Lössfunde bei Brünn und der diluviale Mensch.
Erwiderung auf die kritische Studie des Herrn Karl Maska.
Von Alexander Makowsky
o. 6, Professor der Geologie.
(Mit 3 Text-Illustrationen.)
sprechen, im Löss von Brünn mit Sicherheit nachzewiesen
werden, und zwar: .
Elephas primigenius, Rhinoceros tichorhinus, Equus
ossilis, Bison priscus,‘ Alces, palmatus, Rangifer
arandus, Megaceros hibernicus, Cervus elaphus und
’apreolus, Ursus spelaeus, Hyaena prisca, Lupus
pelaeus, Vulpes lagopus, Meles taxus und Castor
iber 3).
Die im allgemeinen seltenen Reste von kleinen
5äugethieren, worunter Arvicola, habe ich deshalb
ılcht aufgenommen, weil mir ihr diluviales Alter
ılcht über jeden Zweifel erhaben schien; denn sie
anden sich in Klüften des Löss, wohin sie zufällig
>twa durch Wasserfluthen von oben gelangen konnten,
ıbgesehen von der Lebensweise vieler Nagethiere,
sich in Löchern und Erdspalten zu vergraben.
Obige Thiere fanden sich in ‘mehr oder weniger
zut erhaltenen Resten, wohl häufiger einzeln, im
Löss eingebettet; an Urei verschiedenen Stellen jedoch
waren die Reste mehrerer Arten und Individuen einer
Art in verschiedenen Altersstadien depötartig angehäuft.
Diese Erscheinung war umso auffälliger, als die
markhältigen Knochen phytophager Thiere, wie Pferd,
ind, Rhinoceros, in charakteristischer Form aufgeschlagen,
gebrannt, häufig von ‚einer Aschenkruste
ımgeben und zu förmlichen Knochenbrececien verainigt,
angetroffen wurden.
In der Nähe dieser Knochenhaufen, und zwar
»isher blos an zwei Stellen, am Rothen Berge in
7 m Tiefe und in der St. Thomas-Ziegelei des Urn-)jerges
bei Brünn in 12 m Tiefe im Löss, fanden
sich in beschränkter Ausdehnung und Mächtigkeit
Tolzkohlen und Aschenschichten, welche nur von
Terdfeuern des Menschen in der Diluvialzeit herühren
konnten, wenngleich begleitende Artefacte
nicht nachweisbar waren.
Einleitung.
In den Verhandlungen des naturforschenden Vernes
in Brünn, XXVI. BdJ., 1887, pag. 207—243,
aabe ich eine wissenschaftliche Abhandlung: „Der
‚öss von Brünn und seine Einschlüsse an diluvialen
Thieren und Menschen“ niedergelegt,
Dieselbe zerfällt in einen geologischen Theil:
Diluvial-Gebilde, Lagerung, Verbreitung und Bildung
des Löss um Brünn; und in einen paläontologischanthropologischen
Theil: Diluvialfauna und der Mensch
ler Diluvialperiode.
In ersterem Theile habe ich auf Grund eingehender
Untersuchungen den Beweis erbracht, dass der
Löss in allen höheren Lagen um Brünn nach seiner
uagerung und Zusammensetzung, wie insbesondere
nach seinen petrographischen und thierischen Einschlüssen,
als ein subaärisches Product im
Sinne RıonTHOorEN’s, als eine Ablagerung feinen Staubes
zu betrachten sei, welcher vornehmlich aus der Zersetzung
feldspathiger Gesteine hervorgegangen, durch
Luftströmungen von Gebirgen und Hochebenen fortzeführt,
in den Niederungen, besonders in Schluchten
ınd an windgeschützten Berglehnen abgesetzt und
ıngehänft wurde, ähnlich wie Schneewehen, mit
welchen die Lagerung des Löss eine unverkennbare
>hysiognomische Achnlichkeit aufweist.
An der Bildung des Löss betheiligte sich ausserdem
mit grosser Wahrscheinlichkeit jener kalkreiche
Gletscherschlamm, welcher in der Diluvialperiode
Jurch die bis an die Randgebirge Böhmens, Mährens
and Schlesiens reichenden nordischen Gletscher abgelagert
und durch heftige Winde in weite Ferne
geführt worden ist.
Diese Auffassung über die Bildung des Löss findet
ihre volle Bestätigung durch die Einschlüsse an organischen
Resten und deren Lagerungsweise, welche
im zweiten Theile der Arbeit eingehend geschildert
wurden,
Bisher konnten 15 grössere Säugethierarten, die
änem Wald- und Steppenklima der Diluvialzeit ent-Mitiheilungen
d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XIX. 1889.
1) In der December-Sitzung 1888 des Nat, Vereines in
3rünn legte ich nebst neuen Belegen obiger Arten einen
Interkieferast von Felis spelaea vor, wodurch sich die Anahl
der grösseren Säugethierarten auf 16 erhöht.