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vollendeter antiker Goldschmiedekunst, in welchen die
Schlange das Gelenk mit mehreren Windungen umspannt,
erscheint die Form des offenen Ringes mit doppeltem
Kopf in der That als eine minder ansprechende, barbarische,
Es darf auch erwähnt werden, dass auf dem
allbekannten Mosaik der Alexanderschlacht (im Nationalmuseum
zu Neapel), das zufällig aus demselben pompejanischen
Hause stammt, wie die beiden schönsten
antiken Schlangen-Armbänder an den Enden des weiten.
»ffenen Halsringes, welchen König Darius (gleich mehceren
der um ihn kämpfenden Perser) trägt, Schlangenköpfe
sichtbar sind. Derlei Halsringe gehörten also
wohl zum altpersischen Costüm. Durch die Verzierung
dieses Schmuckstückes mit Thierköpfen ist der König
"wie durch andere ‚Details seiner Tracht) vor den
ärossen seiner Umgebung ausgezeichnet. Wir dürfen
auch hieraus schliessen, dass diese Form und Verzierung
von Ringen, wenn sie auch in Gräbern der spät-:ömischen
und Völkerwanderungszeit wieder auftritt,
ler classischen Antike eigentlich fremd geblieben ist.
Ja, es gibt Anhaltspunkte, welche darauf führen, dass
es ein nördlicher Weg gewesen ist, auf welchem dieses
rientalische Motiv den Völkern Mitteleuropas zugekommen
ist. Analogien zu den goldenen Torques der
persischen Magnaten bieten einige Originale, welche in
Gräbern der Krim gefunden wurden (s, Antiquit&s du
Bosphore Cimmörien, Taf. VIII). Hier sind die Enden
der offenen goldenen Halsringe als Löwenköpfe, ganze
ruhende Löwen oder reitende Skythen gebildet. Die
griechische Goldschmiedekunst in Taurien war bekanntlich
stark von auswärtigen (orientalischen) Stylrichtungen
beeinflusst. Sie schuf auch gerne Spiralarmringe
aus Gold mit verschiedenen menschlichen und Thierköpfen
(s. 1. c. Taf. XIIa; XIV; XVIIT). Alles das
würde man, wenn es weiter westlich gefunden wäre,
>hneweiters für etruskische Arbeit erklären, wie es mit
vielen Grabhügelfunden in Mitteleuropa wirklich geschehen
ist, Zwischen Giurgewo und Braila in Rumänien
ist 1838 ein Halsband von massivem Gold in Form
3iner Schlange gefunden worden. Die Inschrift auf
demselben in alterthümlichen Charakteren galt sofort
als etruskisch (s. Denis, Grabstätten Etruriens, Cap. I).
Mit dieser Vorstellung muss einmal gebrochen werden,
wozu die Vergleichung bosporanischer Alterthümer,
sowie jeder Kunstübung an der Grenze der griechischen
Lebenssphäre wirksame Hebel bietet.
Mehrere Beispiele von besonderer Variation des
Schlangenmotivs bei Armbändern liefert Dodona in
Nordgriechenland (Carapanos, Taf, 50): zwei an den
Enden eines offenen Armbandes nach rückwärts gewenjete
Schlangenköpfe, Fig. 2; ein Spiralarmband, das
sich an dem einen Ende in zwei Schlangenhälse spaltet,
während das andere einen einfachen Schlangenschwanz
larstellt, Fig. 3. Aus der Völkerwanderungszeit sind
Armbänder mit Schlangenköpfen sehr häufig auf den
üräberfeldern von Keszthely (namentlich auf dem
Dobog6). Lırr (Die Gräberfelder von Keszthely, Budaest
1885, S. 72, Fig. 351—355) sammelte hier
»tliche 60 Stücke, darunter keine zwei ganz gleichen
Axemplare, Die Form derselben ist einfach, aber die
Verzierung der Bandfläche mit eingravirtem oder einzeschlagenem
Ornament unendlich abwechselnd. Dieses
»fene Armband hat sich nach Lırr (l. c. S. 71) aus
lem Armringe entwickelt, welcher vierkantig auf demselben
Gräberfelde ebenfalls mit Schlangenköpfen an
len Enden vorkommt. Ring- nicht bandförmige Gestalung
dieses Schmuckstückes zeigt auch das provincialömische
Vorkommen, welches DESCHMANN’S heutige Ein-;‚endung
für Krain nachweist, Diese letztere Form
lürfte sich in den Nordprovinzen des Römerreiches aus
lem bekannten La Tene-Armring mit offenen, verlickten
und verzierten Enden entwickelt haben. In den
üngsten Tagen hat die prähistorische Hofsammlung
ne schöne Suite provincialrömischer Schlangenarminge
aus der Nekropole von Brigetio (0’-Szöny in
Jngarn) erworben.
Schliesslich verweise ich noch auf ein besonders
nerkwürdiges Stück, für das mir im Augenblick keine
\nalogie unter den prähistorischen Funden Europas
jekannt ist. Es ist ein 35'°5 gr schwerer und 8:5
bis 9 cm weiter Armring aus Bronze (Fig. 12) in Gestalt
einer ganzen Schlange, deren Schwanzende zweimal
um den Hals geringelt ist. Die schuppenförmige
Fig. 12. Armrıng aus Böhmen (?).
Verzierung läuft über den ganzen Rücken, die Augen-1ıöhlungen
sind derart viereckig, dass man aus anderen
Stoff eingesetzte Augen annehmen darf. Das Stück
stammt aus dem Nachlass des Barons RıcurTER in
<önigssaal (Böhmen) und wurde nebst einer Anzahl
ıngarischer und böhmischer Kupfer- und Bronzefunde
1880 für die prähistorische Hofsammlung angekauft.
Jeber den Fundort ist nichts bekannt.
4. Anschliessend daran sendet Herr Custos Carl
Deschmann in Laibach eine briefliche Mittheilung über
Armbänder mit Schlangenköpfen aus Krain.
In diesem Schreiben, das von den Originalen der
ınbei (Fig. 13—18) abgebildeten Armbänder begleitet
war, heisst es mit Bezug auf den Gegenstand der vor-:tehenden
Mittheilung: „Es dürfte vielleicht für die
zeehrte Gesellschaft von Interesse sein, derartige Arminge
aus der spätrömischen Zeit kennen zu lernen.
lan fand nämlich heuer in dem Gräberfelde von Neviolunum
(Dernovo bei Gurkfeld) an einer Stelle, wo nur
Skeletgräber aus dem Anfang des IV. Jahrhunderts
rorkommen, bei Frauenleichen Armringe, deren Enden