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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 9=19.1889

gals verbot, dass je wieder ein Häuptling diesen
Namen führen solle und bestimmte für die Zukunft
len Namen „Girang-Pu-un“, Die Baduwis bewohnen
heute das Gebirge, welches sich südlich von L&bak
und nördlich vom Kandangschen Bergrücken erhebt.
[hre Dörfer sind beinahe unnahbar durch die tiefen
Schluchten, steilen Felsen, vielen und schnell strömenden
 Bergflüsse und die undurchdringlichen
Wälder, die sie umgeben. Sowohl die einzelnen
Wohnungen, als die Dörfer im Allgemeinen zeichnen
sich durch grössere Regelmässigkeit, Reinlichkeit und
Ordnung vortheilhaft vor jenen der Sundanesen aus;
sie liegen alle im heutigen Unterdistriet Kawadanan-LEebak,
 zur Abtheilung Lebak der Residentschaft
Bantam gehörig.
Kanekes war früher der- Hauptort der Niederıassung;
 da wohnte der Girang-Pu-un mit seinem
Girang-dhalam, Girang-Sörat (Secretär), Dangka
\Unter-Secretär) und 36 Männern mit ihren Familien,
von denen der Aelteste Pangusuh-kokolot genannt
wurde und auch gewisse Machtbefugnisse hatte. Der
Sirang-dhalam ist gewöhnlich der älteste Sohn und
Nachfolger des Girang-Pu-un und hat dafür zu sorgen,
 dass die Befehle des Oberhauptes richtig ausgeführt
 werden. Der Girang-Strat und Dangka werden
durch die Djelöma-dhalam aus ihrer Mitte erwählt.
Es wohnten hier also im Ganzen 40 Männer, welche
Zahl eigentlich nicht überschritten werden durfte;
loch scheint man später von dieser Bestimmung
ıbgewichen zu sein,
Später wurde der Hauptort Kanekös entheiligt
ınd deshalb siedelte der Girang-Pu-un mit seinen
Anhängern nach Tjibeo über, welcher Ort noch heute
als der Hauptplatz der Baduwis angesehen wird.
Der Weg nach Tjibeo läuft über Tjibungur, Bodjong-mentöng,
 Tjibaleger, Dandang, Kanekes und
uÖwenikel (Tjibö-üm ist jetzt von ihnen verlassen).
Jie Dessa Tjibeo besteht aus ungefähr 25 Häusern,
alle auf gleiche Art gebaut und in Reihen anzeordnet.
 Dieselben gleichen im Allgemeinen jenen
ler übrigen Bergbewohner in Bantam, stehen nämlich
benfalls auf Pfosten, 3-—4 Fuss über der Erde,
haben Bambuswände und Dächer von Kiray-Blättern
’Metroxylon) und sind alle mit der Vorderseite nach
Süden und Norden, niemals nach Osten oder Westen
zerichtet.
Die Baduwis werden unterschieden in Djel&ma-Jhalam,
 d.i. Menschen, die innerhalb, und in Djelemauar,
 d. i. solche, die ausserhalb des Hauptortes
wohnen, Die ersteren leben in Zurückgezogenheit
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XIX. 1889

on der Aussenwelt und halten die Gebote ihrer
Zeligion und ihre Hadats (d. i. ererbte Gewohnıeiten)
 strenge ein, während die Djel&ma-Iuar das
ıur thun, insoweit es ihnen die Umstände erlauben.
Die Djelema-dhalam sind alle verheiratet; sobald
ner ihrer Söhne seine Selbständigkeit erlangt hat,
nuss er den Hauptort verlassen; stirbt dagegen
ner der Männer, dann wird sein Platz alsbald
lurch einen Djelema-Iuar eingenommen. Der Girang-?u-un,
 welcher auch verheiratet sein muss, doch
ceine zweite Ehe schliessen darf, vereinigt die weltiche
 und geistliche Gewalt in sich, welche Würde
ınbesoldet, aber erblich ist; dieselbe geht auf den
iltesten Sohn. oder, wenn ein solcher nicht vornanden
 ist, auf den nächsten männlichen Blutsverwandten
 oder an den Girang-Dhalam über.
Der Girang-Pu-un darf sich nie sehen lassen vor
ıusserhalb des Hauptortes wohnenden Menschen und
liesen selbst nicht verlassen. Alle Geschäfte und
Verhandlungen mit den niederländischen oder einzebornen
 Beamten der indischen Regierung, kurz
‚Jle Beziehungen zur Aussenwelt werden durch den
Airang-Serat und den Djurubassa (Dolmetscher) mündich
 verhandelt und abgeschlossen, denn Schreiben
ınd Lesen ist den Baduwis streng verboten, weil
as „Bujut“ ist, d. i. ein Sündigen gegen ihre Religion
 und die Hadats.
Das Haus des Girang-Pu-un steht im südlichen
Theile des Ortes mit der Thür nach Norden geichtet,
 während die Balch (Versammlungslocal), wo
ıuch alle Sedckas (gottesdienstliche Mahlzeiten) und
5lamattans (Opfer- und Dankfeste) gefeiert werden,
ıtets gerade vor diesem Hause stehen muss. Neben
ler Balch und nördlich von derselben ist ein Schuppen
ron Bambus, worin alle Frauen in einem gemeinsamen
 grossen Lösung (hölzerner Trog) den Reis
ıtampfen. Die Reisscheunen haben eine eigenthümiche
 Form und stehen gewöhnlich alle in der Nähe
les eben erwähnten Schuppens.
Der frühere Hauptort Kanckes, welcher nach der
etzten Volkszählung nur noch 16 Familien mit
18 Seelen aufwies, bestand früher aus drei Kampongs,
 nämlich:
Kampong Tjikösiek bewohnt von 14M.') u. 14 Fr.?)
Tjikartawana » 15, „19,
Tjibeo am Flusse Tjih6o,
einem Nebenflusse des Tji-Jdjungs
 mit. . . .36, „44,

ı) M. = Männer.
2) Fr. — Frauen.
            
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