es
1A
durch möglichst regen Contact mit den tiefer denkenden
Elementen unserer Bevölkerung angebahnt werden
zann,
Lassen Sie mich zugleich der hochherzigen Unterstützung
mit tiefgefühltestem Danke gedenken, welche
uns im verflossenen wie in den früheren Jahren von
Seite Sr. MAJzsTÄT DES KAısers in reichstem Masse zu
Theil wurde. Auch das hohe Unterrichts-Ministerium
hat uns im verflossenen Jahre eine erhöhte Subvention
von vierhundert Gulden zugewendet. Dazu treten aber
noch andere an Localvereine und einzelne Forscher für
prähistorische Studien verliehene Subventionen SEINER
MAJESTÄT DES KArsers und der kaiserlichen Regierung,
deren grossmüthiger Gewährung thatsächlich ein grosser
Theil der ausgeführten praktischen Arbeiten zu verdanken
ist.
Ausser diesen uns so werthvollen Beweisen von Huld
und Theilnahme grosser Kreise an unsern Bestrebungen
hat uns jedoch das Jahr 1887 schwere Verluste an
bewährten Freunden und hervorragenden Vertretern unserer
Disciplinen gebracht. Wir haben durch den Tod
verloren an ordentlichen Mitgliedern Herrn Hofrath CArı
von LAnGEr, Herrn geheimen Kammerrath H. GRrROTrRIAN,
den FREIHERRN WERNER von RıssE-STALLBURG, Herrn Universitäts
- Professor Dr. F. SchHotTr, Herrn Sectionszhef
CARL Fınıer, Herrn Hofrath und Universitäts-Professor
Dr. CArı R. v, ScHrorrF, Herrn Oberstabsarzt
Dr. Jon. Tomowırz, unseren langjährigen Revisor. Diese
Liste von schwerwiegenden Namen ist durch die correspondirenden
Mitglieder zu ergänzen: ALEXANDER
EcKer (Freiburg), Graf GozzADını (Bologna), CHARLES
RAU (Washington).
Zu dem beredten Nachrufe, welchen Herr Hofrath
Dr. MeynerRT dem Andenken und der wissenschaftlichen
Bedeutung unseres verewigten Vice-Präsidenten in der
Sitzung vom 13. December 1887 gewidmet hat, will
ich nur Weniges hinzufügen. LANGER zählte zu den
ältesten und verständnissvollsten Theilnehmern unserer
Bestrebungen, waltete stets mit grösster Gewissenhaftigkeit
seines Amtes und stand uns bei allen Gelegenheiten
mit Rath und That treu zur Seite. Wir müssen diese
selbstlose Opferwilligkeit eines mit Berufsgeschäften überhäuften
Gelehrten um so höher anschlagen, als sein persönlicher
Standpunkt über die Zweckmässigkeit des häufig
zur Ermittelung der physischen Eigenthümlichkeiten der
Menschengruppen eingeschlagenen Weges von vorneherein
ain etwas skeptischer war. Er verkannte durchaus nicht
die Berechtigung einer exacten Anthropologie, konnte
jedoch dem der Statistik entnommenen Verfahren zur Bestimmung
der Formen keinen Geschmack abgewinnen. Im
Gegensatz zu jener Anschauung, welche in den grossen
Zahlenreihen eine heilkräftige Paralysirung der verwirrenden
individuellen Schwankungen erblickt, hielt LANGER
nur gewisse durch unmittelbare und eindringliche Anschauung
hauptsächlich zu gewinnende »Typen« für beachtenswerth
und verwarf die durch Mittelzahlen gewonnenen
Werthe, Wir sind nicht berechtigt, diese Ansicht
zu kritisiren, constatiren jedoch, dass LANGER sich nicht
den positiven Resultaten der bisher ausgeführten Arbeiten
vzerschloss. Dies beweist seine Arbeit »Die physische Be-Chaffenheit
der Bevölkerung Niederösterreichs« in dem
Werke »Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort
und Bild«, Die Fruchtbarkeit und Tiefe seiner auf
-ollster Beherrschung der Morphologie und scharfer
Zeobachtungsgabe beruhenden wissenschaftlichen Aufassung
beweist auch dessen »Wachsthum des menschichen
Skeletts mit Bezug auf den Riesen« (Denkschr.
