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7. Herr Dr. Moriz Hoernes gibt eine Notiz über
Die Keramik der La Tene-Periode in Böhmen
und Mähren.
Im. letzten Sitzungsbericht des Jahrganges 1888
dieser Mittheilungen [S. 94 f.] suchte ich die im Hofmuseum
befindlichen, seinerzeit von HOCHSTETTER edirten
Gräberfunde von Dux auf Grund der Formen der
Eisenwaffen und der Thongefässe, welche letzteren theilweise
eine Verwandtschaft mit keramischen Typen vom
Hradist bei Stradonic zeigen, als La Tene-Funde
zu erweisen. Vorausgesetzt, dass diese Bestimmung
richtig war, vermuthete ich, dass sich die Töpferei
dieser Periode in Böhmen kennzeichnen lasse durch
das Zusammenvorkommen gedrehter und ungedrehter
Thongefässe, sowie durch den auffallenden Parallelismus
alterthümlicher und sehr jung aussehender Formen.
Zei dem Mangel völlig sicherer Beweisstücke, wie Fibeln,
Armringe u. dgl., mochte da noch ein Zweifel an der
Zeitstellung übrig bleiben, Um solchen Zweifel zu
%5eheben, verweise ich auf eine Fundnotiz von WILLIBALD
MÖLLER in den Mitth. d. k..k. Central-Commission f.
Kunst- u. hist. Denkm., N. F., Bd. X, S. XCVIf., wo
lieser Conservator einen prähistorischen Begräbnissolatz
bei Gross-Latein (Slatönice, Ger,-Bez. Olmütz)
beschreibt und mehrere Fundstücke von demselben abbildet,
Unter den letzteren befinden sich: eine Früh-La-Tene-Fibel
mit Blechscheibe an dem zurückgelehnten
Fussende und ein aus hohlen Buckeln zusammenzesetztes
Charnier-Armband, also typische Formen der
zweiten Eisenzeit in Böhmen und Mähren. Zu diesen
rechne ich, trotz der fraglichen Zweckbestimmung,
auch das Stück Fig, 4 1. c., einen Bronzetragring,
der an einem dachförmigen Schildchen befestigt ist,
unter welchem sich ein schmaler Bügel zur Befestigung
des getragenen Gegenstandes befindet. Ein vollkommenes
Seitenstück dazu befindet sich vom Hradist bei Stralonie
in der prähistorischen Hofsammlung, Nr. 5058,
and wird im Inventar derselben als Pferdezaumbeschläge
aufgeführt. Ueber die Thongefässe aus den so unzweifelhaft
charakterisirten Gräbern schreibt der Berichtarstatter:
„Merkwürdigerweise gehören die an der
Fundstätte aufgedeckten Urnen drei verschiedenen
Formenkreisen an. Es lassen sich leicht drei von
einander stark abweichende Gruppen constatiren, deren
ilteste einfache Gefässe, aus grobem Lehm mit freier
Hand gefertigt, umfasst. Diese Gefässe weisen als
Ornamentik nur rohe Fingereindrücke auf. Daneben
Snden sich jedoch auch sauber auf der Drehscheibe
gefertigte Gefässe mit nett ausgeführter Ornamentik,
Mfenbar einer weit jüngeren Zeit angehörig.“ (?) „Die
weitaus grösste Zahl der vorgefundenen Gefässe und
Gefässscherben gehört indessen einem in der Mitte
zwischen den eben erwähnten liegenden Formenkreise
an, bei welchem wohl die Töpferscheibe zur Verwendung
kam, die.sich aber noch mit schmucklosen
Gefässen begnügte, Die Form selbst bietet indessen
schon vielfache Abweichungen nach der Höhe und
Breite. Das Material ist Lehm, stark mit Graphit
gyemengt,' die Ränder sind meist ausgebogen; sämmt-'iche
Gefässe dieses Formenkreises, welche in der Wand-;tärke
nicht stark differiren, sind gut gebrannt.“ Das
ind jene henkellosen Töpfe, welche ich a. a. O, S. [95]
zuf Grund ausgedehnter Beobachtungen als „das sicherste
Cennzeichen der La Tene-Periode unter den keramischen
'Jeberresten“ bezeichnet habe. Dieser Befund deckt sich
„einahe völlig mit dem, was ich an den Grabgefässen
ron Dux hervorgehoben habe und gewährt im Ganzen
dasselbe widerspruchsvolle, aber lehrreiche Bild. Nach
lieser neuerlichen Bestätigung erscheint es unzweifelhaft,
dass der Gebrauch der Töpferscheibe in Böhmen
and Mähren schon während der La Tene-Periode theilweise
platzgegriffen hat und dass mit ihr zugleich
16eue Thongefässformen in den Ländern nördlich der
Jonau‘ Eingang gefunden haben.
Ebenso sicher scheint aber, dass diese neue Technik
ınd ihr Formenkreis durch die Fortdauer der alten
Jebung vielfach und sehr lange Zeit beschränkt blieb.
Nenn das Urnenfeld von Libochowan, wie ich nach
ler in diesen Sitzungsberichten 1888 S. [86] gegebenen
Notiz zu glauben geneigt bin, wenigstens theilweise
ler La Tene-Periode angehört, so zeigen die Thonvefässformen
dieser Nekropole noch keine Spur jener
orgeschrittenen Cultur. Ganz durchgegriffen hat die
"öpferei auf der Drehscheibe erst in viel späterer,
ıistorischer Zeit,
Aus freier Hand gefertigte Thongefässe erscheinen
n böhmischen und mährischen Urnengräbern, wie die
aitenden Fibelfunde zeigen, noch lange nach dem Be-‘inne
des römischen Einflusses auf die Norddonauländer.
jie sind da von sehr verschiedenen Formen: ähnlich
len Gefässen von Hradist bei Stradonic sind sie in
len Gräbern von Vinarice bei Kladno (Pamätky archaeoogicke,
Bd. XI, Taf, 1), von einfachster Bildung dazegen
in den Gräbern von Höflein (Mähren, 9 Urnen
ınd verschiedene Beigaben, Geschenk des Herrn Reichszrafen
EDUARD KunvEx-BeELası an das k. k. naturhist.
Iofmuseum, s. Jahresber, des letzteren für 1887,
;. 56, 16) und wieder von ganz anderer Art, schöner
ınd feiner verziert, vom Typus der sogen. „Mäanderzefässe“
der jüngeren norddeutschen Eisenzeit kenne ich
je aus einem der spätesten Zeit des Alterthums an-‚ehörigen
Grabe von Zellev&ic (Ger.-Bez. Schlan),
liessen Inhalt die prähistorische Hofsammlung bewahrt,
Indlich kommen (nach WoLnDkıcHh) die charakteristischen
]avischen Schläfenringe theilweise schon neben unredrehtem
(freilich meist neben gedrehtem) Thons‚eschirr
vor, so dass wir eine ohne Verwendung der
)rehscheibe sich fortfristende alterthümliche Töpferei in
3Zöhmen noch während des VII, Jahrhunderts nach
ınserer Zeitrechnung anzunehmen haben.
8. Herr Musealcustos Carl Deschmann in Laibach
üibersendet einen Bericht:
Die prähistorischen und römischen Ausgrabungen
des krainischen Landesmuseums im Jahre 1888.
A. Hügelgräber in Germ bei Podsemel, Bezirk Möttling.
Das Ergebniss der Aufdeckung etlicher 20 Hügelyräber,
von denen zwei bedeutende Dimensionen hatten,