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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 9=19.1889

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Tulädirohanädyäni p. 188: „Grossherzige Könige üben
sechzehn Arten von Werken .... zu Zwecken des
Dharma (Tugend), Käma (Liebe), Artha (Gewinn) und
Mukti (Erlösung), und zwar beginnend mit der Besteigung
 der Wage.“
An einer anderen Stelle wird unter der Ueberschrift:
 „tulipurushadänavidhinänäroghaghna“, d. 1.
Jie Vernichtung verschiedener Uebel durch die Gabe
‚Tuläpurusha“ aus dem Garudapuräna über unsere
Sitte noch das Folgende vermerkt:
„Die Spende „tuläpurusha“ aber, höre, hat ihren
Ursprung von Civa (Mrtyumjaya). Achterlei Metalle
muss man zur Stillung aller Krankheiten darbringen
"sc. nach der Weise des tulipurusha). Blankes Kupfer
dei „yahmana“?), Zinn zur Behebung von Hämor--hoiden,
 bei Epilepsie Blei, Kupfer bei dem furcht-»aren
 Aussatz, Bronze bei Plethora, Silber bei Menor-‘hagie
 und Urinkrankheiten, Gold bei allen Krankzeiten.“

Daraus ergeben sich für unsere Sitte zweierlei
Arten, die deutlich zwei auf einander folgende Stufen
Jlarstellen: 1. der ältere Usus, dass man sich gegen
Metalle etc. in Krankheitsfällen wägen lässt,
and 2. dass das Wagopfer nur mehr als Busse, als
Bethätigung rechter, verdienstlicher Gesinnung erscheint,
 eine deutliche Abschwächung der älteren
Jebung. Unter diese beiden Arten fällt Alles, was
an einschlägigem Stoff aus den Puräna’s und ähnlichen
 Werken beigebracht werden kann. Derselbe
ist ziemlich umfangreich, und zwar sind es nicht
nur die jüngeren, sondern auch erwiesenermassen
alte Puräna’s, welche unserer Sitte an mehreren
Stellen ausführlich gedenken, so das Bhavishjottarayuräna
 (WzzEr im Verz. der Berl. H. p. 157 [idhyäüya
170], Matsya-puräna im Verz. der Oxforder Handschr.
43, a, 15; auch im Caturvargacintämani citirt finden
sich das Lingapuräna und das Vahnipuräna u. dgl, m.
Als Beweis, wie häufig und eingelebt die Sitte
les tulipurusha im indischen Leben und Ceremonialvesen
 wohl gewesen sein muss, ist auch der eigen-:hümliche
 Umstand anzusehen, dass Yajnavälkja’s
Dharmacastra, das wohl nicht jünger als das zweite
1achehrist], Jahrhundert sein kann, 3, 323 bei Auf-‚ählung
 verschiedener Bussen den Namen tuläpurusha
einer Busse ertheilt, die in dreitägiger Wiederholung
einer bestimmten Speisenordnung besteht — was nur
ınter der Voraussetzung möglich und denkbar erscheint,
 dass die specielle Benennung: „der Mann
ıuf der Wage“ in Folge ihrer Häufigkeit zu dem
allgemeinen Begriff einer „Busse“ herabgesunken war

ınd als solcher dann in der Art indischer Classifi-;atoren
 an irgend eine beliebige Art gegeben wurde.
Diesen Theorien entsprach denn auch die Praxis
les indischen Lebens, wie sie uns in geschichtlichen
Nachrichten überliefert ist. Den Berichten aus den
7’uräna’s reihe ich als pseudohistorischen Mittheilungen
nen thatsächlichen historischen Excurs über unsere
Sitte ein. Er stammt aus der Zeit Akbar’s des Grossen
ınd findet sich in der berühmten Biographie Akbar’s,
lie dessen grosser Vezir Asvpun Fazıu verfasst hat. In
ler Schilderung der Hofeinrichtungen gibt er p. 222
ler engl. Uebersetzung des Äyzen AxsEry von der
5ltte folgenden Bericht:
„Als ein Mittel, den Armen eine reiche Spende
;ukommen zu lassen, wird die königliche Person
‚weimal des Jahres gewogen, wobei verschiedene
«rtikel in die andere Wagschale gelegt werden. Das
ste Mal wird diese Ceremonie am ersten Tag des (pers.)
donats Aban (October) vollzogen, der den entgegen-‚esetzten
 Sonnenstand zu dem Geburtstag des Königs
at. Er wird dann zwölfmal gegen folgende Artikel
‚1ewogen: Gold, Quecksilber, Rohseide, Parfums, Moschus,
 berauschende Specereien, geschmolzene Butter,
Sisen, Reis, Milch, Korn (in 8 Arten) und Salz. Das
‚weite Mal wird diese Ceremonie am fünften Tag des
arab.) Monats Redschib vollzogen, wobei der König
ıchtmal gegen folgende Dinge gewogen wird: Silber,
Zinn, linnene Gewänder, Blei, trockene Früchte,
jesamöl und Gemüse. Bei dieser Gelegenheit wird
las Fest von Salgirah gefeiert und werden Gaben
ın Leute jeden Standes vertheilt. Des Königs Söhne
ınd Enkel werden einmal im Jahre an dem Tag des
ntgegengesetzten Sonnenstandes ihrer Nativitäten
‚egen 7 oder 8 Dinge (12 Dinge) gewogen...“
Es bezeugt gewiss die besondere Popularität und
iingelebtheit der Sitte, dass sich ein persischer
Iof, wie der Akbar’s, dennoch veranlasst fand, dieelbe
 auf diese feierliche Weise in sein Ceremoniel
‚ufzunehmen — ein Hinweis, dass an indischen
"ürstenhöfen, deren Einrichtungen eben Akbar aus
olitischen Gründen copirte, dieser Brauch ein altvergebrachter
 und allgemeiner gewesen sein dürfte.
n der angegebenen Art wird denn auch die Sitte
js auf die heutive Zeit in Indien ausgeführt, was
»h durch zwei Fälle aus den letzten Jahrzehnten
jelege; nach Mittheilungen von Gelehrten, welche
las heutige Indien genau kennen, ist der Fall in der
"hat gar nicht selten, dass ein tuliäpurusha vollzogen
vird — es heisst aber dann, dass der Betreffende ein
sehr böses Gewissen gehabt haben müsse. H. ScuLaG-
            
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