vorhanden waren. Folglich kann man behaupten,
lass in Transilvanien Slaven sassen, unter denen
las bulgarische Element vorherrschte.
3. Herr J. MiıLowımow: Die Stadt Kostroma
ın historisch-archäologischer Beziehung. Im oberen
Wolga-Gebiete lebte einst der Volksstamm der MerJänen;
auch das jetzige Gouvernement Kostroma gehörte
zum Wohngebiet jenes Volkes. Vielleicht ist der
zeographische Name Nerechta (eine Stadt im Gouvernement
Kostroma) als eine Veränderung des Wortes
Merechta aufzufassen und vermittelt dadurch eine
Beziehung zu den Merjänen. Ueberbleibsel der alten
heidnischen Zeit sind das Volksfest „Kostroma“ und
mehrere die Liebe verherrlichende Gesänge, Die Colonisation
jener Gegenden durch Slaven beginnt sehr früh,
so dass in geschichtlicher Zeit schon daselbst eine
Ännisch-slavische Bevölkerung vorhanden ist. Die Herleitung
des Namens . „Kostroma“ ist unbekannt; der
Name wird für einen slavischen gehalten. Die heutige
Stadt Kostroma wird zuerst im Jahre 1213 erwähnt.
Prof. D. Korssaxow weist auf die Verwandtschaft
ler Tscheremissen - Sprache mit anderen finnischen
Sprachen hin. Die Sprache der Merjänen ist freilich
verschwunden, aber viele geographische Namen im
früheren Wohngebiet der Merjänen lassen sich
mit Hilfe der Sprache der Tscheremissen erklären.
Die Tscheremissen selbst nennen sich heute noch
Maro, d. i, Mensch-Mann. Neuerdings hat ein Lehrer
am Seminar in Kasan, Semanow, ein Tscheremisse
von Geburt, sich eingehend mit dem Studium der
ıscheremissischen Sprache beschäftigt. Unter den
gesammelten Worten findet sich auch das Wort
„Kaschtyrmy“ oder Kaschtyrgymy, in der Bedeutung
„dem Winde zugänglich“, nach der Windseite geöffnet.
Vielleicht ist hieraus die Entstehung des
Namens der Stadt „Kostroma“ abzuleiten.
Herr J. A, Isnosxow theilt eine unter Tschuwaschen
und Tscheremissen herrschende Volksüberlieferung über
die Entstehung der Kurgane mit. Ein Riesen-(Held),
Olyp-Tupry genannt, wanderte einst mit
Bastschuhen durch tiefen Schmutz; wo er den Schmutz
von seinen Schuhen schüttelte, da entstanden jene
dügel, welche man heute Kurgane nennt.
4. Herr W. Sawırnewmsca, Gab es ein Volk der
Sulitschen? Diese Frage ist in Folge verschiedener
Lesarten der alten Chroniken aufgeworfen und verschieden
beantwortet worden. Nach der Ansicht des
Vortragenden gab es im Posul-Gebiet einen besonderen
slavischen Stamm, der sich von den Sewer
jänen in Tschernigow unterschied.
Herr L. N, MaAıxow lenkt die Aufmerksamkeit
uf den Geographen von Ravenna (VIIL—IX. Jahrıundert),
der eines Stammes der Ulitschen (Unlizi)
Srwähnung thut. Die Lesart der Chronik Sulitschi
zei falsch.
5. Herr J.. Isnoskow spricht über nichtrussische
zeographische Namen einzelner Gegenden Russlands.
Zr theilt Folgendes mit: @) Ein alphabetisches Ver-‚eichniss
der Namen der bewohnten Orte, Flüsse
ınd Bäche im Gebiet der Merjänen, so weit die
Namen mit Hilfe des Tscheremissischen erklärt werden
zönnen. Szmzaxow, Lehrer am Seminar in Kasan, hat
nsammengestellt: 264 Ortsnamen des Gouvernements
raroslawl, 177 Ortsnamen des Gouvernements
Kostroma, 148 aus Wladimir, 136 aus Nishny-Nowgorod,
67 aus Moskau, 48 aus Wologda
ınd ähnlich lautende Namen von Orten der Gouvernements
Wjatka, Kasan und, Ufa. 0) Ein Ver-‚eichniss
der Flüsse der beiden Gouvernements W oogda
und Archangel, angefertigt von N. K. Ram-;gWırscH,
Ein Theil der Flussnamen endigt auf enga,
„ B.: Schor-enga, Ramen-ga, Wa-en-ga; ein
ınderer Theil endigt auf anga,.z. B.: Rabanga,
lurmanga, Scharanga; wieder ein anderer endigt
uf juga: Uftjuga, Kondjuga, Chanjuga. Alle
zenannten. Namen sollen aus dem Syrjänischen herstammen.
c) Was bedeutet der Name Kaissar? Der
Mönch Gerassim in Wologda baute sich 1147 eine
Zinsiedelei und eine Kirche am Kaissar-Bach. Kaissar,
Cainssar, Kaussar bedeutet einen Birkenwald. Diese
Zezeichnung ist häufig in solchen Gegenden, deren
Zinwohner türkischen Ursprungs sind.
6. Cur. P. JASCHTSCHURSHINSKI. Ueber die Spuren
les Heidenthums in den Bestattungsgebräuchen in
Xlein-Russland. Allen alten Beerdigungsgebräuchen
jegt der feste Glaube an eine Fortdauer des Menschen
ıäch dem Tode zu Grunde. Noch vor 50 Jahren
egte man jedem Todten (in Klein-Russland) ein
3rot, einen Topf mit Grütze und eine Flasche mit
3ranntwein in den Sarg. Noch heutigen Tags besteht
Jer Gebrauch, am Abend des Beerdigungstages ein
Stück Brot und ein Glas Wasser in den Vorraum
les Bauernhauses zu stellen, Die Leiche wird in
3inem mit Ochsen bespannten Wagen oder Schlitten
zum Kirchhof geführt; man wirft Geldstücke in das
»ffene Grab zum Besten des „Didka“ (wörtlich des
jrossvaters), doch ist darunter ein unterirdisches
Wesen. zu verstehen, Die Leiche einer Jungfrau wird
oräutlich, wie zur Trauung, geschmückt; das Haupt
wird mit Bändern, Blumen und Blättern bekränzt.