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Seine Weise der Geschichtsbetrachtung verdient umsomehr
sine ernste Würdigung, als er der Erste ist, welcher sich in
Bezug auf die Südslaven von den unzuverlässigen schriftlichen
slavischen Ueberlieferungen frei zu machen gewusst hat, Seine
herrlichen landschaftlichen Schilderungen sind auch für das
Verständniss des südslavischen Guslarenliedes höchst werthvoll.
Dr. Hoyanss hat nämlich den grossartigen landschaftlichen
Hintergrund aufzuzeichnen verstanden, auf welchem
sich die Begebenheiten der südslavischen Guslarenlıeder abspielten.
Man wird dieses Buch als einen erfreulichen Commentar
zu jeder Sammlung südslavischer Volksüberlieferungen
mit Nutzen lesen. Dr. Hoxgrnzss ist als Berichterstatter über
Ethnographisches am zuverlässigsten, wo er Selbstgesehenes
beschreibt oder abbildet, so z. B, Volksspiele, Ackergeräthe,
Haus und Hof und Gegenstände des häuslichen Gebrauches
und nicht zum Geringsten die alten Denksteine, über deren
Kunstwerth er ein sehr abfälliges Urtheil abgibt. Anfangs
wurde deswegen Dr. Hoxgrnes von den Südslaven über die
Maassen geschmäht, in Jüngster Zeit aber hat er bei den
Zinsichtigeren die gebührende Anerkennung gefunden (vergl,
Bosanska Vila 1888, Nr. 4—5) als der erste wissenschaftliche
und grundlegende Erklärer jener merkwürdigen Grabdenkmäler.
Mag sich der Folklorist mit Dr. Hoxrnes’ Deutung
der Volksüberlieferungen sonst auch nicht einverstanden erklären,
das Eine wird man ihm aber immer gerne einräumen,
dass er eine Menge wichtiger Fragen über Herceg-—Bosna in
‚rischen Fluss gebracht hat. AJles Lob verdient die beigegebene,
sorgfältigst ausgeführte Landkarte. Krauss.
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Haberlandt, Michael. Der altindische Geist. In
Aufsätzen und Skizzen. Leipzig. Verlag von A. G.
LiEBESKIND, 1887.
Die Aufsätze und Skizzen, welche der Verfasser hier zu
einem Bande vereinigt hat, beleuchten das indische Geistesund
Culturleben nach sehr verschiedenen Richtungen, Namentlich
hat es sich HasırnanDr zur Aufgabe gemacht, den Fäden
nachzugehen, welche unser Culturleben mit dem altindischen
verbinden, So zeigt er z. B. in dem Aufsatz „Der Geist des
Schachspiels“, wie dieses Spiel ganz und gar das Gepräge
des indischen Geistes trägt. „Der indische Fridolin“, „Der
Mann im Brunnen“, „Goethe’s indische Legenden“ sind hübsche
Beiträge zur Märchenforschung. Auch auf das Gebiet der
Mythologie begibt sich der Verfasser, Sehr treffend ist insbesondere,
was derselbe über Gott Amor sagt. Die Pfeile
des Eros sind gewiss nicht anders zu erklären, als die Pestpfeile
des Apollo. Und diese Erklärung dürfen wir wohl auch
für den indischen Käma gelten lassen, Der Aufsatz „Indischer
Bergeultus“ handelt zwar mehr über Bergpoesie als über
Bergcult, gibt aber sehr treffende Beobachtungen über das
Naturgefühl bei den Indern, Die Studie über „Die indische
Frau“ möchte wohl besser „Die Frau in der indischen Poesie“
betitelt sein. Zu allen Zeiten und bei allen Völkern hat ja
lie Frau in der Poesie eine ganz andere Behandlung erfahren
als im wirklichen Leben, Das ist auch in Indien der Fall:
in der Poesie ist sie Alles, im Leben eine Null, die mit dem
Tode des Mannes ihre Existenzberechtigung verliert. In
JTABERLANDT’S Darstellung erscheint das Los der indischen
7rau allzu rosig. Am glücklichsten ist der Verfasser, wo er
sich in den Geist der indischen Poesie versenkt — ich verveise
auf die schönen Essays: „Die Lotusblume“, „Der Diamant
in Indien“ und auf die vielen feinen Bemerkungen in
len Skizzen und Aphorismen, Wenn auch das Buch zunächst
lazu bestimmt ist, ein grösseres Publicum für unsere Wissenschaft
zu interessiren, so wird doch auch der Fachgelehrte
manche Belehrung und viel Anregung darin finden,
Winternitz.
