch. Aus der Form der jetzt gebräuchlichen
lettischen Sprache und aus einem Vergleich mit der Sprache
der Letten in Kurland lässt sich mit Sicherheit schliessen,
lass die Letten aus Kurland eingewandert sind, und zwar
zu einer Zeit, während der in Kurland die Letten selbst ihre
Sprache nicht als lettisch, sondern als „kurisch“ bezeichıeten.
Es haben auch früher im Samland Letten gewohnt,
welche germanisirt worden sind. Die lettische Sprache muss
allmälig unter den Bewohnern der Kurischen Nehrung verschwinden;
sie wird theilweise durch die deutsche, theilweise
durch die lithauische verdrängt. Die Sprache der Schule ist
leutsch, die Sprache der Kirche ist lithauisch, nur in
der Familie wird lettisch gesprochen.
BEZZENBERGER bringt auch einige Bemerkangen über
Sitten, Gebräuche, Kleidung der Nehrungsbewohner; in Folge
ler heute als gemischt zu bezeichnenden Bevölkerung kann
man von einem einheitlichen körperlichen Typus nicht
"reden. Abgesehen von der Sprache existirt zwischen den
Kuren und den Lithauern auf der Nehrung kein Unterschied
Auffallend ist die grosse Armuth an Liedern unter den
Nehrungsletten, nur drei lettische Volkslieder sind bekannt.
Die Kurische Nehrung hat einst bessere Zeiten als jetzt
zesehen: sie war einst gut bewaldet und die grosse alte Post.
;»trasse von Memel nach Königsberg ging über die Nehrung.
im Jahre 1828 wurde die alte Poststrasse aufgehoben und
seitdem ist die Nehrung verlassen,
+,
4. Geissler und R. Ulitzsch. Die Grössenverhältnisse
der Schulkinder im Schulinspectionsbezirke
Freiberg. 14 Seiten in 4° mit einer Tafel. Separatıbdruck
aus dem I. und II. Hefte des 34. Jahrgangs
der Zeitschrift des k, sächsischen statistischen
Bureaus,
Auf Anregung des Schulrathes Loms: wurde im Jahre
[886 die Körpergrösse sämmtlicher Kinder des Freiberger
Schulbezirkes gemessen, Schulrath Lonse glaubte beobachtet
zu haben, dass die für ganz Sachsen geltenden Masse
ler Subsellien in den Schulen den Körperverhältnissen der
“reiberger Schulkinder nicht entsprächen, sondern dass sie
zu gross seien. Diese Annahme wurde durch die Resultate
ler Messungen bestätigt. Es wurden 21.173 Kinder im Alter
ron 6'/, —141/, Jahren, und zwar 10.343 Knaben und 10.830
Mädchen gemessen.
Die Verfasser berechnen die arithmetischen Mittel für die
äunzelnen Jahrgänge und weiter mit Hilfe der Wahrscheinichkeits-Rechnung
(L. Srızva, im Archiv für Anthropologie,
Bd. XIV., S. 167) nach der Formel r = + 0:8453 22 qie
Schwankungen,
Die hauptsächlichsten Resultate der Berechnung sind:
Die Kinder des Schulinspectionsbezirkes Freiberg sind im
Allgemeinen kleiner als die übrigen Schulkinder des Königeiches
Sachsen. Die Knaben sind bis zum 11. Jahre um
Y6—0'°9 cm grösser als die Mädchen; von da ab werden
lie Knaben von den Mädchen überholt; diese Ueberegenheit
der Mädchen über die Knaben bleibt bis zum
16. Jahre bestehen, dann wachsen die Knaben wieder mehr
ıls die Mädchen. Durch diese interessanten Ergebnisse wurden
'rühere Untersuchungen von Bowprron, Erısmann bestätigt,
m Gegensatze zu den älteren Resultaten QuerteLers, nach
lenen die Knaben durchaus grösser als die Mädchen sein
sollten,
Bemerkenswerth ist die von den Verfassern angewandte
Berechnungsmethode: Sie heben ausdrücklich hervor, dass
lie gewöhnlich bei anthropometrischen Untersuchungen angezebenen
arithmetischen Mittel sich nicht zu praktischer Verwendung
eignen. Es erscheint durchaus nöthig, derselben
»nmal ein Mass ihrer Genauigkeit und weiter noch eine
irösse beizufügen, die über die Beschaffenheit der ganzen
Messungsreihe einer Altersgruppe Auskunft gibt. Das Nähere,
lie Formel und Methodik, müssen in der Abhandlung selbst,
leren Studium sehr empfehlenswerth ist, eingesehen werden.
in DE
Zur Beachtune.
Die für den 11. Juni anberaumte Monatsver-3ammlung,
resp. Excursion entfällt in diesem Jahre.
Der nächste Sitzungsbericht (6) wird die Congressverhandlungen
bringen und, wenn möglich, noch vor
Schluss des Jahres erscheinen. Die Sitzungsberichte
7 und 8 bringen dann wie gewöhnlich die Berichte
über die Ausschuss-Sitzungen und Versammlungen
in den Monaten November und December.
EEE
Die Einladungen und die Tagesordnung für die gemeinsame Versammlung der Deutschen
und der Wiener Anthropologischen Gesellschaft, welche in den Tagen vom 5.—10., August d. J.
in Wien stattfindet, werden im Laufe des Monates Juni zur Versendung gelangen.
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Redactions-Comite; Fr. R. v. Hauer, M. Much, F, Müller, S. Wahrmaun, A. Weisbach und J. Woldfich
Redacteur: Franz Heger.