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für heilig, Dominikaner haben sich dort niedergelassen und
zahlreiche fromme Pilger walfahrten dorthin, um die Grotte
der heiligen Magdalena, welche man dort zeigt, zu besuchen.
Was hier interessirt, sind aber nicht diese Verhältnisse,
sondern die damit im Zusammenhange stehenden kleinen
Steinhaufen, die in provencalischer Sprache Castellets
(Schlösser) genannt werden. Fromme Wallfahrer, die von
weit her kommen, namentlich jung verheiratete Ehepaare,
errichten hier oben die kleinen Steinhaufen gleichsam als
Zeichen ihrer Anwesenheit und ihres Gelübdes. Die Haufen
sind in grosser Menge um das Kloster herum, bei der Grotte
längs des Weges, im Walde vorhanden und überraschen durch
‚hre Anzahl. Dr. BurenerrR beschreibt zweierlei Arten von
diesen Steinmonumenten: erstens kleine, pyramidal angeordnete
Kieselhaufen und dann längliche Steine, die aufrecht
in eine Felsenspalte geklemmt einen kleinen Menhir vorstellen.
Mit Vorliebe sind sie ganz nahe an dem jähen, fast senkrechten
Abfall des Berges errichtet.
Zur Erklärung des Brauches bringt der Verfasser Folgendes
bei. Die jungen Provencalen, Handwerker u, s. w., welche
sich selbstständig machen wollen, errichten hier solche Steinhaufen
ex voto und zum Zeugniss, dass sie die Pilgerschaft
ausgeführt haben, daher heisst ein solcher Haufen monceau
du t&moignage. Auch nennt man sie provencalisch mouloun
de joye (Freudenberg, Freudenhäufchen). Verlobte benützen
diese Hanfen als eine Art Orakel; wenn sie dieselben errichten,
bitten sie die heilige Magdalena, ihnen zu offenbaren,
ob ihre Wahl eine glückliche gewesen sei oder nicht. Im
nächsten Jahre besteigen sie den Berg wieder; ist der Haufen
anberührt, so haben sie gut gewählt; ist er zerstört, so ist
dies ein Grund, die Verlobung zu lösen. Dr. Bürenerr fügt
hinzu, dass noch auf anderen Bergen der Provence, in den
französischen Alpen, im Jura, den Cevennen und Pyrenäen
lieser Bruch vorkomme.
Auch einige Parallelen aus Arabien und aus der Bibel
‘Genesis Cap. 12 und 31) fügt der Verfasser ganz richtig hinzu.
Indessen sind wir hier schon weiter und es darf das Thema
der Vergleiche auf diesem Gebiete wohl als erschöpft hbeirachtet
werden. Ich verweise auf Prsonen (Völkerkunde,
arste Auflage 25), auf meine Ethnographischen Parallelen
3. 46 --58, auf Fruıx LieBRechT (Zur Volkskunde p. 267 ff),
wo ein ungleich bedeutenderes Material beigebracht ist. Wir
sind in der Ethnographie jetzt soweit gelangt, dass es nicht.
ehr nöthig ist, überall ab.ovo zu beginnen; wo die
Arbeit schon gemacht ist, soll man sie nur kritisch betrachten,
nicht aber von Neuem anfangen, falls der Grund
jeststeht. R. Andree.
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Weisser, J. Der Bismarck-Archipel und das Kaiser
Wilhelms-Land. Mittheilungen der Geographischen
Gesellschaft in Hamburg, 1885—86. Heft HIT,
pag. 269—296.
J. Wursser gehört zu den besten Erforschern der Südsee
ın unserer Zeit. Er hat als Zahlmeister auf den Schiffen der
deutschen Flotte jahrelang Gelegenheit gehabt, namentlich
die melanesischen Inseln kennen zu lernen und ist im
September 1887 als Director des Bismarck-Archipels gestorben.
Publicirt hat er leider wenig; Einiges haben die
Zeitschrift für Ethnologie und die Verhandlungen der Ge-‚ellschaft
für Erdkunde in Berlin gebracht. Die vorliegende
ırbeit ist ein im Februar 1886 zu Hamburg gehaltener Vorrag,
der für die Ethnographie Melanesiens von Wichtigkeit
st und daher hier eine Anzeige verdient.
” Schon frühere Forscher haben darauf hingewiesen, dass
Veu-Guinea mit den östlich vorgelagerten Inseln keineswegs
ine einheitliche papuanische Bevölkerung besitze, dass
m Gegentheil sich hier vielfach polynesische Elemente einnischen.
Wesısser präcisirt dieses nun genauer und kommt
nfolge seines wiederholten Besuches aller Küstenstriche der
n Rede stehenden Inseln zu dem Ergebnisse, dass es sich
ıer um vier „Menschenstämme“ handelt. Traditionen, Sprache
Sitten und Gebräuche sind ihm die Grundlagen zu den
olgenden Unterscheidungen :
1. Echte dunkle Melanesier sitzen auf Neu-Britannien,
ı1amentlich der Gazelle-Halbinsel und bevölkern das südliche
Veu-Irland. Dieses sind die am weitesten nach Norden vorsedrungenen
Stämme des australischen Festlandes, Reste
lavon sitzen auf den Louisiaden, Rossel- und Woodlark-Inseln-2.
Helle Stämme mit deutlichen Anklängen an polynesische
Sprache und polynesisches Wesen im südwestlichen
Veubritannien. Nach Wxrsser Reste der ursprünglichen, vom
'ndischen Archipel ausgehenden polynesischen Auswanderung,
rermischt mit der von Australien eingewanderten dunklen Rasse.
3. Eine kastanienbraune Bevölkerung an der Ostküste
Jeu-Guineas bis Kap König Wilhelm, auf den Schachbrettınd
Admiralitäts-Inseln, auf Neu-Hannover und im nordvestlichen
Neu-Irland. Auch diese ist eine gemischte, wie
Nursser sagt, „doppelt gemischte“ Rasse aus Australiern und
>olynesiern.
4. Die hellste Bevölkerung, an Farbe den Eingeborenen
ler Karolinen gleichstehend, „nahezu rein Mikronesier“ auf
len Hermit- und Anachoreten-Inseln, Hauptmerkmale sind
lie etwas an chinesischen Typus erinnernden geschlitzten
‚ugen, lange Gesichter mit hervorstehenden Backenknochen
and die specifisch mikronesische Sprache, Es sind nur
500 Köpfe.
Mag man auch über die von WeEıIsserR angenommene Art
ler Wanderungen und Mischungen, die ja ganz hypothetisch
ind, verschiedener Ansicht sein können, so bleibt ihm doch
las Verdienst, die falsche Ansicht von der ethnischen Einheit
ler Neu-Guinea und den Bismarck-Archipel bewohnenden
7ölker zerstört zu haben, R. Andree.
25. 26.
Dost, Albert Hermann. Einleitung in das Studium
der ethnologischen Jurisprudenz. Oldenburg,
ScHuLze’sche Hofbuchhandlung. 1886. 53 8.
Derselbe, Afrikanische Jurisprudenz. Ethnologischjuristische
Beiträge zur Kenntnis der einheimischen
Rechte Afrika’s. Zwei Theile in einem Bande.
Ildenburg und Leipzig 1887. Schurnze’sche Hofouchhandlung,
I. Theil XV und 480 S., II. Theil
XXX und 192 8.
A. H. Posr ist schon seit Jahren bemüht, die Socialsychologie
als Erkenntnissquelle für die Rechtsphilosophie
ınd Jurisprudenz zur Geltung zu bringen. In seiner „Eineitung
in das Studium der ethnologischen Jurisprudenz“ ver-