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oben genannten Geographen‘ geredet hätten. Indessen
weiss auch schon der älteste, Pappus von Alexandrien,
von einer Abhängigkeit der Inseln von Ceylon, was eine
erfolgte Besetzung und Colonisation seitens der Singhalesen
voraussetzt. Auch fällt die Blüthezeit.der
ceylonesischen Monarchie, in welcher der jugendliche
Buddhismus die Bevölkerung zu allen grösseren Unternehmungen,
namentlich civilisatorischer Art, ermunterte,
an den Anfang unserer Aera — alles Momente, die
für ein sehr frühes Datum der Colonisation, also ungefähr
im ersten Jahrhundert unserer Aera sprechen.
Abgesehen von diesen historischen Nachrichten, auch
abgesehen von den übereinstimmenden körperlichen Merkmalen,
der Hautfarbe und der Haarbeschaffenheit *),
wird der singhalesische Ursprung der Maledivenbevölkerung
durch ihre Sprache erwiesen, Dieselbe stammt
nämlich, wie man bei Durchsicht ihres Wortschatzes *)
bald bemerkt, von der singhalesischen ab oder repräsentirt
vielmehr, genauer gesprochen, eine alte Sprachstufe
des Singhalesischen, die noch vor der verwirrenden
und vielfach umgestaltenden Einwirkung der Literaturund
Kunstsprache auf Ceylon, des sog. Elu oder Helu,
da. i. ungefähr Hochsinghalesisch, liegt und auf Ceylon
selbst nur mehr in der Sprache der wilden Wäddä
anzutreffen ist %. Auch dieser Umstand weist auf eine
sehr frühzeitige Abzweigung der maledivischen Colonisten
vom singhalesischen Bevölkerungsstamm hin,
denn die Entwicklung des Elu, welches die volksthümlichen
Elemente im Singhalesischen so sehr verwischte,
beginnt schon in den ersten Jahrhunderten
unserer Aera, Die Reinheit, in welcher sich im Maledivischen
das alte Singhalesisch erhalten hat, macht
demnach diesen Dialekt für den Erforscher des Singhalesischen
und seiner complicirten Verhältnisse äuserst
wichtig und wird sein genaueres: Studium erst eine
erschöpfende wissenschaftliche Erkenntniss der singhalesischen
Sprache ermöglichen *).
Es ist bemerkenswerth, dass nach mehreren Berichten,
Pyrarp’s und CHRISTOPHER’S, also der am
besten, mit den linguistischen Verhältnissen der Insel]
vertrauten Gewährsmänner, auf den verschiedenen Inselgruppen
verschiedene Dialekte geherrscht haben und
noch herrschen, PyrarD sagt darüber: „Auf dem
Atoll Suadu und weiterhin im Süden herrscht eine
schwerverständliche, rauhe und barbarische Sprache,
die aber doch noch die gemeine (Malediven-) Sprache
ist“ 5), während CHRISTOPHER an einem mir leider nicht
nicht zugänglichen Orte ®°) dem südlichen Dialekte eine
1) PyrarD, welcher der einheimischen Tradition (s. 0.)
widerspricht, hat aber, wie dies von A. Gray 1. c. durch
viele Momente erwiesen ist, nur die Tamilbevölkerung Ceylons
kennen gelernt, Siehe das einzelne bei Gray p, 178, p. 182 f.
?) Vocabular bei CHrRıSTOPHER 1. 6. p. 46—72 (gegen 1200
Wörter) und PyrarD’s Voc. bei Gray, gegen 400 Voc.
3) Kumn E., Herkunft und Sprache der Bewohner Ceylons.
Correspondenzbl. d. d. G, f. A, E. u. U. XVI, p. 43 (1885.)
4) Kvan 1. cc, p. 44,
5) An einer anderen Stelle bemerkt er, dass die „beste“
Sprache in den nördlichen Gruppen unmittelbar unter dem
König gesprochen werde,
6) Bombay Geogr. Soc. Vol. I, p. 54 f.
ıähere Verwandtschaft mit der Sprache der ersten
Jolonisten wegen der längeren Fortdauer des alten
Alphabetes daselbst und der stärkeren Verunreinigung
Jes nördlichen Dialekts durch Bengali- nnd überhaupt
Tremdwörter zuspricht. Ich möchte hier auch die Vernuthung
aussprechen, dass diese dialektischen Unterschiede
sich vielleicht auch auf eine verschiedenzeitige
Jolonisation als ihren Grund zurückführen lassen, also
ıicht blos in der inneren Geschichte der Gruppe bezründet
sind. Dies wird sich aber erst mit einiger
Zicherheit ausmachen lassen, wenn nähere Angaben
ıber diesen südlichen Dialekt vorliegen werden, Bisher
ehlen solche leider noch gänzlich,
Die Analyse des Wortschatzes der Malediver ') hat
rgeben, dass sich ihre Sprache aus ca. 60°%, sinxhalesischer,
106°, persischer und arabischer und
243° unbestimmbarer Wörter zusammensetze, Den
kest bilden Lehnwörter aus andern indischen Sprachen
ınd aus dem Malayischen. Dieser Sachverhalt findet
‚eine natürliche Erklärung in den äusseren Verhältıissen
und Geschicken des Landes. Durch den Kinfluss,
ier Araber, welche als Kaufleute über den ganzen
Jontinent und die Inseln Indiens kamen, ist nämlich
ıchon sehr frühzeitig, wahrscheinlich zugleich und im
Zusammenhang mit ‚der Lockerung ihrer Zugehörigkeit
u dem buddhistischen Ceylon, eine Ueberführung der
jevölkerung zum Islam eingetreten. Der schon genannte
rabische Geograph heiratete während seines Aufentıalts
daselbst, ca. 1340, die Tochter eines Veziers,
lessen Ururgrossvater, Chenuräzah, angeblich der erste
Zekenner des Islam auf den Inseln war. °) Wir würden
lamit mit dem Datum der Conversion an den Anfang
les 13. Jahrhunderts geführt, was mit der Zeit des
Yordringens des Islams nach Osten, überhaupt auf
dem Festlande Indiens, in einem guten Verhältnisse
stehen würde. Dieser Mohammedanisirung der Bevölzerung
seit ca. 600 Jahren zufolge zeigt natürlich
las Vulgär-Maledivische, besonders auf den mit der
Religion und abstracten Dingen zusammenhängenden
3ebieten, zahlreiche arabisch - persische Lehnwörter,
welche jedenfalls mehr als ein Zehntel des gesammten
Wortschatzes ausmachen, da von den 24°/, unbestimmjarer
Wörter (bei YurLg) mindestens noch 6—8°/, dazuzeschlagen
werden müssen. °)
Neben der allgemein üblichen Volkssprache, die
hrer Hauptmasse nach, wie erwähnt, singhalesischen
Ursprungs ist, wird auch das Arabische als feinere
/erkehrssprache und insbesondere als Handelsidiom,
jowie selbstverständlich auch als Sprache des Cultus
zepflegt. Man macht sich vielleicht die beste Vorstellung
von der Stellung des Arabischen neben der
V/olkssprache, wenn man mit PyrarD an das Lateiıische
neben den nationalen Sprachen des Mittelalters
arinnert.
Wie die Verhältnisse bei der Sprache der Malediven
liegen, ganz genau so. auch bei der auf ihnen
1) Bei Yule, 1. €.
2) Isny Bar. Vol. IV, p. 154.
3) Vergl. die lehrreiche Wörterzusammenstellung aus
DyrarD bei A. Gray 1. c. 196—207.