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Zaumann, Dr. Oscar. Eine afrikanische Tropen-Insel.
Fernando-Poo und die Bube. Wien, Verlag
von Hönzen, 1888,
Der Verfasser gibt uns zuerst ein übersichtliches Bild
ler Natur- und Bevölkerungs-Verhältnisse der kleinen Vulkannsel.
Für uns kommen hauptsächlich nur das V. und VI. Capitel
ı Betracht, welche beide von den ethnologischen Verhältnissen
ıerselben handeln. Die Gliederung der Bube in zwei Stämme
ITbuau und Mbariawata kann Baumann nicht bestätigen;
x will sie höchstens für die Vergangenheit gelten lassen.
)ie Zahl der Bube gibt er mit 20—25.000 Seelen an. Dann
olgen Nachrichten über die Verwandtschaft und die Dialekte
ler Sprache. Interessant ist das fünfstellige und sogar auch
‚echsstellige Zahlensystem. Bei der Erörterung der Bekleidung
st besonders der Excurs über die Schmuckgegenstände, von
welchen wieder die Muschelsplitter am wichtigsten sind, werthroll.
Interessante Aufschlüsse bietet das Buch über die Bauırt
der Häuser, welche in Versammlungs- und Wohnhäuser
zerfallen. Die aus Amerika und Afrika importirten Gewächse
ehlen, insbesondere auch der Maniok, was noch mit vielem
\inderen für die lange Isolirung der Bube spricht.
Was das Geistesleben der Bube betrifft, so bewegt sich
lasselbe auf dem breitgetretenen Pfade der meisten Naturrölker.
Bemerkenswerth ist, dass bei der Geburt keine be-‚onderen
Ceremonien gebräuchlich sind, worin die Bube von
lien meisten Völkern abweichen. Die räumliche Ahsonderung
ler beiden Geschlechter während der Jugendzeit, die Vielveiberei,
der Brautkauf, sind alles wohlbekannte Züge aus
ler Völkerpsychologie. Die Beschneidung ist nicht bekannt,
Jeschwisterehen häufig; die Moralität ziemlich hoch, das
Iheleben relativ günstig. Die musikalischen Anlagen sind
lürftig, die Tänze werden bei Tage ausgeführt, bieten aber
ıichts Bemerkenswerthes, Die Verfassung einfach centralistisch,
jer oberste Chef ist Moke, welcher die Bube geeinigt, die
Zriege abgeschafft und statt dieser Volksversammlungen zur
‘chlichtung der Streitfälle, bei welchen freilich abergläubische
vlemente grosse Rolle spielen, eingeführt hat. Sonst hat
much jedes Dorf einen eigenen Chef, unter welchen sich auch
ıicht selten weibliche finden, Die religiösen Anschauungen
‘'ussern sich in der Verehrung von Naturgeistern, Ueber religiöse
tjebräuche und Ceremonien finden wir wegen Mangel an
Vachrichten nur wenige Worte.
Das Buch ist frisch geschrieben und macht den Eindruck
ler grössten Zuverlässigkeit. Wir können es nicht nur zum
Lesen, sondern auch zur Nachahmung für andere Reisende,
welche kleinere Gebiete bereisen, empfehlen.
Plischke.