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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 8=18.1888

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zählt die Zadruga Dedini Pejni 55 Seelen, Merkwürdig ist
eine Notiz (8.12), wonachin Planinica der Zadruga Velikini
eine Frau: baba Velika der Hausvorstand der Gemeinschaft
 war. So ein Fall aus der serbischen Zadruga ist kaum
erhört.
Für Hausgemeinschaft sagt der Bulgare um Sofija
herum nicht etwa Zadruga, sondern Kupätina (Versammlung,
 Gemeinsamkeit). Das Wort Zadruga hält
3061816 als nicht volksthümlich. Ich selber war noch in
„Sitte und Brauch der Südslaven“ dieser Ansicht, doch fand
ich es später auf meiner Reise in Bosnien auch im Volke
localisirt und zwar bei den Katholiken in der Majevica
ınd bei den Mahommedanern in Doljni Vakuf, sonst nicht.
Die Rechte und Pflichten des Hausvorstandes und der
Schaffnerin sowie der übrigen Mitglieder der Hausgemeinschaft
 sind die gleichen wie bei den Serben und Croaten.
Die Mädchen werden meist ausgeheiratet, nicht selten aber
nimmt die Gemeinschaft zwei, drei Eidame ins Haus auf.
Die Frauen, die wegheiraten, sind gar nicht erbberechtigt
in Bezug auf unbewegliche Habe, Die Mädchen bekommen
aus der gemeinsamen Casse einen Ausstattungsbeitrag von
50—120 Levs (Francs). Die Darstellung des Rechtsorganismus
der Hausgemeinschaft ist hübsch, nur wären uns mehr
Belege erwünscht. Zum Schluss erhebt GzES&ov Klage über
den rapiden Verfall der Institution und plaidirt für die Erhaltung
 derselben. Krauss.

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Böhme, Franz M. Geschichte des Tanzes in Deutschland,
 Beitrag zur deutschen Sitten-, Literatur- und
Musikgeschichte. Nach den Quellen zum erstenmal
vearbeitet von —. I. Darstellender Theil. 1886.
II. Theil: Musikbeilagen: Tanzlieder und Tanzmelodien
 von älterer Zeit bis zur Gegenwart.
Leipzig 1887, Breerrkorr und Härten.
Dieses Werk gibt die erste zusammenhängende Darstellung
 alles dessen, was auf deutschen Tanz der Vorzeit
sich bezieht; es ist eine ausführliche, genauer gesagt, die
ausführlichste, mit zahllosen Belegen versehene Beschreibung
der deutschen Tänze. Die Einleitung bespricht den Begriff,
die Entstehung und die Arten von Tanz und die ältesten
Ausdrücke für Tanz. Nur der Mensch kann, nach Bönunse’s
Definition, tanzen. Die Erfinder der Tänze sind, wie die Verfasser
 der Volkslieder, längst vergessen. Melodien wurden in
ältester Zeit nur mit Worten gesungen. So entstanden Tanzgesänge.
 Der Tanz ist auch Heiratsvermittler. Ursprünglich
 mag der Tanz wohl die primitivste Art gegenseitiger
Liebesbewerbung vorgestellt haben. Nach ihrem Zwecke und
Inhalte theilt Bönus alle Tänze der Vorzeit und Gegenwart
ein in: religiöse, in Kriegstänze, Theater- und Gesellschaftstänze.
 Der Schwertertanz ist nicht specifisch
deutsch, sondern vielmehr international. Vor drei Jahren sah
ich sogar in der Hercegovina (Zitomisliei) von Bauern bei
der Kirmess einen solchen Tanz aufführen, Die Fest- und
Opfertänze der Germanen (S. 9 ff.), die Begräbnisstänze
und der Tanz in der germanischen Sage (Elben- und Nixen-.
Riesen- und Zwergentänze) werden gründlichst besprochen.

