MITTHEILUNGEN
Anthropologischen Gesellschaft in Wien.
(Band XIX. Der neuen Folge IX. Band.)
IN
Sitzungsberichte.
Jannar 1889.
NHALT : Jahresversammlung am 15, Januar 1889. 1. Eröffnung; S. [I]. — 2. Jahresbericht; S. [1]. — 3, Rechnungsabschlüsse; S. [7]. — 4. Wahlen
in den Ausschuss; S. [8]. — 5. Wahl von Ehren- und correspondirenden Mitgliedern; S. [8]. — 6. Polak, Bronze-Armringe mit Schlangenköpfen
aus Persien und Kaukasien; S. [8]. — 7. Polak, Persische Tumuli; S. [5]. — 8. Hoernes, Notizen; S. [8]. — 9. Kopernicki, Anthropologische
und prähistorische Arbeiten in Galizien; S. [11]. — 10. Houdek und Jelinek, Casopis; S. [12]. — 11. Götting, Funde von der Vröka Cuka in
Serbien; S. [14]. — Vorstand und Mitglieder der Anthropologischen Gesellschaft in Wien; S. (15].
—
Jahresversammlung am 15. Januar 1889.
Vorsitzender: Herr Hofrath Dr. CARL BRUNNER VON
WATTENWYL.
Schriftführer: Herr Secretär Dr. Morız Hozrness.
„. Der Vorsitzende eröffnet die Jahresversammlung
ınd constatirt die Beschlussfähigkeit derselben.
Dass daneben unsere Ausgrabungsarbeiten nicht
zeruht haben, mögen Ihnen nachfolgende Angaben beveisen.
Nach Abschluss unserer mehrjährigen Arbeiten
uf der Gurina haben wir es für angezeigt gehalten,
zleinere Localitäten auszubeuten und durch allgemeine
ixplorationen nicht blos fühlbare Lücken zwischen den
jereits bekannten Fundorten auszufüllen, sondern auch
‚ventuelle neue Anhaltspunkte für künftige grössere
Jnternehmungen zu gewinnen, Wenn auch eine derırtige
vorbereitende Thätigkeit für den Anfang eine
zeringere Ausbeute an Fundgegenständen bietet, so
st sie doch gewiss eine würdige Aufgabe für unsere
xesellschaft, bei welcher der Gesichtspunkt des Sammelns
ırst in zweiter Reihe hervortritt.
So hat in Steiermark Dr, Frırz PicHLER in
ınserem Auftrage gegen 40 Localitäten untersucht,
velche grösstentheils unter die oben angeführten Gesichtspunkte
fallen. Zu entscheidenden Resultaten ist
ır jedoch vorläufig noch nicht gekommen, woran nicht
:um geringsten Theile die höchst ungünstigen Witteungsverhältnisse
des vorigen Sommers Schuld tragen.
bei der erprobten Umsicht und Zuverlässigkeit unseres
Jandatars zweifeln wir jedoch keineswegs, dass dessen
jeurige Schürfungen der nächstjährigen Campagne zuzute
kommen werden.
Unsere an mehreren Fundstellen Niederöster-'eichs
ausgeführten Untersuchungen lehrten auf's
Veue, dass die vorgeschichtlichen Wohnplätze in unserer
ıngeren Heimat zu allermeist einen zwischen der neoithischen
und der Bronzeperiode schwankenden Chaakter
an sich tragen, Für diese Beobachtung gibt
»s, namentlich in dem Viertel unter dem Manhartsberg,
vie überhaupt in den Ländern nördlich der Donau,
ne lange Reihe classischer Zeugen, denen sich nunnehr
auch die Ansiedlungen von Hippersdorf (Ger.-bez.
Kirchberg am Wagram) und auf dem Haslerberge
ei Schotterlee (Ger,-Bez. Laa) anschliessen. Die Ar-‚eiten
in Hippersdorf und Umgebung wurden von Herrn
)r. M, HogErRnEes, die auf dem Haslerberge und an
ınderen Punkten in der Nähe von Stronegg durch die
lerren Dr. Hozxrxes und J. SpöTrL gemeinsam auszeführt.
In Hippersdorf wurde zunächst ein am Fusse des
‚Hausberges“ gelegener Wohnplatz untersucht, der auf
jeschränktem Raum die hügelartig angehäuften Ueber-‚este
einer lange dauernden Besiedelung bewahrt hat.
2. Der Vorsitzende ersucht Herrn Secretär HOoEzERNESs,
ın Abwesenheit des Präsidenten den von Letzterem
verfassten
Jahresbericht
iber die Thätigkeit der Gesellschaft im abgelaufenen
Vereinsjahre zu verlesen. Derselbe lautet:
Geehrte Herren!
Ein Blick auf den Band XVIII unserer Mitthei-‚ungen,
welcher sich dank der energischen Thätigkeit
des Herrn ersten Secretärs bereits vollständig in Ihren
Händen befindet, gibt Ihnen klaren Einblick in die
Chätigkeit unserer Gesellschaft während des verflossenen
Jahres, Dass wir nicht hinter den Leistungen früherer
Jahre zurückstehen, beweist schon dessen Umfang.
Derselbe umfasst 48 Druckbogen und ist somit der
stärkste Band, den die Gesellschaft seit ihrem Bestehen
Zeliefert hat. Sie finden darin Arbeiten aus den sämmtlichen
Richtungen unseres so ausgedehnten Gebietes,
und vor Allem eine Rubrik, welche hoffentlich in
keinem künftigen Bande mehr fehlen wird, die Bearbeitung
des von uns selbst im Laufe der Jahre aufzesammelten
Materials. Kein Unbefangener wird ver-<ennen,
dass gerade diese letztgenannten Beiträge den
Werth unserer Ausgrabungen erst in das rechte Licht
3etzen, sowie, dass in denselben ein grosser Fortschritt
n der Beurtheilung der prähistorischen Verhältnisse
ınseres Vaterlandes zu Tage tritt. Die bereits gewonnenen
bedeutsamen Anhaltspunkte zu einer schäreren
Gliederung der alpinen Metallzeit sind als das
Ärgebniss jener eindringenden Erforschung und Verzleichungsarbeit
zu bezeichnen,
. Wir sind für diese fruchtbare Initiative den Herren
SzomBATHY und Hosrnes umsomehr verpflichtet, als
lie Vorbereitungen für die Eröffnung des naturhisto-'ischen
Hofmuseums deren Zeit und Kräfte in hohem
Maasse in Anspruch nehmen.
Aittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wıen. Bd, XIX. 1889. Sitzungsberichte