mnathemat. Cl. d. Wien. Akad. XXXD. Aus seiner unnittelbaren
Leitung und unter dessen geistigem Einlusse
sind zahlreiche jüngere Kräfte hervorgegangen,
welche thatkräftig die Förderung der physischen Anthrooologie
betreiben, Wir werden LAnGER’s Andenken für
ılle Zeiten dankbarst zu bewahren haben.
Dr. CHARLES RAU war Curator der archäologischen
Abtheilung des Nationalmuseums in Washington, deren
allgemein gerühmte zweckmässige Anordnung ihm zu
verdanken ist. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit
lem Studium der primitiven Industrien, wozu die Verältnisse
in Amerika ihm besonders werthvolles Mate-:jal
boten. Ausser in den Berichten der »Smithsonian
nstitution« wurden dessen Arbeiten vielfach in dem
‚Archiv für Anthropologie« niedergelegt, dessen‘ treuer
itarbeiter seit dem Beginn dieses Organs CHARLES
ZAU war. Sein letztes Werk war »Die prähistorische
Fischerei in Europa und Nordamerika«, dessen Beleutung
für unsere Studien auch in unsern Mittheilungen
yebührend hervorgehoben wurde,
Professor A. EckEr war einer der hervorragendsten
Vertreter der Anthropologie in Deutschland. Seine bahnbrechende
Schrift »Crania Germaniae meridionalis occilentalis«
erschien ziemlich gleichzeitig wie die‘ »Crania
Ielvetica« von Hıs und RürmpyEer, Die von EcKErR
in Anwendung gebrachte Methode der Untersuchungen
wie der Schlussfolgerungen ist trotz mancher seitdem
arzielten Fortschritte als mustergiltig zu betrachten.
Zines der glücklichsten Resultate dieser Arbeit ist die
\ufstellung des »Reihengräberschädels«, dessen Bedeutung
°ür die Beurtheilung des germanischen Typus allerdings
ırst durch Vırcnow in richtigeres Licht gerückt wurde,
IcKER gehört zu den Gründern des bereits von BAzr
861 angeregten, jedoch erst zu Frankfurt a/M. am
', Juni 1865 zu Stande gekommenen »Archivs für
1\nthropologie«. Er wurde im Vereine mit LINDENSCHMIT
nit der Redaction desselben betraut. Ein Ueberblick
iber die daselbst niedergelegten Arbeiten EcgEr’s beveist,
dass ausser seinem eigentlichen Fache auch die
>rähistorik sein Interesse besass. Wir heben aus den-‚elben
hervor: »Ueber eine charakteristische Eigenthümichkeit
in der Form des weiblichen Schädels« (I); »Zur
intwicklungsgeschichte der Furchen und Windungen
‚uf den Grosshirnhemisphären im Fötus des Menschen«
IN); »Skelettreste aus dem Gräberfeld am Hinkelstein
.nweit Mondheim (III); »Die Höhlenbewohner der Rennhierzeit
von Les Eyzies« (Höhle von Cro-Magnon) (IV);
Ueber menschliche Niederlassungen aus der Rennthierzeit
m Löss bei Munzingen« (VII); »Zur Kenntniss der Wirzung
der Skoliopädie des Schädels auf Volumen, Gestalt
ınd Lage des Grosshirns und seiner einzelnen Theile« (IX);
Zur urgeschichtlichen und culturgeschichtlichen Terninologie«
(IX); »Zur Kenntniss der quaternären Fauna