Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 8=18.1888

37)

3. Zusammen schlage ich dir Zahn mit Zahn, zusammen
Auch Kiefer mit Kiefer, zusammen Zunge mit Zunge, zusamnen
 auch Rachen mit Rachen !).
Es darf uns nicht wundern, dass der Sänger
zuerst der Schlange seine Huldigung darbringt und
ihr dann verspricht, den Garaus zu machen, Der
Indianer macht es mit der von ihm als „Grossvater“
verehrten Klapperschlange nicht besser, „„Sei willkommen,
 Freund aus dem Geisterland“, redet der
Indianer sie an, der ihr begegnet, „wir waren unglücklich,
 unsere Freunde dort wussten es. Der

1) Atharvaveda VI, 56. „Der Schwarze“, „Der Quergestreifte“
 und „Svaja“ sind Namen von Schlangen, Svaja
ist nach dem alten Commentator Säyana eine zweiköpfige
Schlange; svaja heisst wörtlich „der aus sich selbst entstandene“,
 also ein Wesen, das aus sich selbst ein zweites
erzeugt hat, ein Doppelwesen. Auf diese „zweiköpfige“
Schlange bezieht sich jedenfalls der letzte Vers: „Zusammen
schlage ich Zahn mit Zahn“ u. s. w., nämlich Zähne, Kiefer,
Zunge, Rachen des einen Kopfes mit denen des andern.
GRıLL 8a. a, 0. S. 7 übersetzt daher falsch:
‚Der Zähne Reihn drück ich dir zu, zusammen auch der
Kiefern Paar,
Zusammen drück ich dir die Zung, das Maul auch
schliesse ich dir zu,“
Er sagt in der Note: „Die Vorstellung der Zweitheiligkeit
ist aus a) herübergenommen“. Deshalb, weil man von zwei
Reihen Zähnen, von Ober- und Unterkiefer sprechen kann,
sollte der Dichter auch von Zunge und Maul in der Zweiheit
sprechen können! Das heisst denn doch die „dichterische
Freiheit“ zu weit ausdehnen. Der Svaja ist aber gewiss
nichts anderes, als die Amphisbaena der Alten, von der
Plinius (nat, hist. 8, 23, 35) sagt: „Die Amphisbaena hat
vorn und hinten einen Kopf, als wenn es noch nicht genug
wäre, wenn sie aus einem Rachen Gift spiee“, Auch Lucanus,
 Pharsalia IX nennt „die gefährliche, doppelköpfige
Amphisbaena“, An ihre Zweiköpfigkeit glaubt selbst der
sonst so kritische Fra Paoııno noch. Er sagt von ihr (a. 8.
O0. pag. 250): „Irutalakuszali ist eine Schlange, die zwei
Köpfe hat, was auch immer CnHarLEron und Andere dagegen
einwenden mögen, Auf Portugiesisch heisst sie Cobra de duas
:abecas, auf Lateinisch Amphisbaena. Herr Rosier, Commandant
 zu Collam, wies mir zwei solche Schlangen, die er in
einer gläsernen Flasche aufbewahrte. Auch sah ich eine dergleichen
 im Gebirge von Maleatur, Sie ist eine oder anderthalb
 Palmen lang, hat die Farbe von verdorrtem Laube,
und kriecht nicht etwa, wie andere Schlangen, gerade vor
sich hin, sondern reckt immer den einen Kopf in die Höhe
und macht mit dem Leibe einen Bogen, wenn sie sich fortbewegt.
 Ihr Biss hinterlässt jederzeit eine Geschwulst, die
mit Gift angefüllt ist.“ Die Schlange hat natürlich nicht zwei
Köpfe, sondern sie ist am Kopf und am Schwanze gleichdick.
Herr Professor Bünıer erzählte mir, eine solche „Zweiköpfige“
Schlange sei einmal auf sein Zelt zu gekrochen. Als er das
Thier erschlagen hatte, sagte der Pandit, der dabei stand:
Sehen Sie Jetzt, dass das Thier zwei Köpfe hat!“

zrosse Geist wusste es. Du bist gekommen uns zu
Tösten. Wir kennen deine Botschaft. Nimm diese
Spende Tabak“, (er streut ihr etwas Tabakspulver
vuf den Kopf) „sie wird dir eine Stärkung sein nach
leiner langen Reise“, Mit diesen Worten ergreift er
sie am Schwanze, fährt ihr mit einem Kunstgriff
’asch über den Rücken hinauf bis zum Kopf und
‚erquetscht sie“ %. In einem anderen Liede des
Atharvaveda wird das Schlangengift beschworen,
us den Schlangen hinauszugehen; Paidva, das
schlangentödtende Ross, wird angerufen, die Schlanzen
 zu zertreten; Indra wird gepriesen, dass er die
Schlangen getödtet. Der Sänger jubelt, dass die
Schlangen ihres Giftes beraubt, dass sie getödtet
‚ind. Aber in demselben Liede huldigt er den Schlanzen
 mit den Worten:
Diejenigen von den Schlangen, die im Feuer geboren, die
n den Kräutern geboren, die im Wasser geboren und die
ıus dem Blitz hervorgekommen, deren Geschlechter zahlreich
iind und gross, diesen Schlangen dienen wir mit Verehrung ?).
Von der Göttin Virdj®°) wird erzählt, sie sei zuırst
 zu den Deva’s, den Göttern, gegangen, dann zu
len Gandharven (den himmlischen Musikern) und
tpsarasen (den Himmelsjungfrauen), hierauf zu den
!tarajana’s („den andern Wesen“, Dämonen):
„Dann schritt sie herauf und kam zu den Schlangen;
lie Schlangen riefen sie herbei: komm, giftbegabte! Ihr Liebing
 ward Takshaka, Visäla’s Sohn. Der Kürbis diente als
iefäss. Dhritaräshtra Airävata molk sie; er molk Gift aus
hr. Von diesem Gift leben die Schlangen. Lebensunterhalt
zewährend wird, wer solches weiss“ 4).
In einem Kriegszauber heisst. es:
„Gandharven, Apsarasen, Schlangen (Sarpa’s), Götter
Deva’s), Genien (Punyajana’s „die guten Wesen, die guten
jeister“) und Manen (Pitri’s), die sichtbaren und die unichtbaren.
 suche ich. damit sie dieses Heer schlagen“ 5),

1) Warrz, a. a. O0. II, 192,
?) Atharvaveda X, 4.
?) Virdj, „die Strahlende, die Herrscherin“, ein sehr
ınbestimmtes und vieldeutiges Wesen. „Name eines der
;peculation angehörigen göttlichen Wesens: Tochter (Sohn)
{es Purusha (auch Purusha selbst). oder Prajäpati, oder
liessen Gattin; als Kuh bezeichnet, die durch ihre Schritte
lie Opferfeuer vertheilt, u..s. w.; in der Folge Tochter
Sohn) Brahman’s, Mutter (Vater) des Manu Svayambhuva
‚der des Brahman selbst. In den Brähmanas zu phantatischen
 Allegorien gebraucht, unter Vermengung aller
3edeutungen des Wortes.“ BönrLınex und Rortm, Sanskrit-Nörterbuch,
 s. v. Virdj.
4) Atharvaveda VIII, 10, 29. Takshaka und Dhritaräshtra
\lrävata sind Namen häufig vorkommender Schlangendämonen.
5) Atharvaveda VII, 8, 15.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.