267
etwas Zuckerrohr und Tabak; ausserdem noch Cocosund
Bongapalmen nebst Piper Betel. Der Hauptvorrath
der Ernte wird in separaten Häuschen, welche
die gleiche Form der Wohnhäuser haben, aber kleiner
sind, aufbewahrt.
Durch die vielen Quellen und gut angelegte
Canalisation können im Jahre zwei Ernten erzielt
werden. Die Felder werden mit ruderförmigen Stangen
umgearbeitet, welche wie Grabscheite gehandhabt
werden. Der Pflug ist unbekannt. Als Hausthiere
sind zu nennen: Büffel, Schweine, Hunde,
Hühner und auch Tauben; Pferde sind selten.
° Die Nahrung besteht in Vegetabilien; Fleisch wird
nur bei Festlichkeiten genossen. Da Tabak wenig
angebaut wird, wird auch weniger geraucht als in
Bontoc, Benguet, Lepanto und Abra, wo die Eingeborenen
leidenschaftliche Raucher sind; an Stelle
dessen wird mehr Buyo (Betel) gekaut und deshalb
in allen Rancherien die überaus sorgfältige Pflege
Jer Bongapalmen. Aus Reis oder auch aus Zuckerrohr
stellen sie ein berauschendes Getränk, den Basi, dar.
Die Quianganen erscheinen weit reinlicher als die
Bontocleute und die sogenannten Igorroten, was
Jarin seine Erklärung findet, dass sie in einem weit
milderen, günstigeren Klima und Terrain leben.
In allen Reiseberichten über Igorroten und deren
Nachbarn wird über den grossen Mangel an Reinlichkeit
derselben gesprochen; ich führe zur Vertheidigung
ler als Schmutzfinken Verdächtigten Folgendes an:
Durch das ungleich rauhere und unwirthlichere Klima
bedarf der Bontocbewohner resp. Igorrote in seiner
Hütte Feuer, um sich zu erwärmen. Um wärmer zu
wohnen, macht er die Hütte kleiner; als Eingang
Jlient häufig nur ein viereckiges Loch zum Hineinkriechen.
Das gesammte Innere beschlägt natürlich
mit Russ (also einer desinficirenden Substanz), und
Alles, mit dem man in Berührung kommt, wird
schmutzig oder, besser gesagt, russig; ich habe oft
genug in derartigen elenden Hütten geschlafen und
kam des Morgens schmutziger, d. h. schwärzer heraus
als meine Igorrotenbegleiter und musste in diesem
Zustande noch weit marschiren, bis Gelegenheit zu
einem Bade kam, Die Igorroten etc. nehmen jede
Gelegenheit wahr, um sich zu baden und zu reinigen,
und macht es einen höchst komischen Eindruck,
wenn sie sich mit Steinen, die sie wie Seife hand-‘1aben,
den Körper abschrubbern.
Die Religion der Quianganen ist etwa dieselbe,
wie die ihrer Nachbarn, Sie haben ein höchstes
unsichtbares Wesen, einen Gott, der Alles geschaffen
1at; demselben widmen sie keinen Cultus. Sie meinen
ıämlich, dieses Wesen sei so unendlich mächtig,
lass es vermessen sei, es durch irdische Dinge zu
rerehren. Sie haben den Anitocultus. Der Anito
st kein gemeinsamer; jeder der Ihrigen verwandelt
sich nach seinem Tode in einen Anito, d. h. einen
Jlalbgeist, der also noch theils menschliche Bedürfısse
hat, also z. B. gut essen und trinken will, und,
venn ihm dies nicht zu Theil wird, seiner Familie
rgend welchen Schabernack spielt. Der ganze Cultus
zeht dahin, die Anitos durch Opfer bei guter Laune
zu erhalten. um zufrieden leben zu können.
Fig. 55. Anitofigur der Quianganen,
Oefters findet man den Anito bildlich dargestellt,
ınd zwar am Wege, in Waldlichtungen, bei den Reiseldern
ete. Die beiden von mir aufgenommenen
”hotographien, nach welchen die Abbildungen Fig. 55
ınd Fig. 56 ausgeführt sind, verdeutlichen genügend
lie beiden Anitos, die sie darstellen. Beide sind aus
Stämmen von starken Baumfarren geschnitzt und etwa
zinen Meter hoch; die eine Figur (55) ist mit Bogen
ınd vier Bambuspfeilen bewaffnet. Bei beiden sind
Mund und Augen mit Steinen ausgelegt und der
Zücken mit hohem Schilfgrase verziert. Auf die Köpfe
ınd zu Füssen werden Opfergaben niedergelegt,
Zeis, Mais, Tabak, Betel etc.; eine Cocosschale
lient zur Aufnahme von Basi (Wein). Ich wollte
lie beiden Figuren mitnehmen, musste es aber auf-