Zutreffend vergleicht Bönmge den ältesten Tanz der Germanen
nit unserem heutigen Kinderreigen, welches dem süd-Javischen
 Kolo gleichkommt. Beachtenswerth ist die Vervünschung
 heidnischer Tänzer im 11. und 12. Jahrh, (S.19 ff.),
lie Schilderung des Hexentanzes und des Geister- oder
S5eelentanzes, den man mit dem südslavischen Movje-Tanz
ınd dem Vilinsko kolo identificiren darf. Das III. Capitel
’>ehandelt den Tanz zur Minnesingerzeit (12.—14. Jahrh.).
3esonders interessant ist Capitel IV, die Tanzwuth im Mittelılter
 (14. und 15, Jahrh.) behandelnd, welche ihr Analogon
n der jakutischen Merjakerei derzeit findet. Wichtig ist
lie Erklärung des Todtentanzes (Cap. V). Die folgenden
\bschnitte behandeln den deutschen Tanz (Bauerntanz) im
4.—16. Jahrh., reproduciren die Urtheile und Predigten über
Tanz im Mittelalter bis zur Neuzeit, die obrigkeitlichen Ver-»ote
 gegen das Tanzen u. s. w. und geben eine klare Uebericht
 über allerhand Volkstänze, die noch jetzt zuweilen ge-'anzt
 werden (Cap. XII). Den Ethnographen werden besonders
inregen Cap. XVI: Tanzmusik und Tanzmusiker, und
Jap. XVII: Fortleben der alten Volksreigen im
<inderspiel. Angesichts der kolossalen Arbeit, die uns der
;rste Theil darbietet, wäre es ein Vergehen, gegen Bönmge im
Einzelnen nach bekannter aber unbeliebter Weise zu polemiiren,
 Eine Bemerkung kann ich aber doch nicht unterdrücken.
3öHME räumt, von einer seltsamen Bescheidenheit befangen,
len Slaven und Romanen einen zu breiten Einfluss auf die
intwicklung des deutschen Tanzes ein, während in Wahrheit.
jesonders der Slave den Kunsttanz erst von dem culturell
ıöher stehenden Deutschen gelernt, worauf der Deutsche mitınter
 seinen eigenen Tanz etwas modificirt zurückerhalten
hat. Ich traue mir zu, dass ich schon jetzt dafür den Nachweis
 zu erbringen im Stande wäre. Endgiltig könnte die
“rage erst entschieden werden, wenn uns sowohl über die
lavischen als über die romanischen Tänze solche gediegene
Werke wie Bönme’s über den deutschen Tanz vorlägen. Leider
st gerade seitens der Slaven keine Aussicht auf Erfüllung
ınseres Wunsches zu gewärtigen. Im II. Theile sind die
neisten Melodien vom 13. bis 17. Jahrhundert von Bönmg
;elber mühsam gesammelt, aus alten Notationen entziffert
ınd hier zum erstenmal veröffentlicht. Krauss.

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[Ioernes, Dr. Moriz. Dinarische Wanderungen.
Sultur- und Landschaftsbilder aus Bosnien und
der Hercegovina. Mit fünfzig zum Theil nach
Skizzen des Verfassers ausgefertigten Abbildungen
and einer Karte. Wien. Cart Grasser, 1888.
Dr. Hogryes bietet uns hier eine Sammlung seiner
<leineren in verschiedenen Zeitschriften zerstreuten Aufsätze
Ind Abhandlungen archäologischer und culturhistorischer Art
iber Bosnien und die Hercegovina. Neu hinzugekommen
ind viele schätzenswerthe ethnographische Schilderungen. Die
zeologische und klimatische Beschaffenheit des Balkans ist
ler Ausgangspunkt seiner Betrachtungen. Daraus sucht er
nit Recht die Eigenthümlichkeiten der Aeusserungen süd-;lavischen
 Geistes in alter und neuer Zeit zu erklären. So
relangt er unabsichtlich auch auf das Gebiet der Geschichte.
            
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