MITTHEILUNGEN
Anthropologischen Gesellschaft in Wien.
(Band XVIII. Der neuen Folge VIII. Band.)
sitzungsberichte. April, Mai u. Juni 1888,
a Ka E— a — A A“
'NHALT : Ausschuss-Sitzung am 10. April 1888, 1. Veränderungen im Stande der Mitglieder; S. [57]. — 2. Exhumirungs-Angelegenheit; S. [571. —
3. Schriftentauschangelegenheit; S. [57]. — 4. Commission für österreichische Ethnographie; S. [57].
Monats - Versanımlung am 10. April 1888, 1. Einladung zur 61. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Köln; S. [57]. —
2. Hoernes, Zur Frage der ältesten Beziehungen zwischen Mittel- und Süd-Europa; S. [57]. — 3. Trapp, Erdställe; S. [61]. — 4. Jelinek, Urgeschichtliches
aus dem Pamätky; S. [62]. — 5, Tomaschek, Die Culturzustände der Jenisejer; S. [63]. — 6. Krauss, Südslavische Todtengebräuche; S. [65].
Ausschuss-Sitzung am 8. Mai 1888. 1. Veränderungen im Stande der Mitglieder; S, [66]. — 2. Versammlung der deutschen Anthropologischen
Gesellschaft; S. [66]. — 83. Reactivirung des Comites für österreichische Ethnograpbie; S. [66]. — 4. Körpermessungen an österreichischen
/ölkern; S [66].
Monats- Versammlung am 8. Mai 1888. 1. Vorlesungen über Urgeschichte an der Universität Graz; S, [67]. — 2. WoldrFich, Urgeschichtiche
Forschungen in Böhmen; S. [67]. — 3. Meynert, Die Diagnose vorzeitig synostotischer Schädel am Lebenden; 8. [67]. — 4. Kulka, Vor-‚eschichtliche
Fundplätze in Oesterreichisch-Schlesien; S. [68]. — 5, Geschenke für die Bibliothek; S. [69]. — Schriftentauschverzeichniss; S. [70].
Bericht über die Excursion am 17, Juni 18883 8; [71].
Bericht über die Untersuchung der Ueberreste Beethovens; S, [73].
Ausschuss-Sitzung am 10. April 1888.
Vorsitzender: Vice - Präsident Dr. AUGUSTIN
WEISBACH.
1. Als neue wirkliche Mitglieder wurden
aufgenommen :
Dr. Franz von HABERLER, Assistent am anatomischen
Institut der Universität in Innsbruck.
Historisches Museum der Stadt Pilsen.
Franz X. Grösse, Präparator am k. k. naturhistorischen
Hofmuseum, Wien.
Dr. Dommig LiyarDIie, Regimentsarzt beim 11. Husaren-Regimente,
Wien.
2. Der erste Secretär theilt mit, dass, nachdem
in der Exhumirungs-Angelegenheit alle einleitenden
Schritte gemacht wurden, nur noch die Entscheidung
des Magistrates der Stadt Wien aussteht, und spricht
die Hoffnung aus, dass derselbe die wissenschaftliche
Untersuchung der Reste der grossen Tonheroen, welcher
alle Fachkreise mit der grössten Spannung entgegensehen,
in der thatkräftigsten Weise fördern wird.
3. Die erfolgte Einleitung des Schriftentausches
mit der Gesellschaft der Freunde der Wissenschaft in
Posen, der Redaction der Zeitschrift „Globus“, sowie
der Anthropological Society of Bombay wird zur
Kenntniss des Ausschusses gebracht.
4, Der erste Secretär macht die Mittheilung, dass
die seinerzeit vom Ausschusse eingesetzte Commission
für österreichische Ethnographie, die
ihre Thätigkeit so verheissungsvoll mit der Herausgabe
der Krauss’schen Fragebögen begonnen hat, auf
Wunsch des Präsidenten der Gesellschaft reactivirt
werden soll, um ihre seit längerer Zeit sistirten Be-:athungen
und Arbeiten wieder aufzunehmen. Die Ergänzung
der Commission, sowie die Vorlage eines
Programms für die zunächst in Angriff zu nehmenden
Arbeiten soll in der nächsten Ausschusssitzung erfolgen.
Monats-Versammlung am 10. April 1888.
Vorsitzender: (Vice - Präsident Dr. AUGUSTIN
WEISBACH.
1. Der Vorsitzende theilt mit, dass die 61. Versammlung
deutscher Naturforscher und Aerzte vom
L8.—23. September dieses Jahres in Köln tagen wird,
ınd legt eine Einladung zur Theilnahme an den Be-’athungen
der Section für Ethnologie und Anthro-»ologie
vor. Anmeldungen von Vorträgen nimmt der Ein-'ührende
dieser Section, Herr Dr. W. Jozsr, Köln,
3laubach 4, entgegen.
2, Herr Dr. Moriz Hoernes übermittelt einen
\ufsatz:
Zur Frage der ältesten Beziehungen zwischen
Mittel- und Süd-Europa.
Eine der merkwürdigsten Thatsachen in der Geschichte
ınseres Continents ist die überraschende Aehnlichkeit,
welche zwei so getrennte Gebiete desselben wie Hellas-‚talien
einerseits und der Festlandkörper des Weltheiles
andererseits in den Formen jener archaischen
Culturstufe an den Tag legen, welche in Mitteleuropa
mit dem Namen der Hallstätter Epoche bezeichnet
wird, Die Thatsache selbst steht fest, ob man auch
im Süden die Bezeichnung nach jenem mitteleuro-»äischen
Fundorte verwirft, und ob auch über die
\ırt des Zusammenhanges, der hier obwaltet, die
ijefen Schleier der Prähistorie gebreitet sind. Man
ı1at dieselben an verschiedenen Ecken und Enden zu
üften gesucht; F. v. HocHsTETTER in Wien, E. CHANTRE
n Lyon, R. v. Vıirocnow in Berlin haben ihre eigenen,
ıntereinander verschiedentlich abweichenden Formeln
‚ur Lösung dieses Problems aufgestellt; eine sehr
ıamhafte Summe geistiger Arbeit ist damit von den
senannten Forschern an eine Aufgabe gesetzt worden,
welche wohl als eine der wichtigsten der gesammten
Jrgeschichte bezeichnet werden darf. In der letzten
ı1achdrücklichen Formulirung seiner Ansicht, welche
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd, XVII. 1888, Sitzungsberichte.