Terramaren in Ungarn.
Von Dr. Ingvald Undset in Christiania.
Mit 2 Tafeln und 7 Text-Ilustrationen,
Bei dem im Jahre 1876 in Budapest abgehaltenen
nternationalen Archäologen- Congress wurden die
‚ahlreichen anwesenden fremden Archäologen durch
Ungarns grosse Reichthümer an urgeschichtlichen
Resten im höchsten Grade überrascht, In erster Linie
war es die Fülle von Bronzen von eigenthümlichen
Formen, die eine eigene, scharf ausgeprägte Gruppe
oildeten, welche die Aufmerksamkeit der Fremden
n Anspruch nahm und nicht wenig die nordischen
\lterthumsforscher interessirte, weil sie hier so viele
Anhaltspunkte und Aehnlichkeiten für nordwestichere
und nördlichere Vorkommen wiederfanden.
Aber dann auch andere, beim ersten Anblick minder
n die Augen fallende Vorkommen; verschiedene
Archäologen wurden, wie ich, mit Spannung und
ürwartung erfüllt, nachdem Prof. Pıcorısı aus
Rom, der berühmte Erforscher der norditalischen
Terramaren, auseinandergesetzt hatte, wie sehr einige
*undecomplexe (mit Thongefässen, Geräthen aus Stein
and Horn, Mahlzeitresten, Artefacten aus Thon,
Stein und auch Bronze u. A. m.) ihn angeregt hatten,
weil sie ihn auffallend an die Funde aus den italischen
Ferramaren erinnerten. Nach dem Schlusse des Conzresses
wurde dann auch von den gastfreundlichen
ınd entgegenkommenden ungarischen Wirthen ihm
and einigen anderen von den fremden Archäologen
Jie Gelegenheit geboten, einen von den hervorragendsten
dieser Fundplätze, den von Töszeg, zu besuchen.
Fräulein Mzstorr, die Professoren Virchow
and Pıcorıni konnten in Begleitung von ungarischen
Treunden einen mehrtägigen Ausflug nach Töszeg
nNachen, eine kleine Ausgrabung dort vornehmen
ınd die Fundverhältnisse selbst studiren. Ausgrajungen
im grösseren Massstabe scheinen später dort
ılcht vorgenommen worden zu sein; allerdings hat
1achher Römer in dem im letzten Jahre endlich
romplet gewordenen zweiten Bande des Congressjerichtes
einen Aufsatz über ungarische Terramaren
publieirt, aber immerhin bilden jedoch die Berichte
der genannten ausländischen Gelehrten über jene
Reise die wichtigste Grundlage unserer Kenntnisse
7on jener interessanten Station %).
Inzwischen haben spätere Forschungen die einıchlägigen
Fragen besser beleuchtet, so dass wir jetzt
larüber klar sind, welche hochwichtigen Aufschlüsse
vir eben über diesen Punkt zu erwarten haben.
Vährend meiner mehrjährigen, vergleichenden Studien
rewidmeten Reise (1881—1884) in Süd- und Mittel-%uropa
kam ich immer und immer wieder auf die
“rage zurück: Wie verhalten sich die norditalischen
l’erramaren zu den ältesten jener ungarischen Staionen,
wie diese überhaupt zu der ungarischen
3ronzezeit und wie die Anfänge dieser Gruppe zu
len ältesten italischen und nordischen Bronzen?
Im Spätherbste 1883 besuchte ich wieder Budaest;
ich kam dahin mit der Hoffnung, über diese
7rage nähere Auskünfte zu erhalten; ich gewann
ıber damals den Eindruck, dass man sich seit 1876
gsonders mit den reichen Bronzefunden etc. bechäftigt
hatte, während eine planmässige Unteruchung
jener merkwürdigen Stationen nicht erfolgte,
so dass man in der Erkenntniss derselben nicht viel
weiter als in 1876 gelangt war. Als ich später in
Vien mit Herrn v. HochsteTrter über diesen Punkt
prach und ihm meine Gedanken darüber entwickelte,
velche Aufgaben eben hier der Wissenschaft in der
sterreichisch-ungarischen Monarchie noch vorlägen,
.rzählte er mir von einem im Jahre 1879 bei Töszeg
vemachten Besuche und zeigte mir die Skizzen der
‚Ocalitäten, die er damals für einen Aufsatz über
‚jjesen Besuch gemacht hatte. Nach dem leider viel
‚u frühen Tode dieses ausgezeichneten Forschers
ıabe ich auf eine gelegentliche Nachfrage, ob eine
1ainterlassene Arbeit von ihm über diese ungarischen
1) Vgl. Mzstorr: Der internationale Anthropologen- und
\rchäologen-Congress in Budapest, Hamburg 1876 (0. Messner);
Dxaonını: Terremare Ungheresi (in Bullet. di Paletnologia II
1876], pag. 230—241); VIRCHOW: Terramare an der Theiss
ınd über ungarische Alterthümer überhaupt (Verhand. d.
Zerliner Anthropol. Gesellsch, [18761], Sitzung v. 18. Novbr.).